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Rückkehr nach 92 Jahren

Die geschmeidigen 100 Kilo-Männer von den Fidschis gelten als Gold-Kandidaten im Rugby-Turnier, das erstmals seit 92 Jahren wieder im Programm ist. Foto: tesson/dpa
Die geschmeidigen 100 Kilo-Männer von den Fidschis gelten als Gold-Kandidaten im Rugby-Turnier, das erstmals seit 92 Jahren wieder im Programm ist. Foto: tesson/dpa FOTO: tesson/dpa
Rio de Janeiro. Nach 92 Jahren feiert Rugby mit dem Auftakt des Frauen-Turniers sein Olympia-Comeback. Gespielt wird in der abgespeckten Siebener-Variante, einer spektakulären Variante des körperbetonten Sports. sid-Mitarbeiter Pirmin Closse

Rasant, wild, kurzweilig - wenn Rugby ab diesem Samstag sein Comeback auf der Olympischen Bühne feiert, sind spektakuläre Bilder garantiert. Denn anders als beispielsweise bei der WM in England im vergangenen Jahr, wird in Rio de Janeiro die abgespeckte Siebener-Variante des körperbetonten Sports gespielt. So mancher Experte prophezeit dem Olympia-Rugby eine glorreiche Zukunft.


"Es ist eine gewagte These, weil der 100-Meter-Lauf eine große Tradition besitzt", sagt Lars Stegelmann, Sportmarketing-Experte bei der Vermarktungsfirma Nielsen Sports: "Dennoch hat ein Rugby-Finale zumindest das Potenzial, bei Olympia zu einer der Veranstaltungen mit dem höchsten TV-Interesse weltweit zu werden." Zumindest sei zu erwarten, dass sich die Erfolgsstory der letzten Jahre in Rio fortsetzt: "Das Interesse hat sich kontinuierlich gesteigert."

Sogar im bislang wenig rugby-begeisterten Deutschland herrscht Aufbruchstimmung. Die WM in England verfolgten Ende 2015 Millionen vor dem Fernseher. Zudem wurden Strukturen im Deutschen Rugby-Verband massiv professionalisiert, was sich wiederum in den Ergebnissen der Nationalteams niederschlägt.



Letztlich kam Rio noch zu früh für die junge deutsche Siebener-Auswahl. Beim Qualifikationsturnier in Monaco scheiterte sie im Halbfinale. Wenn am Samstag in Rio zunächst die Frauen und am Dienstag die Männer loslegen, sitzen die deutschen Spieler vor dem TV - wie weltweit Millionen andere. Olympia ist für den Rugby-Sport auch eine riesige Werbemaßnahme.

Grundsätzlich spielt die Zahl 7 beim Siebener-Rugby gleich in mehrfacher Hinsicht eine entscheidende Bedeutung. Zwei Mal sieben Minuten duellieren sich Teams zu je sieben Spielern, pro Angriff sind dabei maximal sieben Punkte möglich. In der Regel ist eine Mannschaft drei Mal pro Tag im Einsatz, das Turnier mit jeweils zwölf Mannschaften bei Männern und Frauen wird in nur drei Tagen durchgezogen.

Die Akteure müssen dementsprechend absolute Allrounder sein. "Du brauchst Leute vom Typ Zehnkämpfer ", sagt der ehemalige deutsche Nationalspieler Manuel Wilhelm: "Sie müssen schnell, ausdauernd und kräftig sein." Daneben sei auch ein gutes Ballgefühl und ein ausgeprägtes taktisches Gespür unablässig - im Prinzip also sportliche Alleskönner.

Mike Friday, Nationaltrainer der USA, beschreibt die Siebener-Variante angesichts der körperlichen Herausforderungen als "brutal und absolut unbarmherzig". Trotzdem bietet genau sie ihrem Sport die Chance, bei Olympia ein noch größeres Publikum zu begeistern. Und das, obwohl eine Rugby-WM, wie die im Vorjahr in England, ohnehin schon ein absolutes Weltereignis ist. Auf jedem Kontinent der Erde findet sich schließlich mindestens eine Rugby-verrückte Nation. Sei es Neuseeland, Südafrika, England, Argentinien oder neuerdings auch Japan. Seit das IOC 2009 beschloss, den Sport wieder ins Programm zu holen, steht der Sport mehr denn je vor einer rosigen Zukunft.