Seine letzte Chance

Olympia in Rio oder planschen im Freibad in Saarbrücken: Für Andreas Waschburger geht es an diesem Sonntag beim Weltcup in Setubal/Portugal um alles. Der 29-Jährige will die Qualifikation unbedingt schaffen.

Selbst Fußball-Weltmeister Thomas Müller drückt die Daumen, wenn es für Freiwasser-Schwimmer An dreas Waschburger um die Olympia-Qualifikation geht. An diesem Sonntag muss "Waschi" liefern. Nachdem er bei der Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr mit Rang 16 das Ticket für Rio um sechs Positionen verpasste, hat er nun beim Wettkampf im portugiesischen Setubal ab 17 Uhr deutscher Zeit über zehn Kilometer seine letzte Olympia-Chance.

Um sich zu qualifizieren, muss der Saarbrücker unter die besten Zehn kommen und Mannschaftskollege Christian Reichert im nationen-internen Duell hinter sich lassen. Um auch das letzte Quäntchen aus seinem Schwimmer rauszuholen, hat Waschburgers Trainer Hannes Vitense seine Kontakte spielen lassen. "Er hat mir eine Autogrammkarte von Müller mit spezieller Widmung besorgt. Für mich als Bayern Fan ist das natürlich eine besondere Motivation", freut sich der 29-Jährige über die Aktion.

Am Sonntag wird es weitaus mehr brauchen als nur Motivation und Daumen drücken. Bei dem Gerangel und dem Kampf um die beste Position kommt es neben dem Stehvermögen und der Leistungsfähigkeit auch darauf an, Schläge und Tritte unbeeindruckt wegzustecken. Genügend Erfahrung müsste Waschburger haben. Er ist schon lange dabei und wurde bei seiner Olympia-Premiere 2012 in London starker Achter. Vitense ist sich auf jeden Fall sicher, dass "Waschi" bereit ist: "Wir haben unseren Plan eins zu eins umgesetzt. Wir sind in der Vorbereitung bis ans Limit gegangen. Es geht darum, dass er sein bestes Rennen abliefert", erklärt der saarländische Landestrainer und ergänzt: "Es gibt keine Ausreden."

3000 Kilometer ist Waschburger in dieser Saison bisher geschwommen und hat sechs Trainingslager absolviert. Er hat seine Ernährung umgestellt, sportpsychologisch gearbeitet und spezielles Athletiktraining eingebaut - alles für das eine Ziel. Auch die letzten Einheiten vor dem Abflug nach Portugal an diesem Donnerstag stimmen den Polizei-Komissar positiv: "Ich fühle mich gut. Es kann losgehen."

Dabei kam er in Setubal in der Vergangenheit nur schwer mit den niedrigen Temperaturen des Sees zurecht. Doch Vitense sagt: "In der Vergangenheit war das Wasser 16 Grad kalt. Diesmal sollte die Temperatur bei 18 Grad liegen. Das ist dann richtig angenehm zum Schwimmen." Bevor Waschburger dies am Samstag beim Streckentest erstmals überprüfen kann, steht in Portugal vor allem eines auf dem Programm: Erholung. Schließlich will der 29-Jährige am Sonntag ausgeruht und topfit sein, wenn es dann richtig zur Sache geht.

"Wenn er sein Potenzial abruft, müsste es klappen", schätzt Vitense die Chancen ein und ergänzt: "Er ist auch mental stark." Wenn Waschburger alles abrufen kann, steht der Qualifikation nichts im Wege. Dann könnte er am späten Abend vielleicht sogar doppelt feiern: Seinen Erfolg und einen möglichen EM-Auftaktsieg der deutschen Nationalmannschaft um Torgarant und Glücksbringer Thomas Müller .

Zum Thema:

Auf einen Blick Die Beckenschwimmer Annika Bruhn und Christoph Fildebrandt von der SSG Saar Max Ritter (beide Stammverein SC Illingen), die beide noch Chancen auf die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Rio haben, werden versuchen, die Norm mit ihren Staffeln bei den German Open vom 5. bis 8. Juli in Berlin zu bestätigen. Unter Umständen könnte für Bruhn sogar noch ein Einzelstartplatz in Rio herausspringen. Durch Regularien des Weltverbandes Fina kann es sein, dass der Staffelplatz durch einen Einzelstart abgesichert werden muss. Davon könnte Bruhn, die die Einzel-norm verpasst hat, aber beste Deutsche ist, profitieren. Das wird sich endgültig bei der Nominierung des Deutschen Olympischen Sportbundes am 12. Juli entscheiden. dko