Rola, die Kämpferin

Saarbrücken · Rola El-Halabi wurde am 1. April 2011 von ihrem Vater in der Kabine vor einem WM-Kampf niedergeschossen. Doch die Profiboxerin ist in den Ring zurückgekehrt. Am Samstag tritt sie in der Saarlandhalle an.

Vier Schüsse veränderten das Leben von Rola El-Halabi grundlegend. Sie trafen ihre rechte Hand, ihr linkes Knie und beide Füße. Vier Schüsse, abgegeben von ihrem Vater Hicham El-Halabi. Dieser 1. April 2011, wenige Minuten vor ihrem geplanten WM-Kampf gegen Irma Balijagic-Adler, wird die Profiboxerin ihr Leben lang verfolgen. "Ich war sein Lebenswerk. Als er gemerkt hat, dass ich auch ohne ihn funktioniere, hat er sich gedacht, dann zerstöre ich sie lieber", sagte El-Halabi gestern Abend vor 50 Zuhörern im SZ-Forum. Dort las die 28-Jährige aus ihrem Buch "Stehaufmännchen". In diesem verarbeitet sie das, was ihr vor zweieinhalb Jahren in Ulm geschehen ist - und was sie schlagartig zu einer traurigen Berühmtheit machte.

An diesem Samstag steht El-Halabi wieder im Ring. In der Saarbrücker Saarlandhalle kämpft sie bei der Veranstaltung der Dog Event & Boxing Company gegen Sopio Putkaradze. Es ist die erste Titelverteidigung der Ulmerin. Anfang August hat sie den Gürtel der WBF im Halbweltergewicht erobert. Es war ihr zweiter Kampf nach der Rückkehr ins Profiboxen. Das erste Duell verlor sie unter großem Medieninteresse im Januar dieses Jahres. "Eine Niederlage ist es nur dann, wenn du aufgibst. Nicht, wenn du nach Punkten verlierst", sagt sie während ihrer bewegenden Lesung. Für sie war die Rückkehr schon ein Sieg.

Rola El-Halabi ist eine Kämpferin. Sie will sich nicht vorschreiben lassen, was sie tun soll. Sie will ihr Leben selbst bestimmen. Deshalb lässt sie sich nicht durch das Ereignis im Frühjahr 2011 aus der Bahn werfen. Als sie in ihrem eigenen Blut lag, ihr Vater mit der Pistole vor ihr. Er war ihr Manager, ihr Mentor - bis wenige Monate vor der Tat. Dann trennten sich die Wege auf El-Halabis Wunsch - bis zu diesem 1.April. Sie schildert die bangen Minuten detailliert, scheinbar ohne emotionale Verbundenheit. Sie muss sogar kurz grinsen, als sie berichtet, wie das SEK die Umkleidekabine stürmte, ihren Vater überwältigte und ein Beamter sie fragte, ob sie denn verletzt sei. "Heute kann ich darüber lachen", sagt El-Halabi. Ihr Vater hat eine sechsjährige Haftstrafe für seine Tat bekommen. Verzeihen kann sie ihm nicht. Er hat es nicht geschafft, sie zu brechen.

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