Scharfe Kritik an LSVS-Präsidium - Saar-Leichtathleten prüfen Austritt

Kostenpflichtiger Inhalt: Landessportverband : Scharfe Kritik an der LSVS-Führung - Saar-Leichtathleten prüfen Austritt

Keine Zusammenarbeit, keine Kommunikation, keine Transparenz: Saarländischer Leichtathletik-Bund prüft Austritt aus dem LSVS.

Monika Schwarz spricht ruhig und mit fester Stimme. „Die Schmerzgrenze ist erreicht“, sagt die Vizepräsidentin des Saarländischen Leichtathletik-Bundes (SLB) und korrigiert sich sofort: „Genauer gesagt, überschritten. Das aktuelle LSVS-Präsidium und die Hauptgeschäftsführung schreddern die bewährte Infrastruktur des Saarsports.“ Seit anderthalb Jahren kämpft Schwarz im finanziell angeschlagenen Landessportverband für das Saarland (LSVS) dafür, dass am Ende der Sanierung des LSVS ein weiter leistungsfähiger Dachverband des Saarsports steht. Dieses Ziel eint sie mit dem aktuellen Präsidium um die drei führenden Köpfe, LSVS-Präsident Adrian Zöhler und die beiden Vizepräsidenten Bodo Wilhelmi und Gottfried Hares. In den Wegen dahin unterscheiden sich das Präsidium und eine größere Gruppe von Fachverbänden, die teilweise auch gegen das vom früheren LSVS-Konsolidierungsberater Michael Blank entwickelte Sanierungskonzept gestimmt haben, aber deutlich. Die SZ skizziert die Streitpunkte in einer Übersicht.

Die Abschaffung der Geschäftsstellen: Viele saarländische Sportfachverbände – zurzeit 26 von 50 – nutzen die Arbeit von Geschäftsstellen beim LSVS, die sie in der Organisation ihrer Sportarten entlasten, beispielsweise vor allem im Bereich der Buchhaltung oder bei der Organisation ihres Wettkampf- und Spielbetriebs. Vor der Sanierung waren es sieben Geschäftsstellen. Die verbliebenen fünf Geschäftsstellen werden ab dem 6. Januar 2020 Geschichte sein. Zwar scheuen die Präsidiumsmitglieder das Wort „Auflösung“ wie der Teufel das Weihwasser. Aber in einem internen Organigramm, in dem die künftige Struktur des LSVS abgebildet ist, existiert der Begriff „Geschäftsstelle“ nicht mehr. Stattdessen sollen künftig „Services für Fachverbände“ angeboten werden. Darunter finden sich Unterpunkte wie „Social Media“, „Verbandsmanagement und Verbandsverwaltung“, „Aus- und Fortbildung“ oder „Veranstaltungsmanagement“. Die Fachverbände können künftig Dienstleistungen des LSVS in Anspruch nehmen – vermutlich gegen ein entsprechendes Entgelt, versteht sich.

„Niemand kann uns Auskunft darüber geben, was es die Fachverbände kosten wird“, klagt Monika Schwarz: „Seit der Ankündigung des LSVS-Präsidiums im April 2019, die Buchhaltung komplett auszulagern, bleibt ein Fragenkatalog der betroffenen Fachverbände zur Arbeitsorganisation und zu den Kosten unbeantwortet.“ Da den betroffenen Verbänden die Zeit wegläuft, hat der SLB Nägel mit Köpfen gemacht und in seiner Präsidiumssitzung am 18. Oktober einstimmig beschlossen, die Geschäfte in Zukunft selbstständig und unabhängig vom LSVS zu führen und eigenes Personal einzustellen. „Da der LSVS uns keine Angaben zu den Mietkosten für Büroräume und Inventar machen kann oder will, haben wir uns zudem entschlossen, die Räumlichkeiten in der Leichtathletikhalle der Hermann-Neuberger-Sportschule zu verlassen und extern Büroräume anzumieten“, sagt Schwarz.

Die Transparenz: Als Adrian Zöhler Mitte September 2018 zum LSVS-Präsidenten gewählt wurde, sprach er davon, das Vertrauen von Basis und Spitzenathleten zurückgewinnen zu wollen. Das gelinge nur „durch Offenheit und größtmögliche Transparenz“. „Der Begriff Tranparenz ist lediglich eine leere Worthülse“, sagt Monika Schwarz dagegen. Wenn in Ausschüssen oder Kommissionen Vertreter aus Fachverbänden kritisch und unbequem sind, dann erscheine das nur bruchstückhaft oder auch gar nicht im Protokoll – oder es werde gleich gar kein Protokoll versendet. Außerdem werde „mit allen Mitteln“ verhindert, dass alle Fachverbands-Vertreter alle Protokolle von allen Kommissionen und Ausschüssen bekommen. „Man will uns nicht erlauben, Informationen und Diskussionsinhalte aus Gremiensitzungen an unsere Fachverbände weiterzugeben und mit ihnen zu besprechen“, sagt Schwarz. Die Kündigungen von wichtigen Mitarbeitern, die den LSVS freiwillig verlassen werden, erfahren die Fachverbände in der Regel auch nur über den Flurfunk, obwohl die Kündigungen teils gravierende Auswirkungen haben.

Die Politik: An diesem Dienstag findet im Innen- und Sportausschuss des saarländischen Landtages die zweite Anhörung zur Neuauflage des LSVS-Gesetzes statt, das künftig den Rahmen und die Struktur vorgeben soll, in dem sich der LSVS als Körperschaft des öffentlichen Rechts bewegen darf. Der Gesetzesentwurf von CDU und SPD im Juni war auf Kritik gestoßen. Mehrere Fachverbände, darunter die Turner, die Leichtathleten und die Handballer, wollen die umstrittenen Geschäftsstellen im Gesetz festgeschrieben sehen.

Monika Schwarz findet kritische und lobende Worte für die Politik. Dreimal – zweimal schriftlich, einmal mündlich – habe sie Sportminister Klaus Bouillon (CDU) um Hilfe im Kampf um die Geschäftsstellen gebeten, erstmals Ende April. Der SLB hält die Auslagerung der Buchhaltung für rechtswidrig, weil sie „der gesetzlich festgelegten Unterstützungspflicht des LSVS“ widerspreche. Auf eine Antwort des Ministeriums, Rechtsaufsicht des LSVS, wartet der SLB bis heute.

Der Koalitionspartner engagiert sich offenbar seit Wochen deutlich stärker. So war Stefan Pauluhn, der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD im Landtag, Anfang August in der Leichtathletik-Geschäftsstelle, um sich die Arbeitsabläufe zeigen zu lassen. Petra Berg als Vorsitzende des Innen- und Sportausschusses sorgte nun dafür, dass die „kritischen Fachverbände“ im LSVS auch zur zweiten Anhörung eingeladen sind. Berg war übrigens auch beim Demonstrationszug „WIR sind der Saarsport“ dabei, der Ende August in Saarbrücken stattgefunden hatte und bei dem 1000 Sportlerinnen und Sportler aus den unterschiedlichsten Bereichen auf die Straße gingen, „um auf unsere existenziellen Sorgen aufmerksam zu machen“, wie es in dem Aufruf damals hieß. Beim LSVS-Präsidium kam diese Demonstration nicht gut an.

Die Zukunft: Nach Informationen der Saarbrücker Zeitung tragen sich neben dem Saarländischen Leichtathletik-Bund weitere der verbliebenen 26 Verbände mit Abwanderungsgedanken, darunter die saarländischen Schützen, der Eis- und Rollsportverband und der Saarländische Landesverband für Tanzsport. Weitere könnten folgen. „Die Situation ist schwierig, gerade bei unserer recht kleinen Geschäftsstelle“, sagt auch Leander Wappler, der Präsident des Saarländischen Radfahrer-Bundes (SRB): „Wir prüfen, wie wir uns neu aufstellen. Wir können uns im Moment nicht vorstellen, wie das in der Zukunft für uns funktionieren soll.“ Wappler wird an diesem Dienstag bei der zweiten Anhörung des LSVS-Gesetzes dabei sein. Raban Baumann, seit Ende Juni Präsident des Saarländischen Schwimmbundes (SSB), verweist auf die Sitzung seines Präsidiums am Mittwoch und sagt: „Wir schauen uns das alles kritisch, aber ergebnisoffen an.“

Monika Schwarz, Vizepräsidentin des Saarländischen Leichtathletik-Bundes, erwägt mit ihrem Verband den Austritt aus dem LSVS. Foto: Ruppenthal

Der SLB selbst geht sogar noch einen Schritt weiter – er prüft die rechtlichen und wirtschaftlichen Optionen eines kompletten Austritts aus dem LSVS. Eine olympische Kernsportart trägt sich mit dem Gedanken, den Landessportverband für das Saarland zu verlassen – ein Szenario, das man kaum für möglich gehalten hätte.

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