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Rosberg zurück im Titel-Kampf

Ein bisschen sieht es so aus, als könne er es selbst nicht glauben: Nico Rosberg feierte gestern in Spa den ersten Sieg nach vier Erfolgen seines Konkurrenten Lewis Hamilton in Folge. Foto: EPA/LECOCQ
Ein bisschen sieht es so aus, als könne er es selbst nicht glauben: Nico Rosberg feierte gestern in Spa den ersten Sieg nach vier Erfolgen seines Konkurrenten Lewis Hamilton in Folge. Foto: EPA/LECOCQ FOTO: EPA/LECOCQ
Spa-Francorchamps. Mit seinem Premieren-Sieg beim Großen Preis von Belgien hat sich Nico Rosberg im Kampf um den WM-Titel zurückgemeldet. Der Mercedes-Pilot gewann gestern ein überaus turbulentes Rennen vor Daniel Ricciardo im Red Bull und seinem Teamkollegen Lewis Hamilton. Walter Koster

Was für ein chaotischer, turbulenter, dramatischer Grand Prix von Belgien! Spannender und aufregender hätte das erste Rennen nach der Sommerpause nicht sein können. Und Nico Rosberg kann doch noch gewinnen. Mit seinem sechsten Saisontriumph hat der Mercedes-Pilot den Rückstand in der Gesamtwertung auf Stallrivale Lewis Hamilton von 19 Punkten auf neun Zähler verkürzt. Hamilton, der Dritter wurde, führt nach dem 13. von 21 Saisonrennen die Zwischenwertung mit 232:223 Punkten vor Rosberg an. Nico Hülkenberg schrammte im Force India als Vierter knapp am Podium vorbei. Ferrari-Pilot Sebastian Vettel kam nach einem Unfall in der ersten Runde nicht über Platz sechs hinaus. Pascal Wehrlein schied nach einem Unfall mit Jenson Button (McLaren) ebenfalls früh aus.


Verstappen sorgt für Ärger



Ausgerechnet der Niederländer Max Verstappen, der gestern 40 000 Landsleute beim mit 84 000 Zuschauern ausverkauftem Rennen in den Ardennen im Schlepptau hatte, war der große Verlierer. Der 18-jährige Red-Bull-Pilot wollte seinen missglückten Start von Platz zwei aus korrigieren und versuchte in der ersten Kurve, sich innen an den beiden Ferraris vorbei zu quetschen. Dabei krachte Vettel (Startplatz vier) in den Wagen seines Teamkollegen Kimi Räikkönen (Startplatz drei) und drehte sich. Alle drei mussten an die Box, um Reparaturen durchführen zu lassen. Räikkönen, der sich erbitterte Duelle mit Verstappen lieferte, wurde am Ende Neunter, Verstappen Elfter. "Sein einziges Interesse besteht darin, mich von der Strecke zu drängen", fluchte der Finne über Verstappens Fahrstil. "Ich gebe nicht so einfach meine Position her. Wenn einem das nicht passt, dann ist das sein Problem", konterte der etwas übermotivierte Draufgänger.

Dramatischer war der Unfall von Kevin Magnussen in Runde sechs: Der Renault des Dänen übersteuerte ausgangs der legendären "Eau Rouge" und krachte in den Reifenstapel. Magnussen, der ohne Hilfe ausstieg, wurde in ein Krankenhaus gebracht, wo sein Sprunggelenk untersucht wurde. Das Rennen wurde für 20 Minuten unterbrochen.

Unbeeindruckt durch Tumulte und Zwischenfälle drehte Rosberg an der Spitze seine Runden. "Auf dieser legendären Strecke zu gewinnen, ist echt cool. Es war nicht das schwierigste Rennen aller Zeiten, ich musste ja nicht gegen Lewis kämpfen,", so Rosbergs Reaktion auf seinen Sieg, der ihm quasi auf dem Silbertablett präsentiert wurde. Ganz emotionslos gratulierte der 20-malige Grand-Prix-Sieger seinem Erzrivalen. "Gratulation an Lewis. Von ganz hinten auf Platz drei, das war beeindruckend", so Rosberg. Der Brite sprach von einem "bemerkenswerten Tag". War Verstappen der große Verlierer, so war Hamilton nach einer furiosen Aufholjagd der große Gewinner. Nach dem Wechsel von Antriebskomponenten und dem Einbau eines Getriebes war er auf Startplatz 21 strafversetzt worden.

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Am Rande Krise? Welche Krise! Kilometerlang stauen sich die Autos vor der Autobahnausfahrt. An den Eingängen zur Strecke warten die Fans in Viererreihen. Die Schlange ist mehr als 100 Meter lang. Zum ersten Mal seit gut einem Jahrzehnt war der Große Preis von Belgien ausverkauft. Von der günstigsten Karte für 29 Euro bis zur teuersten für 4500 Euro - alles weg. Der riesige Andrang, von dem die Verantwortlichen des Hockenheimrings nur träumen können, hat einen Grund: Max Verstappen. Wo einst die roten Kappen der Anhänger von Michael Schumacher zu sehen waren, trifft man nun auf ein Meer von Red-Bull-Mützen. Der 18 Jahre alte Niederländer hat in seiner Heimat und der Region einen nie gekannten Boom ausgelöst. Verstappen ist im belgischen Hasselt geboren - gerade einmal 100 Kilometer von Spa entfernt. dpa