Seit 35 Jahren gibt es in Honzrath Pferderennen

Pferderennen Honzrath : Die Sieger bleiben im Sauwetter sauberer

Großer Sport auf der Bahn und grandiose Wetterfrustrations-Toleranz: Das zeichnete die Honzrather Pferderennen aus.

Seit 35 Jahren veranstaltet der Reit- und Rennverein Honzrath stets am ersten Sonntag im Oktober seinen großen Galopprenntag. Der Ehrenvorsitzende Andreas Gratz erinnert sich: „Zu 90 Prozent hatten wir immer schönes Wetter. Heute sind’s die restlichen zehn Prozent.“ Aber der Dauerregen auf der Heiderennbahn von Honzrath-Hellwies ficht weder die vier- noch die zweibeinigen Akteure an, und erst recht nicht die vielen Besucher. Im Mittelpunkt steht natürlich auch diesmal das inzwischen 28. Jagdrennen „der große Hindernispreis des Saarlandes“, dessen herausragenden sportlichen Wert nicht nur der Verein der Rennpferdebesitzer und Reiter richtig einzuschätzen weiß.

Als erste Herausforderung nehmen alle Beteiligten schon mal die Anfahrt von der befestigten Straße zum höhergelegenen Parkplatz wahr. Wie im tiefen Schnee wühlen sich die Räder durch den vom Dauerregen aufgeweichten Matsch. Glücklich, wer sich im Kofferraum neben dem Regenschirm die Gummistiefel zurechtgelegt hat. Auf der Heiderennbahn selbst bewähren sich Fleiß und Organisationstalent der zahlreichen Vereinsmitglieder. Insbesondere weil hier alle mit anpacken, kann dieses sportliche Event trotz des miesen Wetters programmgemäß abgewickelt werden.

Alle Fäden laufen bei Marion Bast, der Geschäftsführerin des aktiven Vereins, zusammen. Sie hat von den insgesamt acht Rennen dieses Nachmittags natürlich vor allem den großen Hindernispreis des Saarlandes im Fokus, der als Jagdrennen über eine Distanz von 3400 Metern mit zwölf Natursprüngen führen wird und mit stolzen 6600 Euro an Preisgeldern ausgeschrieben ist. Weil aber in Honzrath auch auf die Nachwuchsarbeit größter Wert gelegt wird, haben bei diesem Renntag neben nationalen und internationalen Reitern auch die Jüngsten, wenn auch losgelöst vom großen Wettkampfbetrieb, ihren Auftritt. Richtig ernst wird’s dann im ersten Lauf des Wettstar Junior-Cups Südwest, bei dem sich sechs junge Damen mit ihren Pferden um den Sieg streiten.

Die mit Plastiktüten geschützten Lautsprecher sind laut genug, um aktuell zum Führring oder an die Rennstrecke zu rufen. Das gilt natürlich auch für die vor dem Dauerregen Schutz suchenden Zuschauer im Festzelt, wo auf weißblauen Plakaten zum Oktoberfest begrüßt wird, leibliche Genüsse serviert und die spannenden Rennwetten abgeschlossen werden. Wer seinen Regenschirm nicht aufspannen will, klettert vielleicht lieber gleich auf einen der beiden Zuschauerwagen. Einer davon ist freilich für Ehrengäste reserviert, auf dem beispielsweise Klaus Wilhelm, Präsident des Verbandes Südwestdeutscher Rennvereine, die spannenden Rennen verfolgt.

„Richtig nass hier“, versichern unmittelbar an der Rennstrecke Peter und Heide Wengers, die eigens aus Karlsruhe angereist sind, „aber alles toll organisiert.“ Das nasse Geläuf hat natürlich auch einen kleinen Vorteil: Die Reiter und Pferde, denen ein Start-Ziel-Sieg gelingt, unterscheiden sich deutlich von den nach ihnen platzierten Konkurrenten. Sie sind unabhängig von den Lautsprecherdurchsagen beim Zieldurchlauf gut zu erkennen, weil vergleichsweise sauber – anders als ihre Verfolger, denen die Hufe der Sieger den nassen Matsch gleich haufenweise entgegengeschleudert haben.

Wie war das nochmal? Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur unangepasste Kleidung. Oder: Man muss sich nur zu helfen wissen, zum Beispiel mit aufgeschnittenen Wasserflaschen als Schlammschutz. Foto: a-n

Aber das schreckt weder Reiter noch Zuschauer ab. Letztere trotzen dem Regen halt mit Schirmen (einer sogar mit bunten Rennszenen verziert) oder Stiefeln. Und eine ältere Dame, die wohl ihre Gummistiefel vergessen hat, schlüpft kurzerhand in aufgeschnittene Wasserflaschen – man muss sich eben nur zu helfen wissen. Letztlich dürfen sich der gastgebende Verein und seine Sponsoren über eine gelungene Veranstaltung trotz des „zehn-Prozent-Wetters“ und über die Tatsache freuen, dass auch bei dem spannenden Hindernisrennen keine Unfälle passiert sind.

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