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Schiedsrichter-Image soll aufpoliert werden"Lebensbedrohlicher" Mangel im Saar-Handball30 neue Schiris: Basketballverband schafft Trendwende

Schiedsrichter-Image soll aufpoliert werden"Lebensbedrohlicher" Mangel im Saar-Handball30 neue Schiris: Basketballverband schafft Trendwende

St. Wendel. "Die ganze Sache hat schon am Image der saarländischen Schiedsrichter gekratzt. Wir arbeiten daran, das wieder aufzuholen. Dennoch sollte man jetzt nicht die gesamte Schiedsrichter-Gilde in ein schlechtes Licht rücken", sagt Franz Josef Schumann (Foto: SZ), Präsident des Saarländischen Fußballverbandes (SFV)

St. Wendel. "Die ganze Sache hat schon am Image der saarländischen Schiedsrichter gekratzt. Wir arbeiten daran, das wieder aufzuholen. Dennoch sollte man jetzt nicht die gesamte Schiedsrichter-Gilde in ein schlechtes Licht rücken", sagt Franz Josef Schumann (Foto: SZ), Präsident des Saarländischen Fußballverbandes (SFV). Er reagiert damit im Nachblick auf den Schiedsrichter-Skandal vom 30. Mai dieses Jahres, bei dem ein 29-jähriger Schiedsrichter im Zuge eines Zechgelages nach einem Schiedsrichter-Lehrgang an der Hermann-Neuberger Sportschule einem schlafenden Kollegen eine Wasserflasche anal einführte.

Fünf weitere Schiedsrichter im Alter zwischen 17 und 37 Jahren sahen zu, einer filmte das Geschehen mit seinem Handy. Im November wurde der 29-Jährige vor dem Landgericht Saarbrücken als Haupttäter wegen sexuellen Missbrauchs eines Widerstandsunfähigen zu einem Jahr Gefängnis auf Bewährung verurteilt. Die Kollegen wurden wegen Beihilfe zu Bewährungsstrafen von sieben und sechs Monaten verurteilt. In der vergangenen Woche hat nun die Spruchkammer des SFV ihre Urteile gefällt. In der Pressemeldung des SFV heißt es: Ein Schiedsrichter wurde gänzlich von der Schiedsrichter-Liste gestrichen, bei den anderen Schiedsrichtern hielt die Kammer Sperren von acht Monaten bis zwölf Monaten für tat- und schuldangemessen. Hierbei hat die Kammer die erheblichen Konsequenzen aus dem Strafurteil des Landgerichts Saarbrücken mit berücksichtigt. Wie der SFV weiter mitteilte, sind die Urteile allerdings noch nicht rechtskräftig.

"Auch der Deutsche Fußball-Bund ist in dieser Sache an uns herangetreten und hat uns mitgeteilt, dass die Suspendierungen in ihrem Sinne sind", sagt Verbands-Präsident Schumann. Herbert Fandel, der Vorsitzende der Schiedsrichter-Kommission des DFB, fordert ein konsequentes Durchgreifen für die Zukunft. "Jemand, der anderen Schaden zufügt oder dabei zusieht, kann kein Schiedsrichter mehr sein. Wir müssen alles dafür tun, dass solche Vorfälle künftig nicht mehr passieren", sagt Fandel. Der SFV hat bereits reagiert. "Es wird in Zukunft keine Lehrgänge für Schiedsrichter mit Übernachtung geben. Das ist eine erste Konsequenz, die wir daraus gezogen haben", sagt Heinz Haupenthal, der Justiziar des Verbandes.

Doch nicht nur das Image der saarländischen Schiedsrichter ist durch den Skandal angekratzt. Auch das Niveau hat gelitten. "Einer der verurteilten Schiedsrichter war auf dem Sprung, in der 2. Bundesliga zu pfeifen. Ein anderer pfiff in der Regionalliga und vier weitere in der Oberliga. In einer Nachqualifikation mussten wir vier Nachwuchsschiedsrichter für die Oberliga qualifizieren. Diese vier machen ihre Sache seit Beginn der Saison aber sehr ordentlich", sagt Heribert Ohlmann, der Vorsitzende des Schiedsrichter-Ausschusses des SFV. Die Spitze der saarländischen Schiedsrichter bilden somit nur noch ein Drittliga-Schiedsrichter sowie zwei Referees in der A-Jugend- und B-Jugend-Bundesliga. "Wir haben viele talentierte Schiedsrichter im Saarland, und ich bin mir sicher, dass wir bereits zur kommenden Saison wieder qualifizierte Regionalliga-Schiedsrichter und weitere Oberliga-Schiedsrichter haben werden", sagt Ohlmann zuversichtlich.St. Wendel. "Es stagniert", meint Ludwig Dryander kurz und trocken. Dann stößt er einen langen Seufzer aus. Dryander ist beim Handballverband Saar (HVS) tätig - als Schiedsrichterwart. Eine Aufgabe, die in der momentanen Situation alles andere als angenehm ist. Denn beim Handballverband herrscht ein gewaltiges Problem: Der Spielbetrieb in den saarländischen Klassen ist wegen des starken Schiedsrichtermangels "lebensbedroht".

Vor knapp einem Jahr gab es 119 saarländische Schiedsrichter. Heute sind es 130, "wovon aber nur 110 aktiv sind", betrachtet der Beauftragte für das Einteilwesen, Leonhard Gräf, die traurigen Fakten: "Eigentlich müssten die Vereine 236 Schiedsrichter melden."

Die Konsequenzen sind klar: In der Saarlandliga, der höchsten saarländischen Spielklasse, mussten in der laufenden Saison bereits zwei Spiele abgesagt werden. "Insgesamt sind bis November von 1540 Spielen zehn Prozent ausgefallen. Das ist eigentlich noch ein geringer Betrag", findet Gräf, "das geht aber nur, weil unsere Schiedsrichter sich unheimlich einsatzbereit zeigen". Doch eine Dauerlösung ist das nicht.

Mittlerweile hat sich die Frage von selbst beantwortet, wie lange der Handball im Saarland mit der momentanen Situation leben kann. "Er kann es jetzt schon nicht mehr", sagt Leonhard Gräf. Dadurch, dass die wenigen Schiedsrichter so oft im Einsatz sind, erhöht sich die Verletzungsgefahr - und damit die Wahrscheinlichkeit, dass noch mehr Spiele ausfallen.

Viele Möglichkeiten, die Situation zu verbessern, hat der Verband nicht. Durch das Projekt "Jugend pfeift Jugend" versuchen die Verantwortlichen, verstärkt Nachwuchs-Schiedsrichter auszubilden. Die jungen Unparteiischen werden dabei nur in Jugendspielen eingesetzt. "Wir versuchen, sie durch behutsames Heranführen und Coaching dazu zu animieren, den Schiedsrichterschein zu machen", erklärt Ludwig Dryander, "die ersten haben das auch schon gemacht. Außerdem versuchen wir, im Verband durchzusetzen, dass die Jugendlichen auch mit einem Obulus herausgehen". Aber das Projekt ist keine Maßnahme, auf die sich der Verband stützen kann. "Als Schiedsrichter kann man viel falsch machen. Aber wenn dann noch bei den Spielen aus den Zuschauerrängen Kommentare kommen, werden unsere Jungen vergrault", schildert Dryander.

2010 hat der HVS einen Anwärterlehrgang und einen Crashkurs angeboten - mit erschreckender Resonanz. "Beim Lehrgang waren es elf Anwärter, beim Crashkurs vier. Die Nachfrage war sehr spärlich", muss der Schiedsrichterwart gestehen. Die Ausschreibungsphase für den Anwärterlehrgang im Mai 2011 hat schon jetzt begonnen. "Damit die Vereine Bescheid wissen. Wir erinnern sie auch monatlich daran", erklärt Ludwig Dryander, und Leonhard Gräf erinnert: "Wir können die Schiedsrichter nur ausbilden. Melden müssen sie die Vereine" - in eigenem Interesse. Damit der regionale Handball weiterleben kann. cjo

St. Wendel. Beim Basketball-Verband Saar (BVS) klingelten bereits länger die Alarmglocken. Da etwa 50 Schiedsrichter fehlten, konnte sogar der geregelte Spielbetrieb nicht mehr garantiert werden. Im August lud der Verband erstmals zu einem "Tag des Basketballs" an die Hermann-Neuberger-Sportschule in Saarbrücken ein, bei dem auch neue Schiedsrichter ausgebildet wurden. Die Bilanz: "Wir haben knapp 30 neue und reaktivierte Schiedsrichter begrüßen dürfen", lobt BVS-Sportwart Jörg Messinger die Arbeit der Schiedsrichterkommission. Der Spielbetrieb ist dadurch erst einmal gesichert. Aber der Verband will sich nun nicht zurücklehnen. "Wir werden nicht aufhören, sondern weiter Ausbildungen anbieten. Damit wollen wir einer Knappheit an Unparteiischen vorbeugen", sagt Messinger. spr

"Man

sollte nicht

die gesamte Schiedsrichter-

Gilde in ein schlechtes Licht rücken."

Franz Josef Schumann,

Präsident des Saarländischen Fußballverbandes

Auf einen Blick

Im Saarland gibt es aktuell 1234 aktive Fußball-Schiedsrichter. Davon sind nach Aussage des Verbandes 1000 über 18 Jahren und 44 weibliche Schiedsrichter. Zudem gibt es 151 Schiedsrichter mit Futsal-Qualifikation. Im Jahr 2010 wurden 75 Schiedsrichter im Saarland ausgebildet.

 Schiedsrichter stehen im Fokus und sind oft nicht zu beneiden. Das ist im Fußball so wie in anderen Sportarten auch. Foto: dpa
Schiedsrichter stehen im Fokus und sind oft nicht zu beneiden. Das ist im Fußball so wie in anderen Sportarten auch. Foto: dpa

Der Ansprechpartner für die Schiedsrichter im Saarländischen Fußballverband ist der Vorsitzende des Schiedsrichterausschusses, Heribert Ohlmann, erreichbar unter Telefon (0 68 53) 5 09 76 oder (01 70) 9 16 35 54. leh