| 21:14 Uhr

Fußball-Regionalliga Südwest
„Sehr fair“ oder doch „vom Hof gejagt“?

Die SV Elversberg baut ihren Kader um: Der ehemalige Kapitän Thomas Birk (Mitte) und der aktuelle stellvertretende Kapitän Jan Washausen (rechts) müssen sich einen neuen Verein suchen.
Die SV Elversberg baut ihren Kader um: Der ehemalige Kapitän Thomas Birk (Mitte) und der aktuelle stellvertretende Kapitän Jan Washausen (rechts) müssen sich einen neuen Verein suchen. FOTO: Andreas Schlichter
Elversberg. Die SV Elversberg hat sechs Spieler aus dem Regionalliga-Kader gestrichen. Das sorgt für Riesendiskussionen. Heiko Lehmann

Ganz alleine war Thomas Birk gestern Vormittag auf dem Trainingsgelände der SV Elversberg im französischen Großblittersdorf. Drei Tage nach dem Beginn der Winterpause wollte der 29-Jährige keine Extra-Einheiten schieben, er räumte seinen Schrank aus. Nach dreieinhalb Jahren wurde der ehemalige Kapitän einen Tag nach der Weihnachtsfeier der Mannschaft aussortiert. „Beim Verlassen der Weihnachtsfeier hat mir der Trainer gesagt, dass er mich morgen noch einmal anrufen muss. Da war mir klar, was passiert“, erzählt Birk.


Die SVE teilte ihm, dem stellvertretenden Kapitän Jan Washausen, dem Toptorjäger der vergangenen Saison, Edmond Kapllani (15 Tore), sowie den Nachwuchsspielern Till Hermandung und Tjorben Uphoff mit, dass sie ab sofort nicht mehr zum Kader zählen und nach der Winterpause bei der U21 mittrainieren dürfen. Auch Milad Salem, der bereits im November eine Denkpause bekam, wurde ausgemustert.

„Es hat sich gezeigt, dass die Gruppe, die wir hatten, einfach zu groß war – und das war nicht gut. Nach der Winterpause wollen wir mit einer kompakten Gruppe weitermachen, und deshalb trennen wir uns von diesen Spielern. Das hat keine persönlichen Gründe“, erklärt Trainer Karsten Neitzel. Entweder suchen sich die ausgemusterten Profis sofort einen neuen Verein. Oder sie müssen bis Sommer bei der zweiten Mannschaft trainieren. Ob sie dort auch spielen dürfen, ist fraglich.



Der Sohn von Ex-Kapitän Birk geht seit diesem Jahr in Saargemünd in die Schule, seine Frau hat gerade eine Arbeit gefunden. Zudem haben die beiden noch eine Tochter im Alter von acht Monaten. „Ich kann mir nicht einfach sofort einen anderen Verein suchen und von heute auf morgen umziehen. Und das in der Weihnachtszeit. Ich bin sehr enttäuscht, wie wir hier vom Hof gejagt werden“, sagt Birk.

Neitzel sieht die Trennung als „sehr fair“ an, da die Spieler nun ein halbes Jahr Zeit hätten, um sich einen neuen Verein zu suchen. Dennoch bleiben bei dem Ganzen auch sportliche Fragen offen. Warum muss Kapllani gehen und nicht Johannes Rahn, der seit zweieinhalb Jahren kein Ligator mehr erzielt hat? „Rahn hat am vergangenen Samstag ein Tor vorbereitet, und außerdem sehe ich die Spieler nicht nur im Spiel, sondern jeden Tag im Training“, sagt Neitzel. Der Trainer möchte nicht zu jedem aussortierten Spieler eine Begründung abgeben. Für ihn zählt die Verkleinerung der Gruppe, in der es in der ersten Saisonhälfte hinten und vorne nicht stimmte.

Auf der Weihnachtsfeier am vergangenen Wochenende waren nach SZ-Informationen nach zwei Stunden kaum noch Spieler anwesend. Mit einer kleineren Gruppe soll es im neuen Jahr besser laufen. Die Langzeitverletzten Aleksandar Stevanovic, Fatih Köksal und Moritz Göttel kehren zurück. Und auch die zuletzt angeschlagenen Kevin Maek und Smail Morabit sind zum Vorbereitungsauftakt am 7. Januar wieder am Start. Neuzugänge in der Winterpause schließt Neitzel nicht aus, aber: „Wir werden sicher keine drei oder vier Neuen holen.“ Nach SZ-Informationen soll sich Neitzel schon mit Spielern getroffen haben. „Nein, das stimmt nicht. Wir hätten auch ohne Neuverpflichtungen eine Gruppe, die groß genug ist, und könnten auch Spieler aus der A-Jugend und der U21 hochziehen.“

Nach zwei verpassten Aufstiegen in den vergangenen beiden Spielzeiten herrscht bei der SVE in dieser Adventszeit schon ein gewisses Durcheinander. Es läuft irgendwie nicht rund – und das, obwohl der Abstand zum zweiten Tabellenplatz, der zur Aufstiegsrelegation berechtigt, nur sechs Punkte beträgt.