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Schweizer Ramon Vega will gegen Fifa-Präsident Infantino antreten

Fußball : Vegas Ambitionen setzen auch den DFB unter Druck

Amtsinhaber Gianni Infantino bekommt für die Präsidentenwahl beim Fußball-Weltverband Fifa womöglich einen Herausforderer aus der Schweiz.

Ramon wer? Selbst Google und Wikipedia haben nicht allzu viel über den Mann zu bieten, der seinen mächtigen Landsmann Gianni Infantino herausfordern will. Ramon Vega, ein 47 Jahre alter Ex-Nationalspieler aus der Schweiz, möchte am 5. Juni Präsident des Fußball-Weltverbandes Fifa werden. Er hat keine Chance, so viel ist sicher. Und dennoch birgt seine Ankündigung via Süddeutscher Zeitung viel Zündstoff.

Denn nun könnte sich den zahlreichen Kritikern Infantinos eine Alternative bieten – was sie mehr denn je zur Positionierung zwingen würde. Das gilt auch und vor allem für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) mit seinem Präsidenten Reinhard Grindel. Entscheidend werden die kommenden Tage sein. Sollte Vega bis zum „Einsendeschluss“ am Dienstag die notwendige Unterstützung von fünf Nationalverbänden vorlegen können, wird umgehend die Spitze der Europäischen Fußball-Union (Uefa) inklusive Grindel in den Mittelpunkt rücken. Schließlich steht zwei Tage später der Uefa-Kongress in Rom auf dem Programm.

Die Chefetage des Kontinental-Verbandes um seinen Infantino-kritischen Präsidenten Aleksander Ceferin wäre aufgefordert, Farbe zu bekennen. Denn Infantino wegen seiner dubiosen Machenschaften immer wieder zu tadeln, ist das eine. Eine erneute Amtszeit des früheren Uefa-Generalsekretär durch die Unterstützung eines Gegenkandidaten verhindern zu wollen, wäre etwas ganz anderes.

Wahrscheinlich wird die Uefa versuchen, erst einmal auf Zeit zu spielen. Der DFB, der über die Absichten Vegas vorab informiert war, hat damit bereits begonnen. Laut DFB-Mediendirektor Ralf Köttker werde Grindel, der wie Ceferin nicht auf einer Wellenlänge mit Infantino funkt, beim Uefa-Kongress „mit seinen Kollegen aus dem Exekutivkomitee die Lage in der Fifa erörtern“. Für eine Festlegung seines Abstimmungsverhaltens bei der Fifa-Wahl „im Lichte der Diskussionen innerhalb der Uefa“ habe der DFB anschließend noch ausreichend Zeit.

Es ist zwar nicht ganz die Wahl zwischen Pest und Cholera – dennoch steht der DFB vor einer schwierigen Entscheidung. Auf der einen Seite steht die Verbandsspitze dem Fifa-Boss kritisch gegenüber. Vor allem wegen Infantinos undurchsichtigem Verhalten im Zusammenhang mit einem mysteriösen Milliarden-Angebot für die Einführung einer weltweiten Nations League und die Aufblähung der Club-WM. Andererseits will der DFB seinen ohnehin nur überschaubaren Einfluss nicht dadurch schmälern, dass er den Zorn Infantinos auf sich zieht. Ein DFB-Kreuzchen an der falschen Stelle würde dem Präsidenten sicherlich nicht gefallen.

Dass Infantino (48) die Wahl gewinnen wird, steht außer Frage. Dafür hat er der Mehrheit der Verbände zu viele Geschenke gemacht – allen voran die Aufstockung der WM-Endrunde auf 48 Teams. Es kommt nicht von ungefähr, dass wenige Tage vor dem Bewerbungsschluss niemand außer Vega – Ex-Profi bei den Grasshopper Zürich, Cagliari Calcio, Tottenham Hotspur, beim FC Watford und US Creteil – seinen Hut in den Ring geworfen hat.