Saarsportler sind auf Olympia-Kurs

Saarländische Kandidaten : Dauerbrenner und Neulinge für Olympia

Saarländische Leichtathleten sind Stammgäste bei Sommerspielen, wohl auch 2020. Im Fechten oder gar Skateboard ist das anders.

Am 24. Juli 2020 fällt der Startschuss für die Olympischen Spiele im japanischen Tokio. Dort wollen viele Topsportler aus dem Saarland dabei sein. Die SZ-Sportredaktion gibt zur Halbzeit der Olympiade (Zeitraum zwischen zwei Olympischen Spielen) einen Überblick, wer aus dem Saarland auf Olympia-Kurs liegt und wo die Aussichten eher düster sind. Heute: der dritte und letzte Teil mit Leichtathletik, Rudern, Fechten, Rhythmischer Sportgymnastik und Skateboard. (Hier geht es zum ersten und zum zweiten Teil der Reihe.)

SKATEBOARD

Skateboard bei den Olympischen Spielen – daran muss man sich erst einmal gewöhnen. Doch 2020 in Tokio wird die Trendsportart erstmals zum Programm gehören. Das Internationale Olympische Komitee wird insgesamt 80 Skateboarder zulassen – und eine könnte aus dem Saarland kommen. Lea Schäfer aus Homburg zählt zum Perspektivkader der Sportkommission Skateboard/Longboard des Deutschen Rollsport- und Inline-Verbandes. Die 18-Jährige geht bevorzugt in der Disziplin „Street“ an den Start. Hierbei werden Treppen, Poller, Bordsteinkanten, Mauerstücke, Schrägen und Geländerstangen für die Strecke genutzt. Die Geschwindigkeit wird vom Boarder bestimmt, um aneinander gereihte Trickkombinationen über und an Hindernissen zu präsentieren. Die zweite Variante nennt sich „Park“, wo die Boarder Halfpipes, Pools und Rampen zur Verfügung haben, um ihre Sprünge und Tricks zu zeigen.

Eine seriöse Bewertung, wie hoch Schäfers Chancen tatsächlich sind, lässt sich erst im Laufe des nächsten Jahres abgeben. Ab 1. Januar 2019 wird es eine neu aufgestellte Weltrangliste geben, für die die Skateboarder dann bei verschiedenen Contests über das Jahr verteilt Punkte sammeln können.

RUDERN

Stell dir vor, du hast einen Bundesstützpunkt – und keiner schafft von dort aus den Sprung zu Olympia. Dieses Szenario droht dem Ruder-Stützpunkt in Saarbrücken vor den Spielen in Tokio. Früher ein Garant für Olympia-Teilnehmer, ja sogar Medaillen, sieht es derzeit in der traditionsreichen Sportart alles andere als rosig aus. Einzig Anja Noske vom RV Saarbrücken, die beinahe schon zum Inventar des Stützpunktes gehört, hält das Fähnchen aufrecht. Ob es allerdings für die 32-Jährige mit der zweiten Olympia-Teilnahme nach 2012 in London etwas wird, ist eher unwahrscheinlich. Denn es gibt nur zwei Plätze im olympischen Leichtgewichts-Doppelzweier – und in diesem Boot saß Noske zuletzt für den Deutschen Ruderverband nicht, musste stattdessen bei der WM mit einem Platz im nicht-olympischen Leichtgewichts-Doppelvierer vorlieb nehmen. Es ist aber nicht auszuschließen, dass sich die Zusammensetzung der Boote in der kommenden Saison wieder ändert.

LEICHTATHLETIK

Neben Schwimmen ist die Leichtathletik die olympische Kernsportart schlechthin. 2016 stellte der Saarländische Leichtathletik-Bund (SLB) zwei Olympia-Fahrer – mit Sprinterin Laura Müller (heute LC Rehlingen) eine waschechte Saarländerin, mit Weitspringerin Sosthene Moguenara eine „Zugereiste“. Moguenara ist im Saarland längst kein Thema mehr, seit sie das LAZ Saarbrücken verlassen hat. Müller dagegen schon – ihr erklärtes Fernziel lautet natürlich Tokio. Die vielseitige 22-Jährige lief in Rio mit der 4x400-Meter-Staffel auf Platz neun – in Tokio dürfte gerne auch ein Einzelstart hinzukommen. Ob über 400 Meter oder die 200 Meter, die in den letzten beiden Jahren eine kleine Domäne von Müller wurde – diese Frage dürfte sich in der kommenden Saison beantworten.

In der kommenden Saison wird sich auch zeigen, ob der Aufwärtstrend von Siebenkämpferin Louisa Grauvogel weiterhin so rasant verläuft. In einem atemberaubenden Tempo hat sich die 22-Jährige aus Ottweiler ins Rampenlicht gelaufen, geworfen und gesprungen. Zwischen Anfang April und Mitte Juni absolvierte sie sage und schreibe vier Siebenkämpfe, stellte eine persönliche Bestleistung nach der anderen auf, knackte über 100 Meter Hürden sogar die EM-Norm bei den Spezialistinnen. Der Höhepunkt sollte bei der Heim-EM in Berlin kommen. Und auch dort lag sie auf Kurs neue Bestleistung, bis sie bei einem Autounfall auf dem Weg zum Hotel leicht verletzt wurde und nicht mehr am abschließenden 800-Meter-Lauf teilnehmen konnte. Den Schock darüber hat Grauvogel längst verdaut. „Wenn ich an Berlin zurückdenke, denke ich nicht an den Unfall“, sagte sie dem Portal leichtathletik.de. Das will sie 2019 beweisen – in neuem Umfeld. Grauvogel hat der University of Georgia, wo sie seit 2016 lebte und studierte, den Rücken gekehrt, startet künftig für Bayer Leverkusen, trainiert dort unter anderem mit EM-Teilnehmerin Mareike Arndt, die in Berlin bei dem Unfall mit im Auto saß.

In Berlin wäre auch Luca Wieland nur allzu gerne mit von der Partie gewesen. Der Zehnkämpfer aus Holz ist einen vergleichbaren Weg gegangen wie Grauvogel, studierte in den USA, verbesserte sich dort im Laufe der Jahre enorm, machte sich in Deutschland in der Szene einen Namen und wechselte vor der gerade zu Ende gegangenen Saison das Umfeld. Der 23-Jährige fand Unterschlupf in der Trainingsgruppe von Rico Freimuth in Halle an der Saale. Vize-Weltmeister Freimuth und Wieland wollten sich im Training gegenseitig pushen – so der Plan. Doch er ging nicht auf. Freimuth brach seine Saison im Mai ab – ausgebrannt, müde und demotiviert. Und Wieland? Den ereilte das Verletzungspech. Beim entscheidenden Wettkampf, der EM-Qualifikation in Ratingen, hatte er schon nach drei Disziplinen bereits mehr als 200 Punkte Vorsprung und das EM-Ticket im Visier, verletzte sich dann aber im Hochsprung bei einem Versuch über 2,16 Meter am Oberschenkel. Schon beim Meeting in Götzis musste der Saarlandrekordler (8201 Punkte) vorzeitig passen. 2019 kann nur besser werden – auch für Langstreckenläufer Tobias Blum (LC Rehlingen), der 2018 lange verletzt war, aber mit dem Sieg beim Köln-Marathon ein vielversprechendes Debüt feierte und unter 2:17 Stunden blieb. Ihn sollte man in jedem Fall im Auge behalten.

RHYTHMISCHE SPORTGYMNASTIK

2012 in London waren letztmals deutsche Sportgymnastinnen mit einer Mannschaft bei Olympia vertreten – und Mira Bimperling sowie Cathrin Puhl bildeten damals die saarländische Achse. 2020 in Tokio könnte wieder eine Saarländerin mit von der Partie sein – Daniela Huber vom TV Rehlingen. Bei der WM im September wurden Huber und Co. Zwölfte – der erste Schritt zur Olympia-Qualifikation ist damit gemacht.

FECHTEN

Fechter Marius Braun aus Klarenthal hat sich nach seinem Vereinswechsel von Bonn nach München in der deutschen Spitze zurückgemeldet. Foto: dpa/Valdrin Xhemaj
Anja Noske jubelt. Doch mit Blick auf eine Olympia-Teilnahme 2020 in Tokio sieht es für die Ruderin vom RV Saarbrücken eher düster aus. Foto: dpa/Soeren Stache

Fechten war mal eine deutsche Domäne, auch bei den Olympischen Spielen. 42 Medaillen, davon 13 goldene – eine stolze Bilanz. Doch die Traditionssportart ist seit Jahren auf dem absteigenden Ast. Vorläufiger Tiefpunkt: die Spiele in Rio, für die sich keine deutsche Mannschaft qualifizieren konnte. Sollte sich das für Tokio ändern, könnten zwei Saarländer eine Rolle spielen – die Brüder Marius und Fabian Braun aus Klarenthal, Experten mit dem Florett. Marius, der ältere, hat schon einige Auftritte für die Nationalmannschaft auf dem Buckel. Nach schwächeren Leistungen fiel der 28-Jährige aus der Förderung des Deutschen Fecht-Bundes, wechselte vom OFC Bonn zu einem Verein nach München. Mittlerweile geht es wieder aufwärts. Marius belegt in der deutschen Rangliste Platz vier. Drei Plätze dahinter rangiert Bruder Fabian. Der 21-Jährige ist wie sein Bruder hochtalentiert und wurde 2017 sogar deutscher Meister bei den Erwachsenen.

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