Saarländische Triathlon-Union sieht sich gut aufgestellt

Kostenpflichtiger Inhalt: LSVS-Sportverbände unter der Lupe : Nicht nur dank „Frodo“ ein Triathlon-Land

Auch wenn es zuletzt einen leichten Mitgliederrückgang gab, sieht sich die Saarländische Triathlon-Union (STU) bestens aufgestellt für die Zukunft. STU-Präsident Bernd Zimmer sucht aktuell einen neuen Landestrainer – und für 2022 einen Nachfolger für sich selbst.

Das Saarland ist eine Triathlon-Hochburg. Schließlich starten die beiden Ironman-Sieger des vergangenen Jahres, Anne Haug und Jan Frodeno, für das LAZ Saarbrücken. Auch der Olympiastützpunkt an der Landessportschule sowie eine ertragreiche Nachwuchsarbeit machen das Saarland zum Triathlon-Land. Die Anzahl der Mitglieder in der Saarländischen Triathlon-Union (STU) ist zwar zuletzt auf 1144 gesunken. Doch seit 2009 (699) hat sie ordentlich zugelegt.

Der aktuell kleine Rückgang liegt nicht etwa an mangelndem Interesse oder – wie bei vielen anderen Sportarten – am demografischen und gesellschaftlichen Wandel. Vielmehr organisieren sich die Athletinnen und Athleten häufiger selbst, statt sich an Vereine zu binden. Diese Entwicklung findet bundesweit statt und zeigt sich vor allem am deutlichen Anstieg der Teilnehmerzahlen bei Wettkämpfen.

Trotz des Mitglieder-Rückgangs sei „die STU vom Grundsatz her sehr gut aufgestellt. Sowohl im Präsidium als auch im sportlichen wie beispielsweise im Nachwuchsbereich“, stellt Präsident Bernd Zimmer fest. Beste Aussichten also für die Person, die 2022 nach dann über 20 Jahren an der Verbandsspitze seine Nachfolge antreten soll. Gefunden ist diese Person aber noch nicht. „Einziger Wermutstropfen ist das Ausscheiden unserer Landestrainerin Julia Seibt, die Anfang Dezember 2019 aus familiären Gründen gekündigt hatte“, sagt Zimmer. Bis zu den Olympischen Spielen in Tokio im Sommer 2020 wird der bisherige Co-Trainer Micha Zimmer Seibts Aufgaben übernehmen, danach wird die Stelle neu ausgeschrieben.

Bevor es soweit ist, muss der Verband die Lücke füllen, die Bernd Zimmers Sohn Micha als Trainer im Nachwuchsbereich hinterlässt. Derzeit nehmen 20 Kinder und Jugendliche (Jahrgang 2007 und jünger) am Stützpunkttraining teil – ein neuer Rekord und mehr als doppelt so viele wie in den Jahren zuvor. In vielen anderen Sportarten wären Trainer vorhanden, aber kein Nachwuchs. Woher kommt also der Triathlon-Boom im Saarland? „Vor drei Jahren haben wir den Tag des Triathlons und vor fünf Jahren den Schüler Cup ins Leben gerufen, an dem jährlich bis zu 300 Kinder und Jugendliche teilnehmen“, sagt Bernd Zimmer: „Dort sichten wir die Talente und sprechen sie gezielt an. Außerdem hat sich die Kommunikation zwischen Vereins- und Landestrainer sehr verbessert.“

Dabei betreiben nur eine Handvoll der 35 Vereine aktive Jugendarbeit: Der Schwimmclub Illingen, der ATSV Saarbrücken, die DJK SG St. Ingbert, Dreikraft Neunkirchen, die Triathlon-Freunde Saarlouis und Tri-Sport Saar-Hochwald. Der bis 2024 gesicherte Olympiastützpunkt in Kombination mit der Eliteschule des Sports und der Universität des Saarlandes sorgt darüber hinaus „für optimale Bedingungen, hier Leistungssport machen zu können“, erzählt Zimmer: „Mittlerweile stimmt auch das leistungssportliche Konzept der Deutschen Triathlon-Union. Wir haben die entsprechenden Trainer vor Ort. Und das bedeutet, dass Kaderathleten, die dem Jugend- und Juniorenbereich entwachsen sind, gerne nach Saarbrücken kommen.“

Nichtsdestotrotz fördere die STU auch gezielt saarländische Talente, die im Idealfall in die Bundesliga-Mannschaft, das von Zimmer gemanagte Hylo Team Saar, integriert werden. Der rege Zuspruch bei den Jüngsten kam dennoch selbst für die Verantwortlichen etwas überraschend und sorgte fast schon zu Engpässen in der Schwimmhalle. „Das Schwimmtraining steht gerade bei den Jüngsten an erster Stelle, deshalb werden unsere Kapazitäten langsam grenzwertig“, sagt Zimmer.

Immer seltener, aber dennoch hin und wieder belegt schon mal der beste Triathlet der Welt, Jan Frodeno, eine Bahn. Der dreimalige Ironman-Weltmeister und Olympiasieger von 2008 trainierte jahrelang in Saarbrücken. Obwohl er mittlerweile in Spanien lebt, bleibt er wie auch Anne Haug für die saarländischen Triathleten das große Vorbild. „Wir sind wahnsinnig stolz darauf, dass Anne und Jan für das LAZ Saarbrücken starten und welche Erfolge sie erzielt haben. Bessere Botschafter für das Saarland können wir gar nicht kriegen“, meint Zimmer und betont: „Wir sind genauso stolz auf unsere erfolgreichen Sportler am Olympiastützpunkt in Saarbrücken, deren Erfolge etwas untergehen.“

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Moderator Markus Lanz (links) bat die Weltmeister Anne Haug und Jan Frodeno (rechts) im Jahresrückblick „Menschen 2019“ auf seine Couch. Foto: dpa/Axel Heimken

Beispielhaft nennt er den deutschen U23-Meister Tim Hellwig (DJK SG St. Ingbert), den deutschen A-Jugend-Meister (2017) und EM-Teilnehmer Nick Ziegler, der künftig wieder für das Bundesliga-Team Hylo Team Saar (bisher: KiologIQ Team Saar) startet. Das ist mit vielen eigenen Nachwuchsathleten bestückt und schloss die Liga 2018 und 2019 auf Rang drei ab. Mit der öffentlichen Wahrnehmung dieser Erfolge ist Zimmer nicht ganz zufrieden. „Die Medienpräsenz im Saarland entspricht nicht den Erfolgen, die wir mit den Teams schon hatten und haben. Andere Randsportarten kommen hier bedeutend besser weg. Das hängt auch damit zusammen, dass diese Heimwettkämpfe haben“, findet er. Auch deshalb zieht der Triathlon hier nach.