| 20:38 Uhr

Olympische Winterspiele in Südkorea
Schempp feiert Platz zwei wie einen Sieg

Pyeongchang. Biathlet wird im Massenstart vom französischen Dominator Fourcade nur hauchdünn bezwungen. Die deutschen Damen gehen diesmal leer aus.

Simon Schempp verpasste Gold um die Winzigkeit einer Fußspitze, für Laura Dahlmeier hingegen war es diesmal Welten entfernt. Bei den Massenstart-Rennen der Olympischen Spiele überstrahlte Schempp in der deutschen Medaillenschmiede Biathlon Dahlmeiers seltenen Betriebsunfall. Er gewann seine erste olympische Einzel-Medaille, die sogar golden hätte schimmern können.


Am Ende eines spektakulären Schlussspurts wusste am Sonntag einige Sekunden lang niemand, wer triumphiert hatte: der deutsche Weltmeister? Oder doch der Dominator der Szene aus Frankreich? Erst das Zielfoto brachte Gewissheit: Gold für Fourcade. Schempp jedoch trauerte keine fünf Minuten. „Ich bin megahappy“, sagte er, „ich wusste, dass es verdammt knapp ist. Ich kam immer näher. Noch fünf Meter mehr, dann hätte ich ihn vielleicht gepackt.“ Die Teamkollegen hoben ihn auch so auf ihre Schultern wie einen Sieger.

Unbarmherzig hatte der 29-Jährige den verwundbar erscheinenden Verfolgungs-Olympiasieger in Pyeongchang über die Anstiege gehetzt, auf der Zielgeraden zog er mit letzter Kraft fast gleich. Fourcade rettete sich und ist mit vier Mal Gold und zweimal Silber nun der erfolgreichste Olympionike seines Landes, gemeinsam mit dem Fechter Lucien Gaudin. Dritter wurde der Norweger Emil Hegle Svendsen vor den weiteren Deutschen Erik Lesser  und Benedikt Doll.

Sprint-Olympiasieger Arnd Peiffer lief nach 15 Kilometern auf dem 13. Platz ein. Er war damit weit entfernt von der „Musik“ – und doch näher dran als Laura Dahlmeier. Die „Schneekönigin“ der Spiele ertrug das jähe Ende ihrer historischen Medaillenserie mit der Gelassenheit einer Doppel-Olympiasiegerin. Sie lächelte nach ihrem 16. Platz milde, der Stolz auf ihre goldenen Momente überwog. „Es sind ja trotzdem erfolgreiche Winterspiele für mich“, sagte Dahlmeier am Samstag: „Ich habe ja schon drei Medaillen.“

Die 24-Jährige hat vor den Staffelrennen weiter die Möglichkeit, als erste Biathletin bei einer Olympia-Teilnahme vier Medaillen abzugreifen. Zwar steht noch nicht fest, ob Dahlmeier in der Mixed-Staffel, der Staffel oder in beiden Teamrennen eingesetzt wird. Aber das spielt keine Rolle – mit ihr im Team ist das deutsche Quartett immer Medaillenaspirant. Dank dieser Aussichten konnte es die Überfliegerin verkraften, dass sie nach 14 Rennen in Serie bei einem Großereignis mal wieder das Podest verpasst hatte. „Ein Rennen zum Vergessen war es trotzdem nicht“, sagte Dahlmeier, deren Spiele in Südkorea mit den Triumphen in Sprint und Verfolgung sowie Bronze im Einzel so glänzend begonnen hatten.



Auch wegen der Verpflichtungen, die solche Erfolge mit sich bringen – Pressetermine, Medaillenzeremonien, Abstecher ins Deutsche Haus – kamen die (mindestens) zwei freien Tage zur Regeneration gerade recht. „Die Summe von allem“, erklärte Dahlmeier, „die merkt man nun schon.“ Aber: Wenn jemand innerhalb kürzester Zeit die Akkus aufladen kann, dann ist es Dahlmeier. „Ich bin jemand, der das Positive mitnimmt“, sagte Dahlmeier dementsprechend, „Für die Staffeln ist wieder alles möglich.“