Saarländischer Fußball-Verband Verbandstag Schumann

Saarländischer Fußball-Verband : Schumann kandidiert wohl zum letzten Mal

Morgen findet in der Saarbrücker Saarlandhalle der Verbandstag des Saarländischen Fußball-Verbandes statt.

 

Man könnte den Planern des Saarländischen Fußballverbandes (SFV) feinen Sinn für Humor unterstellen. Doch das Motto des Verbandstages steht seit Monaten fest. Es lautet: „Unser Fußball ist wertvoll.“ Ein Satz, der am Samstag ab 9 Uhr in der Saarlandhalle für Gelächter gesorgt hätte – wenn es denn zum umstrittenen Deal zwischen dem 1. FC Saarbrücken und der DJK Bildstock gekommen wäre.

Die Rede ist vom größten Aufreger der zu Ende gehenden Saison: Saarbrücken wollte mit seiner zweiten Mannschaft den Platz der DJK in der Saarlandliga einnehmen (wir berichteten mehrfach). „Wir verkaufen nur das Spielrecht“, hieß es aus Bildstock. Beobachter befürchteten, die Ligazugehörigkeit könnte zu einer Frage des Preises werden. Doch: Seit der SFV vor einem Monat ein Rechtsgutachten präsentierte, in dem steht, dass ein Spielrecht nicht übertragen werden kann, scheint das Thema erledigt zu sein. Auch für den kommenden Samstag.

„Seit drei Wochen ist Ruhe“, sagt SFV-Präsident Franz Josef Schumann vor dem Verbandstag. Der 68-Jährige stellt sich in der Saarlandhalle zur Wiederwahl, wie fast alle seiner Vorstandskollegen. Neu ist nur Ex-Bundesliga-Schiedsrichter Volkmar Fischer (16 Spiele) als Chef der Unparteiischen im Verband. Außerdem soll eine Beauftragte für den Mädchen- und Frauenfußball den Vorstand erweitern. Widerstände in Personalfragen sind nicht zu erwarten, nachdem der Deal vom Tisch ist. Ein Antrag zum „FCS-DJK-Deal“ liegt nicht vor.

Der Verbandstag ist ein seltenes Ereignis. Alle drei Jahre treffen die Verbandsoberen auf ihre Basis. Dann geht es um Grundsätzliches und viele Details zugleich. Der SFV umfasst 371 Vereine mit rund 100 000 Mitgliedern, mehr als 500 Teilnehmer werden in Saarbrücken erwartet. Es ist ein Pflichttermin – nicht nur, weil Schwänzer ein Strafgeld zahlen müssen.

Die Verantwortlichen nutzen die Gelegenheit auch zur Eigenwerbung. „Wir wollen Dienstleister der Vereine sein“, formuliert Schumann den Anspruch seines Verbandes. Wie der SFV sich dabei präsentieren will, hat er auf vier Leitbegriffe gebracht: Authentisch, transparent, partnerschaftlich, verantwortlich.

Schumann kandidiert, zum vierten und wahrscheinlich letzten Mal. Die Altersgrenze für den Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes, die bei 70 Jahren liegt, findet der frühere Landrat von St. Wendel zwar altersdiskriminierend, aber in der Sache gut. Dass der Verbandschef weitermachen will, ist durchaus eine Nachricht. Schumann stand über Wochen in der Kritik. Zuerst ging es um den FCS-DJK-Deal, dann um die Terminierung des Saarlandpokalfinales. „Wenn ich sagen würde, ich hätte mich nicht geärgert, würde ich lügen“, sagt Schumann.

Als um den FCS-Deal gestritten wurde, warf man dem Präsidenten vor, verfrüht grünes Licht für eine Übernahme des Spielrechts signalisiert zu haben. „Die Mehrheit ist gegen solche Möglichkeiten“, glaubt Schumann. Aber die rechtliche Argumentation des FCS erschien dem Juristen schlüssig. Ausgearbeitet hatte sie mit Patrick Nessler ein anerkannter Vereinsrechtler und Justiziar des Landessportverbandes. Hätte Schumann sich gegen die Vereinbarung ausgesprochen, wäre ein Nachspiel vor Gericht möglich gewesen. „Eine andere Frage ist, ob man sich sportpolitisch positioniert“, sagt er.

Am Ende beauftragte der SFV einen externen Gutachter: Paul Lambertz aus Düsseldorf. Der kam zum Schluss: Ein Spielrecht ist nach den SFV-Statuten nicht übertragbar. Diese Rechtsmeinung akzeptierten die beteiligten Vereine. Ein Glück für den Verband. Schließlich ist ein Gutachten eine Expertenmeinung. Mehr nicht. SFV-Geschäftsführer Andreas Schwinn zitiert das Sprichwort: „Ein Gutachter, eine Meinung, zwei Gutacher, zwei Meinungen.“ Das heißt: In diesem Fall platzte der Deal, weil niemand eine juristische Auseinandersetzung anstrebte, der FCS von seinem Vorhaben absah. Nachahmer könnte es also geben. Doch Schwinn rechnet nicht damit. „Von Seiten der Vereine kamen offiziell keine Rückfragen“, erklärt er.

Was beim Verbandstag stattdessen verhandelt wird? Einen der interessanteren Anträge stellt der SFV-Vorstand selbst: Er möchte verhindern, dass sich Vereine zu leichtfertig nach Saisonbeginn am 1. Juli aus einer Liga zurückziehen. Wer das machte, stand bisher als erster Absteiger fest – wie der SV St. Ingbert oder die SG Saubach im letzten Spieljahr. In Zukunft soll es nach einem solchen Rückzieher wieder ganz unten losgehen. Sollte der Verbandstag zustimmen, gäbe es damit einen weiteren Aufreger weniger.