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Schäfer sieht sich nicht als Messias

Schäfer sieht sich nicht als Messias

Der Lauterer will beim Saarbrücker Nachwuchs seine Profi-Erfahrung einbringen.

Als Oliver Schäfer im November 2016 mit seiner Freundin, der Bahnrad-Olympiasiegerin Miriam Welte, bei der Wahl der Saarsportler des Jahres zu Gast war, dachte er nicht im Traum daran, irgendwann zum 1. FC Saarbrücken zurückzukehren. "Es war ein toller Abend, in dessen Verlauf wir uns auch lange mit Hartmut Ostermann und Dieter Ferner unterhalten haben", blickt der Ex-Profi Schäfer zurück: "Der Anruf von Marcus Mann, ob ich es mir vorstellen könnte, als U19-Trainer und beim Nachwuchsleistungszentrum des FCS mitzuarbeiten, kam Ende Januar."

Sein offizieller Dienstbeginn ist der 1. Juli, doch Schäfer hat schon die Arbeit aufgenommen. "Ich sehe mich selbst als ehrlichen, geradlinigen Teamplayer. Mir ist es ganz wichtig, dass alle Mitstreiter selbstständig arbeiten können und es auch dürfen. Ich möchte im ständigen Austausch stehen, darum führe ich jetzt viele Gespräche." Mit Schäfers Verpflichtung hat der FCS eine Auflage erfüllt, die für die Anerkennung eines NLZ durch den Deutschen Fußball-Bund unerlässlich ist: Schäfer ist Inhaber der Fußball-Lehrer-Lizenz. "Es soll jetzt keiner erwarten, dass der Messias kommt und durch Handauflegen alles besser wird", sagt der frühere Verteidiger: "Wir müssen unseren Mitteln entsprechend ehrliche Brötchen backen. Wir können uns nicht an Leipzig oder Bayern München orientieren."

Schäfer will, dass der FCS wieder die erste Adresse für Talente aus der Großregion wird. Jugendspieler aus ganz Deutschland - wie unter Sportdirektor Milan Sasic - sollen nicht ins Saarland gekarrt werden. "Wir haben da auch eine Verantwortung, wenn wir Jugendliche aus ihrem gewohnten Umfeld holen", sagt Schäfer. Dass er in Lahr geboren wurde, hört man, wenn der Badener spricht: "Aber ich kann auch Hochdeutsch aus meiner Zeit in Hannover. Und der ein oder andere pfälzische Brocken kommt auch vor. Diese Individualität zeichnet uns alle aus, das mag ich." Auch bei seinen Spielern, die er im Saarbrücker NLZ nicht in ein "Einheitskorsett" pressen möchte: "Es geht darum, die Stärken herauszuarbeiten - auch charakterlich. Man muss vermitteln, wann es wichtig ist, im Kollektiv zu arbeiten und wann man ins Risiko gehen kann und egoistisch sein darf."

Schäfer war als Spieler deutscher Meister, Pokalsieger, Supercup-Sieger, als Trainer interimsmäßig Chef beim 1. FC Kaiserslautern. Nachwuchstrainer beim FCS sei für ihn kein Rückschritt. "Wenn du als Spieler den großen Rummel kennst, ist die Gier danach als Trainer vielleicht kleiner, als wenn du das noch nie erlebt hast. Ich arbeite gerne mit jungen Talenten, gebe dabei meine Erfahrung weiter. Darauf freue ich mich auch in Saarbrücken."

Entspannt nippt er an seinem Kaffee, bevor er erzählt, welche Trainer ihn am meisten beeindruckt haben: "Die Ansprachen von Kalli Feldkamp waren super motivierend, die Ruhe von Otto Rehhagel auch in schwierigen Situationen beeindruckend. Und unter Ralf Rangnick haben wir sehr viel taktisch gearbeitet." Als Leiter des Saarbrücker NLZ, das nach Planung des Vereins zum 1. Januar 2018 zertifiziert werden soll, wird Oliver Schäfer sicher all diese Eigenschaften brauchen.