Saarbrücker Schwimmer Christoph Fildebrandt startet bei WM in Südkorea

Schwimm-WM in Südkorea : Platz zwölf ist für „Filde“ das große Ziel

Schwimmer Christoph Fildebrandt aus Saarbrücken startet bei der WM in Südkorea in der 4x100-Meter-Freistil-Staffel.

Als Hochleistungssportler kennt sich Christoph Fildebrandt mit Quälen nur allzu gut aus. Da war es irgendwie logisch, dass der 30-Jährige vor einer Woche einem anderen „Meister der Quälerei“ zuschaute. Bei der Ironman-Europameisterschaft in Frankfurt sah er seinem alten Saarbrücker Kollegen Jan Frodeno zu, wie der seinen Titel verteidigte. „Ich habe früher ein paar Mal mit ihm trainiert. Und es war beeindruckend, wie er sich komplett reingehängt hat, obwohl er als Triathlet gegen Schwimmer ohne Chance war. Er hat bis zum Letzten alles gegeben“, erinnert sich „Filde“ und sieht den Olympiasieger daher schon als „so eine Art Vorbild“ an.

Für Fildebrandt selbst wird es an diesem Mittwoch (10. Juli) ernst, wenn sein Flieger in Richtung Fernost abhebt. Nach China, Singapur und Thailand, wo er schon einmal war, geht es nun in ein für ihn neues Land. Aber nicht zum Urlaub, sondern zum Quälen und zum Wettkampf. Vor der am Freitag beginnenden Schwimm-Weltmeisterschaft im südkoreanischen Gwangju bereiten sich die Spitzenathleten des Deutschen Schwimmverbandes (DSV) im japanischen Kuramoto vor. „Dort sind wir dann auch nächstes Jahr vor den Olympischen Spielen in Tokio“, sagt der Saarbrücker. Dafür muss sich die deutsche 4x100-Meter-Freistil-Staffel aber erst mal einen Startplatz für Olympia sichern. Heißt: Bei der WM muss das deutsche Quartett aus Fildebrandt, Marius Kusch (Datteln), Damian Wierling (Essen) und Josha Salchow (Heidelberg) unter den ersten Zwölf landen.

Fildebrandt ist für das Rennen am Sonntag in einer Woche (21. Juli) optimistisch. „Die WM kann so langsam kommen“, sagt er und blickt auf eine lange Trainingsphase zurück. Nach einem zweiwöchigen Trainingslager in Griechenland Ende April ist er im Training gut durchgekommen und gesund geblieben. „Ich habe so hart wie möglich trainiert, viel auf Kraftbasis“, erzählt Fildebrandt, und da war sie wieder: die Quälerei. Durch die hohen Trainingsumfänge war er dann im Juni bei der Mare-Nostrum-Tour in Barcelona etwas platt. Die Hitzewelle Ende Juni machte dem Schwimmer dagegen nichts aus. „Ich mag die Hitze. Und bei uns in der Trainingshalle ist es kühler als draußen, sehr angenehm“, berichtet der Olympia-Teilnehmer, der in der internen deutschen Rangliste als Dritter nur eine Hundertstelsekunde hinter Damian Wierling liegt. Würde der Saarbrücker bei der WM schnellster deutscher Freistilschwimmer über die 100 Meter werden, wäre er auch bei der Lagenstaffel am letzten Tag der WM dabei.

„Die Top 12 hat höchste Priorität, denn nur dann haben wir einen Tokio-Startplatz für Deutschland sicher“, sagt der 30-Jährige. Seinen persönlichen Staffelplatz müsste er sich dann 2020 bei den deutschen Meisterschaften mit einem Top-4-Platz und einer unterbotenen Norm erkämpfen. Wird Deutschland bei der WM zum Beispiel nur 13., müsste die Staffel 2020 noch mal starten. „Dann gibt es noch mal vier Olympia-Startplätze“, erklärt Fildebrandt. Diese Regelung gibt es, falls zum Beispiel einer der großen Favoriten wie die USA oder Australien bei der WM einen Fehlstart hinlegen und dann disqualifiziert würde.

Und wie schätzt der Saarbrücker bei seiner fünften WM-Teilnahme die deutschen Chancen ein? „Ich bin optimistisch. In diesem Jahr haben wir eine gute Staffel“, sagt er. Insgesamt ist das Team eine Sekunde schneller geworden, Fildebrandt selbst steuert davon drei Zehntelsekunden bei. Aber: „Es wird immer schwerer, unter die Top 12 zu kommen. Denn auch die kleineren Länder haben aufgeholt.“ Die Entwicklung aus dem schon lange aus dem Fußball bekannte Mantra „Es gibt keine Kleinen mehr“ scheint nun also auch bei den Schwimmern angekommen zu sein.

Für „Filde“ ist die Saison nach dem Höhepunkt mit der WM aber noch nicht beendet, denn nur eine Woche später stehen vom 1. bis zum 4. August die deutschen Schwimmmeisterschaften in Berlin an. Erst danach steht ein Urlaub an. Ein bisschen Ruhe bekommt Fildebrandt aber auch in Kuramoto ab. „Ich habe gehört, da wäre sonst gar nichts los“, meint er schmunzelnd. Beste Voraussetzungen also für den WM-Feinschliff und um sich noch mal zu quälen. Denn dass die Qualen belohnt werden, das hat Kumpel Frodeno zur Genüge gezeigt.

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