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Stadion-Diskussion in Saarbrücken
Schuldzuweisungen von allen Seiten

Der erste Spatenstich im Ludwigsparkstadion: Am 20. Januar 2016 packte der in der Kritik stehende Sportdezernent Harald Schindel selbst an.
Der erste Spatenstich im Ludwigsparkstadion: Am 20. Januar 2016 packte der in der Kritik stehende Sportdezernent Harald Schindel selbst an. FOTO: Andreas Schlichter
Saarbrücken. Der 1. FC Saarbrücken kann frühestens 2020 wieder im Ludwigsparkstadion spielen. Der Streit mit der Politik eskaliert. Patric Cordier

Der Schock beim 1. FC Saarbrücken und seinen Fans sitzt noch immer tief. Die Entscheidung der Stadt Saarbrücken, dass während der Bauphase nicht im Ludwigsparkstadion gespielt werden und der FCS frühestens Anfang 2020 zurückkehren kann, hat zu Ärger und massiven Schuldzuweisungen geführt. Vor allem Sportdezernent Harald Schindel stand wegen einer Äußerung in der Kritik.



Schindel will das nicht auf sich sitzen lassen. Dazu ein Rückblick auf den vergangenen Donnerstag, kurz vor 17 Uhr. Zehnter Stock des Diskonto-Hochhauses in Saarbrücken, großer Sitzungsraum im Baudezernat der Landeshauptstadt. Die Delegation der Verwaltung mit den Dezernenten Heiko Lukas (Bau) und Harald Schindel (Sport- und Sicherheit) an der Spitze erläutert einer Gruppe von Medienvertretern, warum der Fußball-Regionalligist bis auf weiteres nicht im Park spielen kann. Ein Journalist fragt: „Was passiert eigentlich, wenn der FCS aufsteigt und keine Lizenz bekommt? Dann bauen Sie ein Stadion für einen imaginären Mieter.“ In die aufkommende Aufregung um die Fragestellung antwortet Schindel: „Das ist dann eben so.“

Nun will der Linken-Politiker falsch wiedergegeben worden sein. „Ich habe auf die Frage geantwortet, was passiert, wenn der FC längerfristig einen Vertrag mit einem anderen Stadionvermieter eingegangen ist“, erklärt Schindel nach der Berichterstattung am Samstag seine Sicht der Dinge: „Wie alle anderen beteiligten Kollegen habe auch ich ein großes Interesse daran, dass der FCS im Falle eines Aufstiegs eine Lizenz vom DFB erhält. Hier sollten die Verantwortlichen für die Lizenzvergabe in sich gehen und eine Übergangslösung finden, die im Sinne des FCS ist.“ Schindel klagt, es werde Stimmung gemacht mit falschen Zitaten. Allerdings liegt der Saarbrücker Zeitung ein Audio­mitschnitt des Gesprächs vor, der Schindels Wahrnehmung der tatsächlichen Abläufe widerlegt.

Die Kritik an Schindel ist am Wochenende lauter geworden. „Der zuständige Dezernent Schindel ist mit dem Thema Stadion völlig überfordert. Die Oberbürgermeisterin darf nicht weiter abtauchen, sondern muss nun endlich Führungsstärke zeigen. Wenn alles immer länger dauert, immer mehr kostet und es für den Übergang nicht mal einen Vorschlag gibt, machen sich Stadt und Land bundesweit lächerlich“, sagt FDP-Chef Oliver Luksic: „Frau Britz und Frau Kramp-Karrenbauer müssen für die wohl lange Übergangszeit, bis ein neuer Ludwigspark fertig ist, nun endlich einen Plan vorlegen, welches Stadion im Land zu möglichst geringen Kosten drittligatauglich gemacht werden kann.“ Bisher war die FDP im Saarbrücker Rat nicht als Befürworter des Stadionbaus in Erscheinung getreten.

„Ich hatte ja schon beantragt, Schindel von seinen Aufgaben zu entbinden“, sagt Peter Strobel von der CDU-Fraktion im Saarbrücker Stadtrat: „Mit dem nun vorgelegten Zeitplan trägt die Verwaltung ganz alleine die Verantwortung, dieses Projekt im Zeit- und Kostenrahmen zu Ende zu führen. Daran muss sie sich messen lassen.“



Frank Hälsig ist Professor für Marketing an der HTW des Saarlandes. „Die Außendarstellung der Landeshauptstadt ist ganz schlecht. Das Herz einiger Mitarbeiter im Rathaus schlägt offensichtlich nicht für den größten Verein der Stadt“, urteilt der Aufsichtsratsvorsitzende des FCS: „Gerade ein Sportdezernent sollte deutlich mehr hinter dem Sport stehen.“

Auch der Saarbrücker SPD-Fraktionsvorsitzende Peter Bauer äußerte sich. „Wir alle wollen das Stadion schnell, ordentlich und im Kostenrahmen fertig haben. Der vorgestellte Bauverlauf ist sinnvoll und richtig“, ließ Bauer verlauten und sieht den Grund für die vergiftete Stimmung zwischen Stadt und FCS-Fans ganz woanders: „Der Zehn-Punkte-Plan von Hartmut Ostermann hat Erwartungen geweckt, die nicht erfüllbar waren. Jetzt ist die Enttäuschung umso größer.“ Ostermann solle künftig „den Ball flacher halten“. In einem Facebook-Post bezeichnet Bauer einige FCS-Fans sogar als „großkotzig“, was ihm scharfe Kritik einbringt. Bernd Gauer, der Vorsitzende des FCS-Fanverbandes, sagt: „Gegenseitige Beschimpfungen gehen eigentlich gar nicht. Dass Bauer die Fans asozial und großkotzig nennt, ist ein Unding.“

Die grundsätzliche Entscheidung, ein Spielen in der Bauphase nicht zu ermöglichen, die Äußerungen von Schindel und den Parteien haben die Diskussionen in den sozialen Netzwerken befeuert. „Eine solch unsachliche Diskussion von allen Seiten habe ich noch nicht erlebt“, sagt Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD): „Ich verstehe die Enttäuschung und die Wut der Fans, aber die Stadt ist trotz allem dialogbereit. Am vergangenen Freitag haben wir für Montag Vertreter der Fanclubs ins Rathaus eingeladen, um ihnen die Situation und die Planungen zu erläutern. Ich habe den Sportdezernenten aufgefordert, seine Äußerungen richtig zu stellen. Sollte er das so gesagt haben, ist das natürlich nicht in Ordnung. Es steht außer Frage, dass der FCS Hauptmieter sein soll.“

Für den FCS geht es letztlich um die sportliche Zukunft. „Wir werden in den Gremien ein paar Tage brauchen, um uns zu sammeln“, sagt Aufsichtsrats-Boss Hälsig und ergänzt dann fast trotzig: „Wenn wir aufsteigen, werden wir ein drittliga-taugliches Stadion haben. Im Saarland.“

Frank Hälsig ist der Aufsichtsrats-Vorsitzende des FCS.
Frank Hälsig ist der Aufsichtsrats-Vorsitzende des FCS. FOTO: Andreas Schlichter
Oberbürgermeisterin Charlotte Britz versucht zu schlichten.
Oberbürgermeisterin Charlotte Britz versucht zu schlichten. FOTO: BeckerBredel
Peter Bauer (SPD) greift Hartmut Ostermann und die FCS-Fans an.
Peter Bauer (SPD) greift Hartmut Ostermann und die FCS-Fans an. FOTO: Andrew Wakeford
Peter Strobel (CDU) sieht die Stadtverwaltung in der Verantwortung.
Peter Strobel (CDU) sieht die Stadtverwaltung in der Verantwortung. FOTO: BeckerBredel