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Seine ersten Posten ist Dopingsünder Erik Zabel los

Köln. Jahrelang hat Dopingsünder Erik Zabel nicht die Wahrheit gesagt. Nun muss der Ex-Sprinter viel Prügel einstecken und verliert seinen Posten als Sportdirektor des Hamburger Radrennens Cyclassics. sid

Durch Lügen und Leugnen versuchte Erik Zabel, sein auf Betrug aufgebautes "Traumleben" im Radsport-Zirkus zu schützen. Nach seinem neuerlichen Doping-Geständnis ist für den einstigen Vorzeige-Profi aber vermutlich kein Platz mehr. Den Posten als Sportdirektor von zwei der wichtigsten deutschen Radrennen ist der 43-Jährige bereits los, weitere Partner könnten bald Abstand von ihm nehmen.

"Wir haben uns am Wochenende in einem ausführlichen Gespräch mit Erik Zabel über dessen Zukunft als Sportdirektor unserer beider Veranstaltungen ausgetauscht. Darin hat er angeboten, seinen Posten niederzulegen. Wir sind diesem Angebot nachgekommen", sagte Frank Bertling, Geschäftsführer der für die Planung der Hamburg Cyclassics und des Pro-Race Berlin zuständigen Organisation Upsolut. Der Koblenzer Radhersteller Canyon, für den ausgerechnet Zabel als Gesicht der Initiative "Young heroes" Nachwuchsfahrer unterstützt und motivieren soll, prüft, ob eine weitere Zusammenarbeit noch beabsichtigt ist. Die umstrittene russische Profimannschaft Katjuscha, für die Zabel unter anderem als Sprinttrainer tätig ist, äußerte sich nicht.

In die Ecke gedrängt, hatte Zabel sechs Jahre nach seiner schauspielerischen Glanzleistung bei seiner ersten bruchstückhaften Dopingbeichte nachgelegt. "Epo, Kortison, dann sogar Blutdoping" gab der sechsmalige Gewinner des Grünen Trikots bei der Tour de France in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung zu: "Es ist doch eine ganze Menge." Er habe sich 1996 bewusst entschlossen, mit dem Dopen zu beginnen. Zunächst benutzte er das Blutdopingmittel Epo. Als die Nachweismethoden besser wurden, sei er wie etliche andere Fahrer umgeschwenkt - auf Eigenbluttransfusionen. Bei seinem tränenreichen Geständnis 2007 hatte Zabel noch behauptet, nur einmal in seiner Karriere kurz mit Epo experimentiert zu haben.

Die deutschen Profifahrer um Marcel Kittel und John Degenkolb, deren Erfolge auf Grund der Verfehlungen der Epo-Generation seit jeher kritisch hinterfragt werden, reagierten ernüchtert auf Zabels Beichte. "Ich finde, es ist tendenziell ein guter Schritt, der uns auch weiterbringt. Aber ich bin schon enttäuscht, dass er es nicht schon 2007 so gemacht hat", sagte Degenkolb, im Vorjahr fünfmaliger Etappensieger der Spanien-Rundfahrt.