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Wiedersehen mit Ex-FCS-Trainer
Bommer weckt fast vergessene Erinnerungen

Rudi Bommer hat den SC Hessen Dreieich in die Regionalliga Südwest geführt und will mit dem Aufsteiger den Klassenverbleib schaffen.
Rudi Bommer hat den SC Hessen Dreieich in die Regionalliga Südwest geführt und will mit dem Aufsteiger den Klassenverbleib schaffen. FOTO: Andreas Schlichter
Saarbrücken. Der 1. FC Saarbrücken trifft am Samstag auf seinen früheren Zweitliga-Trainer. Der erlebte eine intensive, schwierige Zeit beim FCS. Von Patric Cordier

Seine Amtszeit als Cheftrainer des 1. FC Saarbrücken währte nur 245 Tage. Und sie ist auch schon eine Zeitlang her. Dennoch gibt es nicht wenige FCS-Fans, die Rudi Bommer als einen soliden Arbeiter und im Umgang sehr freundlichen Menschen in Erinnerung haben. Bommer hatte im August 2005 den Interimstrainer Fritz Fuchs beerbt, nachdem die zweite Amtszeit von Horst Ehrmantraut in Saarbrücken beendet war.


„Die Situation war damals nicht einfach“, sagt Bommer, der seit nunmehr drei Jahren beim kommenden FCS-Auswärtsgegner SC Hessen Dreieich (Samstag, 14 Uhr) für den sportlichen Aufschwung verantwortlich zeichnet: „Ich habe gerne in Saarbrücken gelebt. Es war eine tolle, intensive Zeit. Es ist schade, dass ich den Lohn der Arbeit nicht einfahren konnte.“

Denn am drittletzten Zweitliga-Spieltag wurde Bommer beurlaubt, weil er angeblich bereits mit dem MSV Duisburg verhandelt hätte und darum nicht mehr mit vollem Herzen beim Abstiegskampf des FCS gewesen wäre. „Das war Quatsch, aber im Nachhinein muss ich fast dankbar sein“, sagt der heute 61-Jährige: „Dadurch wurde Duisburg erst auf mich aufmerksam. Die Gespräche fanden erst lang nach meiner Beurlaubung in Saarbrücken statt.“



Mit seinem damaligen Co-Trainer Didier Philippe, der die Verantwortung nach Bommer übernahm und den Abstieg des FCS aus der 2. Liga auch nicht mehr verhindern konnte, steht Bommer noch heute in Kontakt. „Wir telefonieren noch regelmäßig. Aber noch einer war damals sehr wichtig: Mustapha Hadji. Er war nicht nur ein überragender Kicker. Er hat auch im Hintergrund mitgeholfen, diesen zerstrittenen Haufen zu einer Mannschaft zu machen. Es war für mich das erste Mal, dass ich mit Spielern zu tun hatte, die den Ramadan praktizieren. Musi hat mich da prima unterstützt.“

Damals spielten klangvolle Namen in Saarbrücken, nicht nur Hadji, 1998 Afrikas Fußballer des Jahres und heute Co-Trainer der marokkanischen Nationalmannschaft. Auch Marc Ziegler, heute Torwartkoordinator beim Deutschen Fußball-Bund, Henrich Bencik, Aimen Demai, Echendu Adiele, Marcel Rozgonyi, Gunther Thiebaut oder Matthias Hagner, Marco Laping und Yilmaz Örtülü zählten zum Stammpersonal. Nicht zu vergessen Faysal El Idrissi, sicher einer der streitbarsten FCS-Profis in diesem Jahrtausend. Keine leichte Aufgabe für Bommer.

Beim „Projekt Dreieich“ ist Trainer-Routinier Bommer, der selbst als Profi 417 Bundesliga-Spiele vorweisen kann, eine der tragenden Säulen. Vor drei Jahren hat er den Club im Tabellenkeller der Hessenliga übernommen, im zweiten Jahr gleich den Titel geholt. „Wir haben den Verein nach oben gezogen. In allen Bereichen, auch der Jugend“, erzählt Bommer: „Aber unser Präsident war der Meinung, dass wir noch nicht reif sind für die Regionalliga.“ In diesem Sommer war es aber dann soweit. „Wir haben einen der kleinsten Etats der Liga. Unser Ziel kann darum nur der Klassenverbleib sein.“

Neben Bommer gibt es bei den Hessen noch zwei weitere Ex-Saarbrücker. Kevin Pezzoni, der unter Milan Sasic den Abstieg aus der 3. Liga nicht verhindern konnte, und Dominic Rau, der beim FCS für diese Saison wegen einer langwierigen Schulterverletzung keine Chance mehr bekam. „Beide sind für uns mit ihrer Erfahrung enorm wichtig“, sagt Bommer: „Dominic ist unser ruhender Pol in der Innenverteidigung und umso wichtiger, weil mit Denis Streker ein anderer wichtiger Spieler mit Kreuzbandanriss ausfällt. Wir haben da halt nicht die Möglichkeiten, die Saarbrücken hat.“

Den 1. FC Saarbrücken hat Bommer noch immer Blick. „Es ist schön, wenn man auf einen seiner Ex-Vereine trifft“, sagt der gebürtige Aschaffenburger: „Ich habe auch die beiden Aufstiegsspiele verfolgt. Saarbrücken ist auch gescheitert, weil sie in der Saison viel öfter an ihre Grenzen gehen mussten als 1860 München. Für mich sind die Regionalligen West und Südwest eindeutig die stärkeren.“

Bommer will mit seiner Truppe in der Liga bleiben. „Diesen Ehrgeiz haben wir“, sagt er vor dem Duell mit dem wiedererstarkten Top-Favoriten auf den Titel: „Wir haben auch schon gegen Ulm und Homburg gezeigt, dass wir dagegenhalten können. Mit unserer Serie zwischendurch konnten wir den letzten Platz verlassen, aber es wird bis zum letzten Spieltag spannend bleiben.“ Und Saarbrücken? Bommer hat eine klare Meinung: „Das ist für mich eine Zweitliga-Mannschaft.“ Wie damals in den 245 Tagen unter seiner Regie. Vermutlich aber weniger zerstritten.

Der erste Arbeitstag in Saarbrücken: Im Victor’s Residenz Hotel stellen der damalige FCS-Sportdirektor Bernd Coen (links) und Pressesprecher Dominique Rossi (rechts) den neuen Trainer vor: Rudi Bommer. Dessen Amtszeit endete nach 245 Tagen kurz vor dem Ende der Saison 2005/2006. Der FCS stieg damals ab.
Der erste Arbeitstag in Saarbrücken: Im Victor’s Residenz Hotel stellen der damalige FCS-Sportdirektor Bernd Coen (links) und Pressesprecher Dominique Rossi (rechts) den neuen Trainer vor: Rudi Bommer. Dessen Amtszeit endete nach 245 Tagen kurz vor dem Ende der Saison 2005/2006. Der FCS stieg damals ab. FOTO: Andreas Schlichter
FCS-Trainer Rudi Bommer kümmert sich um den damaligen Problem-Profi Faysal El Idrissi.
FCS-Trainer Rudi Bommer kümmert sich um den damaligen Problem-Profi Faysal El Idrissi. FOTO: Andreas Schlichter
Mit seinem damaligen Co-Trainer Didier Philippe (links) steht Rudi Bommer noch in Kontakt. Sie telefonieren regelmäßig. Philippe übernahm 2006 nach Bommers Rauswurf, konnte den Abstieg aber nicht verhindern.
Mit seinem damaligen Co-Trainer Didier Philippe (links) steht Rudi Bommer noch in Kontakt. Sie telefonieren regelmäßig. Philippe übernahm 2006 nach Bommers Rauswurf, konnte den Abstieg aber nicht verhindern. FOTO: Andreas Schlichter