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Schwarzl ist der „Aktivator“

Schwarzl ist der „Aktivator“

Roland Schwarzl ist bei Fußball-Drittligst SV Elversberg der Mann für die Fitness. Der 32-Jährige Zehnkämpfer ist auch noch selbst aktiv. Dabei peilt der Österreicher sogar die Olympischen Spiele 2016 an.

Gerade mal 25 Minuten sind absolviert, als Roland Schwarzl die Ersatzspieler der SV Elversberg zum "Aktivieren" hinter das Tor bittet. Ein zehnminütiges Programm, das den Körper auf Betriebstemperatur bringen soll - falls Dietmar Hirsch, der Trainer des Fußball-Drittligisten, kurzfristig eine Änderung vornehmen muss. Dabei ist Schwarzl vielleicht sogar der einzige Fitness-Trainer im deutschen Profifußball, der sich gemeinsam mit den Spielern aufwärmt. Sei es im Training, vor oder während der Spiele.

Der 32-jährige Österreicher ist seit dieser Saison bei der SVE. "Ich mache viele Übungen vor. Und die Spieler wissen so genau, was sie zu tun haben. Zudem macht mir die Bewegung Spaß", sagt Schwarzl. Mit dem traditionellen Warmmachen mit Laufen und Dehnen hat das alles nichts mehr zu tun. "Wir absolvieren viele Übungen im Schnellkraftbereich. Gedehnt wird nicht mehr. Wenn überhaupt, machen wir beispielsweise längere Schritte im Bewegungsablauf", sagt der Österreicher.

So gut wie keine muskulären Verletzungen im SVE-Team in der ersten Saisonhälfte geben der neuen Methodik und der Arbeit von Roland Schwarzl Recht. Und dessen Kenntnisse kommen nicht von ungefähr. Der Zwei-Meter-Hüne, der in Lienz in Osttirol geboren ist, gehört zu den erfolgreichsten Leichtathleten überhaupt in seinem Heimatland. 13 Mal wurde der 32-Jährige österreichischer Meister im Zehnkampf.

Dazu kamen Titel im Hochsprung, Weitsprung und Stabhochsprung. Bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen wurde Schwarzl Zehnter. Und das mit Trainingsbedingungen, die durchaus ausbaufähig sind: "Wir haben uns im Winter die Laufbahnen frei geschaufelt, um trainieren zu können. In ganz Österreich gibt es zwei Hallen, die einigermaßen zum Trainieren geeignet sind. Bei größeren Veranstaltungen, wie dem Musikantenstadl, sind die Hallen direkt einen Monat gesperrt."

2011 packte Schwarzl mit seiner Frau Sandra die Koffer und zog ins saarländische Ensheim. Wie es der Zufall wollte, direkt neben SVE-Kapitän Timo Wenzel. "Am Olympiastützpunkt in Saarbrücken sind sensationelle Bedingungen für Leichtathleten, deshalb bin ich hier", sagt Schwarzl, der mittlerweile saarländischer Landestrainer für die Sprung-Disziplinen ist und die Talente Marvin Bollinger (Zehnkampf) und Pascal Koehl (Stabhochspringer) trainiert.

Über Wenzel kam der Kontakt zu SVE-Sportdirektor Roland Benschneider zustande, den die Arbeit von Schwarzl überzeugte. "Ich habe mich schon immer für Fußball interessiert und weiß, dass man im athletischen Bereich bei Fußballern noch viel mehr rausholen kann", sagt der Österreicher, der viele, unterschiedliche Trainerscheine gemacht hat, aber viel größeren Wert auf die Erfahrung legt.

"Ich habe über Jahre immer mal wieder für mehrere Monate in den USA trainiert und dort viele neue Dinge gelernt, die bei uns kaum angewandt werden", sagt Schwarzl, der seine aktive Karriere trotz der Trainertätigkeiten noch nicht beendet hat. "Ich trainiere zurzeit reduziert, erhöhe mein Pensum aber im kommenden Jahr. Ich versuche, im Weitsprung die Norm für die Olympischen Spiel 2016 in Rio de Janeiro zu schaffen", erklärt der 32-Jährige seine ehrgeizigen Ziele.

Was ist aus seiner Sicht eigentlich wahrscheinlicher - der Aufstieg der SVE bis zum Jahr 2016 in die 2. Bundesliga oder Schwarzl 2016 bei den Olympischen Spielen? "Da würde ich ja fast schon sagen, dass beides realistisch ist", sagt Roland Schwarzl und lacht. Bis es soweit ist, wird aber in Elversberg noch fleißig "aktiviert".