| 20:40 Uhr

1. FC Saarbrücken testete gegen Sandhausen
Wiedersehen macht doppelt Freude

 Arm in Arm auch während des Spiels. Beim Test des 1. FC Saarbrücken gegen den Zweitligisten SV Sandhausen hatten sich Mario Müller, Fanol Perdedaj und der Ex-Saarbrücker Kevin Behrens (von links) ganz doll lieb.
Arm in Arm auch während des Spiels. Beim Test des 1. FC Saarbrücken gegen den Zweitligisten SV Sandhausen hatten sich Mario Müller, Fanol Perdedaj und der Ex-Saarbrücker Kevin Behrens (von links) ganz doll lieb. FOTO: Andreas Schlichter
Saarbrücken. Der 1. FC Saarbrücken traf beim torlosen Test gegen Fußball-Zweitligist SV Sandhausen auf seinen früheren Torjäger Kevin Behrens. Von Patric Cordier

Es gibt Situationen, die vergisst man nicht. Die vom 27. Mai 2018 gehört dazu, als Kevin Behrens nach dem 2:2 des 1. FC Saarbrücken beim TSV 1860 München fassungslos durch das Stadion an der Grünwalder Straße lief. Immer wieder sagte er: „Ich bin schuld, alles meine Schuld.“ Die ganze Last des verpassten Aufstiegs in die 3. Liga schien auf den Schultern des Stürmers zu liegen, der trotz seiner Roten Karte bei der 2:3-Hinspielniederlage gegen die Löwen aber wohl nicht mehr Anteil am Scheitern hatte als taktische Fehler des Trainers, dilettantische Patzer von Mitspielern – und mangelndes Spielglück.


„Ich habe Wochen gebraucht, um das zu verarbeiten“, sagte Behrens am Samstag, als er mit seinem neuen Verein SV Sandhausen zum Testspiel am FC-Sportfeld zu Gast war: „Ich wollte nie mehr darüber sprechen. Höchstens mal mit meinen Enkeln in 30 Jahren irgendwo auf dem Balkon. Ich hatte mir einen anderen Abschied gewünscht.“

Man hat ihm vergeben. Die Begrüßung der ehemaligen Mitspieler war herzlich, während des Spiels auf dem Kunstrasenplatz oberhalb des Sportfelds (die Spielfläche dort war teilweise gefroren) gab es keine Schmährufe. „Ich wurde direkt abgefangen, war kurz in der Kabine und habe gesehen, dass Lukas Quirin jetzt auf meinem Platz sitzt“, erzählte der Stürmer, der sich öfter FCS-Spiele anschaut: „Wenn es passt, komme ich immer gerne vorbei. Ich hatte hier eine schöne Zeit.“



Am Samstag spielte Behrens von Beginn an. Konnte sich in einer Doppelspitze gegen die aufmerksame FCS-Innenverteidigung mit Nino Miotke und Steven Zellner aber selten in Szene setzen. Behrens’ große Stärke, sich den Ball auch mal in der eigenen Hälfte „abzuholen“ und damit für den Gegner schwerer greifbar zu sein, findet im System von Trainer Uwe Koschinat offensichtlich keine Verwendung. „Es war eine Umstellung, was Tempo und Härte angeht. Das Niveau in der 2. Liga ist natürlich höher, alles ist dichter beisammen, die Stadien sind größer“, sagte Behrens, der es bislang zu 15 Liga-Einsätzen und einem Tor gebracht hat. Dazu spielte er zwei Mal im DFB-Pokal. „Ich habe schon meine Spielzeit bekommen, aber natürlich wünscht man sich immer mehr.“ Den Wechsel bereut hat er nicht – trotz Abstiegskampf. Sandhausen ist derzeit Tabellen-15., punktgleich mit dem MSV Duisburg auf dem Relegationsplatz. „Wenn ich mit 27 Jahren noch einmal die Chance bekomme, in die 2. Liga zu gehen, ist mir keiner böse, wenn ich das mache“, sagte Behrens: „Ich versuche weiter, auf meine Einsatzzeit zu kommen und das ein oder andere Tor zu schießen.“

Das gelang am Samstag vor fast 1000 Zuschauern keiner der beiden Mannschaften. Ein Klassenunterschied war kaum erkennbar, Saarbrücken im zweiten Durchgang durch Marco Holz (72. Minute) vielleicht sogar näher dran am Siegtreffer als der Zweitligist. FCS-Trainer Dirk Lottner freute sich über das Wiedersehen mit Behrens fast genauso wie über die Leistung seiner Mannschaft: „Wir haben taktisch einiges ausprobiert und das sehr gut umgesetzt. Wir haben gegen einen Zweitligisten zu null gespielt und hatten hintenraus Möglichkeiten, das Spiel noch zu gewinnen. Ich bin zufrieden.“ Schon morgen testet Saarbrücken erneut, um 15 Uhr beim luxemburgischen Meister F91 Düdelingen.