Risiko Vereinsanleihe

Frankfurt. Im Fußball ist alles möglich. Bis zu 6,75 Prozent Rendite zum Beispiel in Zeiten, in denen Verbraucher bei ihrer Bank kaum noch Zinsen für ihr Erspartes bekommen. Ob in Hamburg oder auf Schalke, in Köln oder Kaiserslautern: Fußball-Vereine haben die Anleihe als Finanzierungsmodell entdeckt - und die Fans reißen sich förmlich um die aufwendig gestalteten Wertpapiere

Frankfurt. Im Fußball ist alles möglich. Bis zu 6,75 Prozent Rendite zum Beispiel in Zeiten, in denen Verbraucher bei ihrer Bank kaum noch Zinsen für ihr Erspartes bekommen. Ob in Hamburg oder auf Schalke, in Köln oder Kaiserslautern: Fußball-Vereine haben die Anleihe als Finanzierungsmodell entdeckt - und die Fans reißen sich förmlich um die aufwendig gestalteten Wertpapiere. Fast 80 Millionen Euro sammelten Erst- und Zweitligisten seit 2011 auf diesem Weg ein.Auch der 1. FC Kaiserslautern: "Überwältigend! Sensationell! Die Betze-Anleihe des 1. FC Kaiserslautern kann nach einer Woche eine neue Rekordsumme vermelden: Von den sechs Millionen Euro Gesamt-Volumen der Betze-Anleihe wurden bisher schon mehr als 4,5 Millionen Euro gezeichnet", jubelte der Zweitligist. Das Geld soll in die Jugendabteilung gesteckt werden. Garantierte Verzinsung: fünf Prozent jährlich bei sechseinhalb Jahren Laufzeit. Die Erfahrung des FCK ist keine Ausnahme: Als der Hamburger SV 2012 eine Jubiläumsanleihe ("sechs Prozent für die 23 von Morgen") mit 12,5 Millionen Euro Volumen präsentierte, dauerte es gerade 17 Tage, bis diese ausverkauft war. Die Hamburger legten nach und boten weitere Schuldverschreibungen im Volumen von fünf Millionen Euro an. Der FC Schalke 04 sammelte mit seiner Anleihe ("Das königsblaue Wertpapier") 35 Millionen Euro ein, der 1. FC Köln mit seinem jüngsten Produkt ("Liebe verzinst sich") zehn Millionen. Emotionen über Fananleihen zu Geld zu machen, scheint lukrativ. Marktkenner warnen jedoch: Läuft es auf dem Platz nicht rund, kann das auch für die Anleger Folgen haben.

Was sich viele von ihnen nicht bewusst machen: Im schlimmsten Fall ist ihr Geld futsch. "Fußball-Vereine sind Unternehmen und sie tragen unternehmerische Risiken. Als Gläubiger trägt man diese Risiken mit", erklärt Verbraucherschützer Niels Nauhauser aus Stuttgart. "Man muss das Risiko eines Totalverlusts tragen können und wollen." Bilanzexperte Karlheinz Küting vom Zentrum für Bilanzierung und Prüfung (CBP) an der Universität des Saarlandes gibt zu bedenken, Fan-Anleihen würden "insbesondere in Krisenzeiten eingesetzt, um dem Club Geld zuzuführen, wenn andere Quellen bereits weitestgehend ausgeschöpft sind".

Ein weiteres Problem sei, dass praktisch alle Einnahmen der Vereine vom sportlichen Erfolg abhingen. Anders als bei Industrieunternehmen könnten Ausfälle nicht zwischen verschiedenen Sparten ausgeglichen werden, sagt Küting.

Das Risiko ist real: Als erster Emittent einer Mittelstandsanleihe meldete im März 2012 der Windanlagenbauer Siag Schaaf Insolvenz an. Fan-Anleihen waren davon bislang noch nicht betroffen, obwohl zum Beispiel die Anhänger des nur noch drittklassigen FC Hansa Rostock zwischenzeitlich um ihr Geld zittern mussten - bis die Stadt mit einem Millionen-Hilfspaket die drohende Insolvenz abwendete.

Die Anleihe des 1. FC Kaiserslautern ("Unsere Bank für die Zukunft") soll dem Verein "die notwendigen Mittel geben, um das Nachwuchsleistungszentrum des FCK wieder wettbewerbsfähig aufzustellen", schreibt die Vereinsführung. Wer mehr wissen will, muss 125 Seiten Wertpapierprospekt wälzen. Dort ist unter dem Stichwort Risiken zu lesen, dass der Verein nicht ausschließen könne, "dass die in der Vergangenheit stets angestiegene Popularität des Fußballsports in Deutschland in der Zukunft wieder abnimmt" - schwer vorstellbar zwar, aber eine Gefahr. dpa

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