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Schwimmen: Lurz geht in einer stinkenden Kloake auf Titeljagd

Barcelona. Am Freitag wurde die Schwimm-WM in Barcelona eröffnet, an diesem Wochenende stehen die ersten Entscheidungen an. Die Hoffnungen des Deutschen Schwimm-Verbandes ruhen vor allem auf Erfolgsgarant Thomas Lurz. sid/dpa

Der erste Sprung ins WM-Wasser von Barcelona schmeckte nicht nach Gold. "Das ist eine Kloake", sagte Freiwasser-Rekordweltmeister Thomas Lurz nach dem Training im Hafenbecken der Olympiastadt von 1992. Sein Bruder Stefan, der Bundestrainer, formulierte es noch drastischer: "Wer springt schon gerne in die Toilette?" Am Samstag um 13 Uhr muss die erste Medaillenhoffnung des Deutschen Schwimm-Verbandes wieder in die dreckige Brühe gleich neben den Tankern: Über fünf Kilometer will Thomas Lurz seinen WM-Titel von 2011 verteidigen.

Der 33-Jährige ist schlechte Bedingungen gewohnt, in Brasilien schwamm er an toten Schildkröten und Holzpaletten mit rostigen Nägeln vorbei. Deshalb rümpfte der Olympia-Zweite von London nach den ersten Bahnen im Moll de la Fusta zwar die Nase, blieb aber gelassen: "Es ist nicht ganz extrem, die Wassertemperatur ist okay. Wir sind viel gewohnt, da muss man durch."

"Es ist eklig"

Andere hatten größere Probleme. "Die Mädels haben schon gewürgt", berichtete Stefan Lurz. Isabelle Härle, die mit Außenseiterchancen am Samstag um 10 Uhr über die fünf Kilometer ins Rennen geht, gab zu: "Es ist eklig." Die 17-jährige Finnia Wunram, die ihre erste WM bestreitet, zog sich eine Schnittwunde zu, als sie aus dem Wasser kletterte. Sofort war die Angst vor einer Infektion groß. "Es kamen gleich mehrere Sanitäter angerannt", erzählte Stefan Lurz, "die waren ganz aufgeregt." Im stinkenden Hafenwasser schwimmt herum, was sich kein Schwimmer in seiner Nähe wünscht. "Tampons, Binden, Kondome", zählte der Bundestrainer auf. Den Ölfilm oben drauf erwähnte er gar nicht.

Neben Lurz und Co. beginnen auch die deutschen Wasserspringer mit ihren Wettbewerben. Die EM-Erfolge von Rostock vom Juni mit zehn Medaillen (zwei Gold, vier Silber, vier Bronze) sind weltweit gesehen angesichts der Dominanz aus Übersee nicht sonderlich viel Wert. Der deutsche Bundestrainer Lutz Buschkow erwartet ein bis zwei WM-Medaillen und viele Finalplatzierungen.