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Ruhestand kennt Krautzun nicht

 Eckhard Krautzun ist auch mit 71 Jahren noch Fußball-Trainer mit Leib und Seele. Das bewies er in Saarbrücken. Foto: Wieck
Eckhard Krautzun ist auch mit 71 Jahren noch Fußball-Trainer mit Leib und Seele. Das bewies er in Saarbrücken. Foto: Wieck
Saarbrücken. Eckhard Krautzun ist niemand, dem man jedes Wort aus der Nase ziehen muss, das wird schnell klar. Ein paar Stichwörtern folgt ein Redeschwall. Es ist erstaunlich, wie der 71-jährige Fußball-Trainer all seine erlebten Geschichten rund um den Globus bis ins kleinste Detail nacherzählen kann Von SZ-Mitarbeiter Henning Jochum

Saarbrücken. Eckhard Krautzun ist niemand, dem man jedes Wort aus der Nase ziehen muss, das wird schnell klar. Ein paar Stichwörtern folgt ein Redeschwall. Es ist erstaunlich, wie der 71-jährige Fußball-Trainer all seine erlebten Geschichten rund um den Globus bis ins kleinste Detail nacherzählen kann. Krautzun war am Mittwoch zu Gast an der Sportschule in Saarbrücken und hielt im Rahmen der Trainer C-Lizenz Fortbildung des Saarländischen Fußballverbandes zwei Vorträge. Einen über Jugendtraining, den anderen über seine langjährige Tätigkeit im Ausland. Insbesondere hierzu hatte er allerhand zu berichten."Ich war schon als Jugendlicher neugierig auf andere Kulturen. Natürlich braucht man dazu auch einen Hang zur Abenteuerlust", erklärt Krautzun, der auf vier Kontinenten als Trainer unterwegs war. Schon mit 27 heuerte er als Nationaltrainer in Südkorea an. "Ich hatte einen Knorpelschaden im Knie und einen Achillessehnenanriss", blickt Krautzun, der drei Bundesliga-Spiele für den 1. FC Kaiserslautern absolvierte, auf das frühe Ende seiner Spielerkarriere zurück. Dettmar Cramer, der zuvor in Asien als Trainer tätig war, vermittelte Krautzun nach Südkorea - in ein Krisengebiet. "Angst hatte ich nur einmal, als sich vor meinem Hotel tausende Südkoreaner auf einem Platz versammelten und einen Galgen mit sich transportierten", erzählt der Heppenheimer. Die Leuten demonstrierten gegen Nordkores Machthaber.


1970 zog es Krautzun nach Afrika. Vier Jahre trainierte er die kenianische Nationalmannschaft. Hier musste er zunächst die drei führenden Stämme zu einer Mannschaft vereinen. Die Luos, die Kikuyus und die Luhyas sollten ohne Animositäten zusammen auf dem Platz stehen. "Ich habe ihnen klar gemacht, dass mir die Stammeszugehörigkeit egal ist und wir alle Kenianer sind. In dieser Zeit habe ich gemerkt, dass man mit Fußball oft mehr erreichen kann als mit Politik", sagt der Weltenbummler.

Gut erinnern kann er sich auch an seine Tätigkeit als Nationaltrainer der Philippinen (1991/1992). "Ich musste Bälle, Schuhe und Trikots besorgen. Wir haben uns die Tore zusammengebaut und den Rasen selbst gemäht", erzählt Krautzun. Trotz der amateurhaften Bedingungen erreichte die Mannschaft das Halbfinale der Südost-Asienspiele. "Die Spieler waren sehr clever und lernten schnell. Deshalb konnte ich ihnen auch in kurzer Zeit beibringen, was moderner Fußball ist", erinnert sich Krautzun.



Das gelang ihm auch 2001, als er mit Tunesien die Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2002 schaffte. Doch auf der Bank saß er in Japan und Südkorea nicht. "Der Präsident des Verbandes wollte, dass ich einige Spieler zu Hause lasse. Da ließ ich mir aber nicht reinreden", begründete Krautzun seinen Rücktritt vor der WM. Zuletzt arbeitete er von 2003 bis 2007 in China an einem langfristigen Projekt, trainierte dort die U20 und die Frauen-Nationalmannschaft.

Heute beschränkt sich der Globetrotter auf kleinere Projekte. Für das Auswärtige Amt, den Deutschen Olympischen Sportbund und den Deutschen Fußball-Bund ist er als Fußball-Entwicklungshelfer auf Reisen. Von Ruhestand will der rastlose Eckhard Krautzun nichts wissen. Sonst wäre der "ewige Student des Fußballs" nicht nach Saarbrücken gekommen, um seine Erfahrungen zu teilen.

Zur PersoN

Eckhard Krautzun, geboren am 13. Januar 1941 in Essen, war in seiner Karriere als Fußball-Trainer auf vier Kontinenten aktiv. Er war Nationaltrainer in Südkorea, Kenia, Kanada, Philippinen, Tunesien und China (U20-Männer sowie A-Nationalelf der Frauen). Sein größter Erfolg war die Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2002 mit Tunesien.

Neben 13 deutschen Vereinen war er im Ausland für acht Clubs verantwortlich: Young Fellows Zürich (Schweiz), Vancouver Whitecaps (Kanada), Houston Hurricane, Fort Lauderdale Strikers (beide USA), Mazda Hiroshima (Japan), Al Ahli Jedda (Saudi-Arabien), Kuala Lumpur City Hall (Malaysia), CS Sfaxien (Tunesien). hej