Leichtathletik-EM in Berlin: Rückenwind auf dem Weg zu Olympia

Leichtathletik-EM in Berlin : Rückenwind auf dem Weg zu Olympia

Kugelstoß-Ass David Storl darf mit seiner Bronzemedaille bei der EM in Berlin zufrieden sein.

Die Bronzemedaille von David Storl schimmerte zumindest ein bisschen golden. Platz drei in einem hochklassigen Kugelstoßwettbewerb bestätigte den 28-Jährigen auf seinem neu eingeschlagenen Weg und gibt Rückenwind auf dem Weg zum großen Ziel Olympia 2020 in Tokio – auch wenn seine beeindruckende Serie von drei EM-Titeln riss. „Wenn man die letzten Jahre nimmt, geht der Trend nach oben. Silber bei Hallen-WM und jetzt Bronze sind erst mal wieder Medaillen“, sagte Storl: „Nach denen wird abgerechnet. Von daher bin ich damit voll zufrieden.“

Auf 21,41 Meter hatte Storl seine Kugel gewuchtet. Mit der gleichen Weite hatte er 2014 noch den Titel gewonnen, er ist nun der mit Abstand beste Dritte der EM-Geschichte. Dennoch: Völlig zufrieden war Storl, der mit einer Saisonbestleistung von 21,62 angereist war, nicht: „Es hat nicht ganz zusammengepasst.“ Storl weiß allerdings auch, welchen Weg er in den letzten beiden Jahren zurückgelegt hat. Denn sowohl Olympia 2016 mit Platz sieben als auch die WM 2017 mit Rang zehn waren alles andere als zufriedenstellend. Dazu plagten ihn Knieprobleme, die er lange nicht in den Griff bekam.

Doch Storl ging ins Risiko. Er trennte sich von seinem langjährigen Trainer Sven Lang, probierte etwas Neues und wechselte zu Wilko Schaa. Bisher zahlte es sich aus. Mit neuer Trainingsmethodik bekamen beide die Knieprobleme in den Griff – die Grundlage für seinen neuen Angriff auf die Weltspitze. „Ich glaube, dass es für einen Athleten in meinem Alter schon ein Wahnsinns-Schritt ist, das Trainingssystem komplett umzukrempeln und trotzdem an den Erfolg anzuknüpfen“, hatte er vor der EM erklärt: „Es ist schwer, aus dem Trott, der immer geklappt hat, auszubrechen.“

Auch abseits des Rings versteht sich das Duo Storl/Schaa – auch weil beide erst vor kurzem Vater wurden. „Er ist in derselben Situation wie ich. Da hat man Verständnis für bestimmte Sachen, das macht es ein bisschen einfacher“, sagte Storl. „Da hat man auch ganz andere Dinge, über die man reden kann. Es ist auch gut so, dass es nicht immer um den Sport geht. Es gibt ja auch ein Leben neben dem Sport“, sagte Schaa. So gibt es dann auch mal gemeinsame Grillabende mit den Familien. Dabei verlieren beide aber den sportlichen Erfolg nicht aus den Augen. Stück für Stück wollen sie sich wieder an die Weltspitze herantasten. Denn weltweit ist die Konkurrenz noch mal deutlich stärker als in Europa, vor allem die US-Amerikaner stoßen regelmäßig über 22 Meter. Dorthin soll es auch wieder für Storl gehen, denn eines fehlt im noch in seiner Sammlung: Olympiagold.