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Sauna statt Schultüte

Sauna statt Schultüte

Saarbrücken. Am ersten Schultag seines ältesten Sohnes Leon wird Konstantin Schneider in Peking die letzten paar hundert Gramm bis unter das 74-Kilo-Gewichtslimit herausschwitzen. Um den 33-jährigen Ringer herum werden Trainer, Physiotherapeuten und Nationalmannschaftskollegen sein - statt ABC-Schützen und seine Familie

Saarbrücken. Am ersten Schultag seines ältesten Sohnes Leon wird Konstantin Schneider in Peking die letzten paar hundert Gramm bis unter das 74-Kilo-Gewichtslimit herausschwitzen. Um den 33-jährigen Ringer herum werden Trainer, Physiotherapeuten und Nationalmannschaftskollegen sein - statt ABC-Schützen und seine Familie. Nicht die Schultüte wird im Mittelpunkt des Geschehens stehen, sondern die Waage.

 

Freigestellt für Vorbereitung

 

Er meint damit seinen jüngsten Sohn, der jetzt ein Jahr und einen Monat alt ist. Man merkt schon: Die Familie ist dem Athleten sehr wichtig. Es macht ihm zu schaffen, dass er in den letzten Monaten nicht gerade viel Zeit mit seinen Liebsten verbringen konnte. "Als ich zu den Trainingslagern aufgebrochen bin, konnte Mark noch nicht laufen. Als ich zurückgekommen bin, konnte er schon Papa sagen", erzählt der Sportler aus St. Ingbert.

Auch was seinen Beruf als Croupier bei der Spielbank Saarbrücken angeht, musste Konstantin Schneider in letzter Zeit kürzer treten - besser gesagt: Er durfte, war zu 75 Prozent freigestellt für die Olympia-Vorbereitung. Dem "Zocken" auf der Matte wurde höchste Priorität zugebilligt. Im Juni und Juli hat Kosta zusätzlich Urlaub investiert, um zumindest während der Regenerationsphasen bei seiner Familie sein zu können. Er erklärt: "Es ist ganz wichtig, zwischendurch abschalten zu können. Dazu gehört auch, mal mit seinen Kindern zu spielen."

Eine gute Einteilung der Olympia-Vorbereitung war für den Ringer vom KSV Köllerbach möglich, weil ihm bereits bei den Weltmeisterschaften 2007 in Baku (Aserbaidschan) die Qualifikation für Peking gelungen war. "Das war ein Riesenvorteil", sagt Schneider, "man hat ja gesehen, wie schwer sich die anderen getan haben, die es über die Quali-Turniere versuchen mussten."

 

Form scheint zu stimmen

 

Die Form von Konstantin Schneider scheint zu stimmen. Beim Großen Preis in Dortmund hat er zwei Olympioniken und seinen Dauerrivalen Adam Juretzko besiegt, beim internationalen Pytlasinski-Turnier in Warschau gewann er gegen den aktuellen Europameister Peter Bacsi aus Ungarn und unterlag nur knapp dem Weißrussen Oleg Mikhalovich (Vize-Europameister 2006) im Finale. Schneider erzählt: "Ich hatte trotzdem das Gefühl, dass ich den Kampf lenke. Er hat mich in der letzten Runde gekippt. Aber ich denke, wenn es drauf ankommt, wäre er kein Problem für mich. Wir sind außerdem praktisch kalt, ohne spezielle Vorbereitung, in das Turnier gestartet. Ich denke, dass ich im Trainingslager in der Ukraine die Form erreiche, die ich für Peking brauche."

Heute fliegt der Vizeweltmeister von 2003 für zwei Wochen zu dieser letzten Vorbereitungsstation - bevor es dann weiter nach Peking geht. Der 33-Jährige ist zuversichtlich: "Ich bin gut vorbereitet und kann jeden besiegen." > wird fortgesetzt

 

 

 

 

 

 

 

 

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Wer diesen schweren Weg gehen muss, ist dann oft zum falschen Zeitpunkt übertrainiert und ermüdet von zu viel Belastung. Außerdem zehrt allzu häufige Gewichtsreduktion an der Kraft der Athleten. Schneider beginnt bereits allmählich mit dem Abtrainieren, um nicht kurzfristig viel Gewicht machen zu müssen: "Ich gehe jetzt langsam runter auf 78, versuche die zu halten, und mache dann die letzten Kilos für das Turnier."

Am Montag, 11. August, ist im Saarland Schulanfang, einen Tag später wird "Kosta" gewogen, und wieder einen Tag später geht er auf die Matte, um im olympischen Ringer-Turnier um Medaillen zu kämpfen. "Es ist schade, dass ich am ersten Schultag nicht bei Leon sein kann", sagt Schneider und wirkt geknickt, fügt aber gleich hinzu: "Dann muss ich das eben bei Mark nachholen."