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Schieber hat Mitleid mit alten Kollegen

Schieber hat Mitleid mit alten Kollegen

Der zarte Aufschwung von Borussia Dortmund war nur von kurzer Dauer. Das Team von Trainer Jürgen Klopp verlor in der Bundesliga bei Hertha BSC mit 0:1 und steckt nach der neunten Saisonniederlage tief im Tabellenkeller fest.

Wie ein strahlender Held sah Julian Schieber nicht aus. Erschöpft und von zwiespältigen Gefühlen geplagt, quälte sich der Stürmer von Hertha BSC durch die Interview-Zone. Dass er nach dem Siegtreffer zum 1:0 (1:0) gegen seinen früheren Club Borussia Dortmund nicht ausgelassen feierte, lag am Mitleid für die ehemaligen Kollegen und schlichtweg an fehlender Kraft.

"Am liebsten würde ich mich jetzt auf die Couch fallen lassen", sagte Schieber. Doch statt die Füße hochzulegen, besuchte der 25-Jährige am Samstagabend in Spandau eine Fanclub-Weihnachtsfeier. Dort wurde Schieber, der beim BVB kaum Einsatzzeiten erhalten hatte und im Sommer zur Hertha gewechselt war, von 2000 Anhängern frenetisch bejubelt. Doch so richtig freuen konnte er sich immer noch nicht: "Es tut schon weh, die alten Kollegen leiden zu sehen."

Nun gibt es vom Gegner also schon Mitleid für Dortmund - spätestens jetzt müssten alle Alarmglocken schrillen beim Champions-League-Achtelfinalisten. Als auch noch Hertha-Trainer Jos Luhukay in der Pressekonferenz über die "fantastische Mannschaft" und den "hervorragenden Trainer" der Dortmunder schwärmte, konnte sich Jürgen Klopp einen süffisanten Kommentar nicht verkneifen. "Diese großartige Mannschaft", sagte der BVB-Trainer, "hat aber auch großartige Probleme".

Und diese konnte die Mannschaft vor 75 254 Zuschauern im Olympiastadion nicht mehr kaschieren. Der Vizemeister spielte größtenteils so, wie es seinem 16. Tabellenplatz entspricht: wie ein Abstiegskandidat. Auf die heutige Auslosung des Achtelfinal-Gegners in der Königsklasse freute sich kaum jemand. "Beschissen" sei die Situation, sagte Mittelfeldspieler Sven Bender : "Wir hauen uns auswärts jedes Mal tiefer in den Strudel rein." Die Abstiegsgefahr lässt sich auch statistisch belegen: Nur 14 Punkte aus 15 Spielen, neun Niederlagen zu diesem Zeitpunkt gab es zuletzt vor 30 Jahren. Den Kampfgeist hat Klopp aber nicht verloren: "Wir haben noch zwei Spiele Zeit, um unsere Ausgangssituation für die Rückrunde dramatisch zu verbessern." Dabei wird er auf Henrich Mchitarjan verzichten müssen. Er muss wegen eines Muskelbündelrisses im Oberschenkel sechs Wochen pausieren.