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Saar-Handball hofft auf neuen Boom

Sportverbände unter der Lupe : Saar-Handball könnte neuen Boom gebrauchen

Der Verband musste 2018 Rückschläge wie den Abstieg der HG Saarlouis verkraften. Präsident Eugen Roth bereitet Übergabe 2020 vor.

Ein turbulentes Jahr liegt hinter dem Saar-Handball. Zahlreiche Aktivitäten und Veranstaltungen des Verbandes und seiner Vereine sorgten für positive Außendarstellung und Erfolge. Die Nachwuchsförderung trägt Früchte. Aber auch Herausforderungen taten sich auf wie der Abstieg des Vorzeige-Clubs HG Saarlouis aus der 2. Männer-Bundesliga, der Finanzskandal des Landessportverbandes (LSVS) oder der eklatante Schiedsrichter-Mangel.

Anfang Februar 2018 trat Verbandschef Eugen Roth als Mitglied des Präsidiums des LSVS zurück. Zu den laufenden Ermittlungen – auch gegen ihn – will sich Roth nicht äußern. Der Rückhalt des Präsidiums und des Vorstandes des Handballverbandes Saar ist ihm bis zum satzungsgemäßen Ende seiner Amtszeit 2020 gewiss. Dann will Roth einen gesunden und modern aufgestellten Verband an einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin übergeben.

Dass das Saarland bis dahin wieder einen Zweitligisten hat, darf bezweifelt werden. „Den Abstieg der HG bedauere ich sehr, aber er war fällig. Diese Form der Konsolidierung, die im ersten Moment schmerzhaft ist, war rückblickend unumgänglich“, sagt Roth und hofft, „dass diese Chance, die sich daraus wiederum ergibt, genutzt wird.“

Mit Jerome Müller (Eulen Ludwigshafen) und Lars Weissgerber (HSG Wetzlar) wechselten zwei junge Saarlouiser nach dem Abstieg zu Erstligisten. In den Jahren zuvor schafften diesen Sprung auch Yves Kunkel (MT Melsungen), Daniel Fontaine (Bergischer HC) und Tim Suton (TBV Lemgo) von Saarlouis aus. Kunkel und Suton sammelten schon Einsätze in der Nationalmannschaft – Suton gehört sogar zum erweiterten Kader für die laufende Heim-WM. Für diese Erfolge in der Talentförderung macht Roth insbesondere das Engagement von Jugendkoordinator Christian Schwarzer (Weltmeister 2007) und Landestrainer Dirk Mathis mit seinem Trainerstab verantwortlich: „Für einen kleinen Verband ist es schon eine Kraftanstrengung, solche Auswahltrainer anzubieten. Aber je besser das Fördersystem mit den Vereinen verzahnt ist, desto wirksamer ist es“, sagt Roth.

Deshalb und angesichts des Bevölkerungsschwundes im Saarland plädiert Roth für eine Kooperation der Topvereine. „Kooperationen gibt es schon in Ansätzen, aber sie müssten noch enger werden und noch strategischer organisiert sein. Dafür gibt es beim HVS sogar schon Konzepte. Nur die Vereine müssen es auch wollen“, betont Roth, dem perspektivisch weitergehende Kooperationen vorschweben – mit benachbarten Verbänden in Rheinland-Pfalz, aber auch in Luxemburg und Lothringen. Beispielsweise, um gemeinsame Turniere für Mädchenmannschaften zu organisieren.

Der Frauen- und Mädchen-Handball hinkt dem männlichen Bereich derzeit hinterher. Eine Spitzengruppe wie bei den Männern mit den Drittligisten Saarlouis und VTZ Saarpfalz gibt es hier nicht. Aber eine Spitzenmannschaft. „Gott sei Dank läuft es bei der HSG DJK Marpingen-SC Alsweiler in der RPS-Oberliga sehr gut. Auch dank des Trainers Jürgen Hartz, unser prominentestes saarländisches Eigengewächs seit Jo Deckarm“, sagt Roth.

Ähnlich wie bei den Jungs müssen auch die weiblichen Toptalente den Handballverband Saar verlassen, um ganz vorne mitzumischen. Davon gibt es allerdings nicht so viele. Eine Ausnahme ist Amelie Berger, die den SV 64 Zweibrücken 2015 in Richtung Bundesligist Bayer Leverkusen verließ, wo sie zur Nationalspielerin reifte. Nach ihrem Länderspiel-Debüt am 29. September 2018 gegen Russland war sie ein fester Bestandteil des Teams bei der Europameisterschaft in Frankreich im November und Dezember 2018.

„Sie ist auf jeden Fall ein Vorbild für unsere Mädchen, und das ist für einen Verband sehr viel Wert. Trotz ihrer starken Entwicklung weiß sie, wo sie herkommt und ist sehr bodenständig“, lobt Roth. Um mehr Talente vom Schlage Berger hervorzubringen, wurde eine neue Förderstruktur im weiblichen Bereich geschaffen. „Das braucht allerdings Zeit. Dazu gehört auch, dass sich die HSG DJK Marpingen-SC Alsweiler weiterhin so entwickelt und sich als Spitzenmannschaft des Saarlandes etabliert. Dafür drücke ich alle meine Daumen“, sagt Roth.

Alles in allem ist der Verbands-Chef gut ein Jahr vor dem Ende seiner Amtszeit guter Dinge. „Die Stabilität ist gegeben, die Handballfamilie funktioniert und hält zusammen. Ansonsten hängt viel davon ab, wie wir uns mit den Nationalmannschaften auf internationaler Ebene schlagen“, findet Roth und hofft auf den ganz großen Wurf bei der Heim-WM: „Nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft im eigenen Land 2007 hatten wir einen Boom ohne Ende.“ Den könnte der Saar-Handball gerade nach dem turbulenten Jahr 2018 gut gebrauchen.