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Mitgliederversammlung beim 1. FC Kaiserslautern
Sanierung in 2. Liga nicht möglich

Der Vorstandsvorsitzende Thomas Gries wirbt für die Ausgliederung der Profi-Abteilung.
Der Vorstandsvorsitzende Thomas Gries wirbt für die Ausgliederung der Profi-Abteilung. FOTO: Uwe Anspach / dpa
Kaiserslautern. Der 1. FC Kaiserslautern sieht sich selbst in der größten Krise der Vereinsgeschichte.

Das Schneetreiben rund um den Betzenberg konnte den Blick der Mitglieder in den Abgrund nicht verhindern. Spätestens seit dem 1. Advent ist klar, dass die Verantwortlichen und Fans des 1. FC Kaiserslautern mindestens eine Kerze für ihren Verein anzünden sollten. Das Schlusslicht der 2. Liga steht sportlich vor einer ungewissen Zukunft und ist auch finanziell schwer angeschlagen.



„Eine wirtschaftliche Sanierung des Vereins ist in der 2. Liga nicht möglich“, gab Finanzvorstand Michael Klatt bei der Mitgliederversammlung gestern zu: „Wir haben ein strukturelles Kostenproblem. Ich sehe keine Alternative zu Ausgliederung – und zwar liga-unabhängig.“

Der FCK hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2016/2017 zwar 38,9 Millionen Euro Umsatz gemacht und einen Überschuss von 1,2 Millionen Euro erzielt, dennoch liegen die Verbindlichkeiten bei 14,5 Millionen Euro. Große Teile davon müssen in knapp zwei Jahren zurückgezahlt werden. Der Gewinn war ohnehin nur durch Spielerverkäufe zu erreichen (Julian Pollersbeck zum Hamburger SV, Robin Koch zum SC Freiburg), die das Team stark geschwächt haben.

Laut Sportchef Boris Notzon sind die Roten Teufel „in der schwierigsten und unerträglichsten Situation in der Geschichte“ des Clubs. „Die Hinrunde hat sich angefühlt wie ein einziger Horrorfilm“, sagte Notzon, der trotz der nahezu aussichtslosen Lage auf den Klassenverbleib hofft: „Wir wollen uns im Januar neu aufstellen und auf dem Transfermarkt gestandene Spieler holen.“

Nikolai Riesenkampff, der scheidende Aufsichtsrats-Chef, gestand ein, „dass wir den Verein nicht dahin entwickeln konnten, wo ich ihn gerne sehen wollte“. In Richtung der 1306 anwesenden Mitglieder im Fritz-Walter-Stadion sagte er: „Ich bin genauso enttäuscht wie ihr. Deshalb habe ich entschieden, den Weg für einen Neuanfang freizumachen.“ Dem Aufsichtsrat gehören künftig Patrick Banf, Paul Wüst, Michael Littig, Jürgen Kind und Jochen Grotepaß an. Dagmar Eckel, die Tochter des letzten lebenden „Helden von Bern“, Horst Eckel, verpasste den Einzug.



Riesenkampff betonte, dass sein Gremium die Ausgliederung des Profibereichs in eine Kapitalgesellschaft unterstützt. Das Ziel sei es, „frisches Geld für den Verein durch den Einstieg eines Investoren“ zu finden. Laut Vorstandsboss Thomas Gries ist die Ausgliederung „kein Zaubertrank, aber die Voraussetzung für eine externe Anschub-Finanzierung“. Die Chefetage will noch in der laufenden Saison eine Außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen, die den Plänen für die Satzungsänderung zustimmen muss. Dazu sind 75 Prozent der Stimmen notwendig.

Bei einer Prüfung der Amtszeit des früheren Vorstands-Duos Stefan Kuntz und Fritz Grünewalt durch die Frankfurter Wirtschaftskanzlei Greenfort kam heraus, dass den beiden Ex-Verantwortlichen keine juristisch haltbaren Vorwürfe zu machen sind. Der Club wird deshalb keine Ansprüche stellen. Kuntz war auch vorgeworfen worden, an Transfers mitverdient zu haben.