Schläfrige erste Halbzeit bereitet kein Kopfzerbrechen

Schläfrige erste Halbzeit bereitet kein Kopfzerbrechen

Die erste Halbzeit beim Kunstrasen-Test verursachte Magengrummeln bei Bundestrainerin Silvia Neid. Am Ende zeigten die deutschen Nationalspielerinnen beim 3:1-Sieg in der Schweiz aber doch noch die nötige WM-Reife.

Silvia Neid will es sich "gutgehen lassen" und zum Friseur. Lena Goeßling wird ihren Wolfsburger Clubkollegen im Herren-Pokalfinale in Berlin gegen Borussia Dortmund die Daumen drücken, Dzsenifer Marozsan ihren Wäscheberg abarbeiten. Bis zum Abflug zur Weltmeisterschaft nach Kanada am Sonntag um 11.45 Uhr in Frankfurt haben die deutschen Fußball-Nationalspielerinnen noch einiges vor. "Sie müssen sich auch fit halten, haben für Freitag und Samstag ein Trainingsprogramm mitbekommen. Aber ich fahre nicht rum und kontrolliere das", sagte die Bundestrainerin nach dem 3:1 (0:1)-Testspielsieg am Mittwoch in der Schweiz.

Die 51-Jährige wirkt vor ihrer dritten und letzten WM als Bundestrainerin aufgeräumt. Selbst die erschreckend schwache erste Halbzeit vor 4200 Zuschauern in Baden gegen den WM-Teilnehmer aus dem Nachbarland konnte Neid nur vorübergehend die Laune verderben. "Da ging bei uns alles zu langsam, es gab kein Miteinander", kritisierte Neid. Sie war aber nach dem zweiten Durchgang wieder besänftigt: "Sie haben dann Charakter gezeigt und das Spiel noch gedreht."

Behäbig, unkonzentriert, fahrig - der achtmalige Europameister startete laut Neid "schläfrig" in den Kunstrasen-Test. Schon in der zweiten Minute bestraften die Schweizerinnen die lasche Einstellung und gingen nach einer Ecken-Variante durch die für den 1. FFC Frankfurt spielende Ana-Maria Crnogorcevic in Führung. Nadine Angerer , Weltfußballerin von 2013, wusste gar nicht, wie ihr geschah. "Wir waren ängstlich. So eine Halbzeit wird bei der WM bestraft", erklärte die deutsche Torhüterin.

Die Kabinenpredigt von Neid in der Pause wirkte wie ein Weckruf. Mit den Einwechslungen von Melanie Behringer, Sara Däbritz und Spielmacherin Marozsan kam Dynamik ins deutsche Spiel. Der Lohn ließ nicht lange auf sich warten. Simone Laudehr (59. Minute) und Marozsan (64./75.) sorgten für klare Verhältnisse. "Wenn man einer Mannschaft wie Deutschland die Räume gibt, nutzt sie das mit ihrer großen Qualität aus", befand die deutsche Trainerin der Schweizer Nationalelf, Martina Voss-Tecklenburg. Sie war dennoch zufrieden, weil ihre Mannschaft den Favoriten mit aggressivem Pressing lange vor Probleme gestellt hatte. Die nächste Prüfung für den WM-Neuling könnte größer nicht sein: Am 8. Juni startet die Schweiz in Vancouver gegen Titelverteidiger Japan ins Turnier. Die Metropole an der Westküste Kanadas ist auch das Ziel der deutschen Elf. Aber erst später, denn in Vancouver findet am 5. Juli das Finale statt. Sollte sie am 7. Juni in Ottawa gegen die Elfenbeinküste einen guten Start hinlegen, ist das Endspiel keine Utopie. Bis dahin sei es aber ein langer Weg, sagte Neid: "Aber wir fahren selbstbewusst zur WM."