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Schlaflos in St. Wendel

Timo Boll (links) hatte das Finale gegen seinen Nationalmannschafts-Kollegen Dimitrij Ovtcharov jederzeit im Griff. Foto: Ruppenthal
Timo Boll (links) hatte das Finale gegen seinen Nationalmannschafts-Kollegen Dimitrij Ovtcharov jederzeit im Griff. Foto: Ruppenthal FOTO: Ruppenthal
Saarbrücken. Es war ein einseitiges Finale beim Tischtennis-Masters im St. Wendeler Sportzentrum. Timo Boll spielte zwar nicht überragend, dennoch beherrschte er den Europameister Dimitrij Ovtcharov jederzeit. Von SZ-MitarbeiterAlexander Zewe

In der Weltrangliste hat Dimitrij Ovtcharov seinen Nationalmannschafts-Kollegen Timo Boll mittlerweile überflügelt. Beim "Energis-Masters" der Tischtennisspieler in St. Wendel bleibt Boll aber weiter die Nummer eins. Zum sechsten Mal gewann der Publikumsliebling am Samstag bei der zehnten Auflage des Turniers, hatte "Dima" beim 3:0 jederzeit im Griff. Doch zu hoch bewerten wollte er den Sieg nicht. "Wir waren beide müde von der langen Reise. Das war heute eher wie ein Trainingsspiel", hakte er den Erfolg ab.

Die drei Asse des Turniers, Boll, Ovtcharov und Patrick Baum, waren erst um 13.30 Uhr im St. Wendeler Sportzentrum eingetroffen. Da lief das Turnier bereits zwei Stunden. Zwölf lange Stunden Flug und Busfahrt steckten in ihren Knochen. Am Freitag hatte Borussia Düsseldorf mit Boll und Baum im Champions-League-Viertelfinale beim russischen Meister Gazprom Fakel Orenburg mit Dimitrij Ovtcharov 1:3 verloren. Von dort waren die drei Spieler direkt nach St. Wendel gereist und hatten kaum geschlafen, was man vor allem Ovtcharov anmerkte.

Bereits in der Gruppenphase haderte der Topfavorit häufig mit seinem Spiel und setzte sich jeweils nur knapp mit 3:2 gegen den polnischen Jugend-Europameister Jakub Dyjas und die schwedische Legende Jörgen Persson durch. Im Halbfinale wartete die zweite schwedische Tischtennis-Größe auf Ovtcharov: Jan-Ove Waldner hatte sich trotz seiner 48 Jahre souverän gegen Zoran Primorac und Wang Xi durchgesetzt. Den Altmeister konnte der 25-jährige Ovtcharov noch dank der besseren Athletik bezwingen, doch gegen Timo Boll war er im Endspiel chancenlos.

"Natürlich war die Situation heute nicht optimal. Dennoch habe ich versucht, mein Bestes zu geben. Mehr war einfach nicht drin", entschuldigte sich Ovtcharov nach dem Finale. "Im nächsten Jahr werde ich wieder versuchen, endlich hier zu gewinnen", fügte er eine Kampfansage für 2015 hinzu.

Im Gegensatz zu "Dima" schien Boll die Reisestrapazen besser weggesteckt zu haben. Ohne Probleme gewann er seine Gruppenspiele und hatte gegen Publikumsliebling Steffen "Speedy" Fetzner sogar noch die Energie, den 1800 Zuschauern ein wenig Tischtennis-Spektakel zu bieten. Im Halbfinale wurde es dann zum einzigen Mal richtig eng für den Rekord-Europameister. Mannschaftskollege Patrick Baum gewann den ersten Satz und führte auch im vierten Durchgang deutlich, doch Boll behielt das bessere Ende für sich.

Der 32-Jährige wirkte offensichtlich frischer im Kopf als seine beiden jüngeren Nationalmannschafts-Kollegen. "Je älter man wird, desto weniger Schlaf braucht man", fand er auch gleich einen Grund für seinen Vorteil. Vielleicht hat sich Boll aber auch an die kurze Nachtruhe gewöhnt. Denn im Dezember wurde er zum ersten Mal Vater, und Tochter Zoey Malaya hält Papa Boll seitdem mächtig auf Trapp.