Ringer Lyzen, Shyyka und Zarcone deutsche Meister im Freistil

Ringer-DM im Freistil : Der Generationenwechsel ist eingeläutet

Dreimal Gold, zweimal Silber und zweimal Bronze für saarländische Ringer bei der DM in Riegelsberg. Letzter Titel für Shyyka.

Am Sonntag um 14.43 Uhr endete ein Stück saarländische Ringkampf-Geschichte. Der 38-jährige Andrij Shyyka vom KSV Köllerbach besiegte den 16 Jahre jüngeren Johann Steinforth (Studenberg) technisch überlegen. Es war der siebte und letzte Titel bei deutschen Einzelmeisterschaften – und es gab stehende Ovationen für den Mann, der die letzte Dekade Freistilringen in seiner Gewichtsklasse in Deutschland mitgeprägt hatte. „Das war sehr emotional, natürlich hatte ich Gänsehaut“, sagte Shyyka, „aber das Leben geht weiter. Jetzt ist die nächste Generation dran.“ In der Bundesliga wird Shyyka weitermachen, als Mitglied des saarländischen Trainerteams wird er seine Erfahrung an den Nachwuchs weitergeben.

In sechs Gewichtsklassen bei den Frauen und zehn bei den Herren wurden an diesem Wochenende in insgesamt 195 Kämpfen die deutschen Meister im Freistil-Ringen ermittelt. Während die jungen Damen des Saarländischen Ringerverbandes (SRV) „noch Lehrgeld zahlen mussten, aber auf einem guten Weg sind“, wie Landestrainer Ramiz Karmadja sagte, schafften neben Shyyka gleich vier weitere Herren den Sprung in die Finals. Dabei wurde die Klasse bis 65 Kilo zur „Landesmeisterschaft“: Nico Zarcone (KV Riegelsberg) traf in der Wiederauflage des Vorjahresfinals der Klasse bis 61 Kilo auf Valentin Seimetz (KSV Köllerbach). In der letzten Minute stand es 2:2 zwischen den beiden, die in der letzten Bundesliga-Saison noch Teamkollegen waren. Dann versuchte der Köllerbacher einen Beinangriff, Zarcone konterte und holte die Zähler zum 4:2. „Es war die Revanche fürs Vorjahr – die Anspannung vor den eigenen Zuschauern war enorm“, sagte Zarcone ebenso glücklich wie Seimetz enttäuscht: „Diesmal hat ein bisschen was gefehlt.“

Zuvor war es in der Klasse bis 97 Kilo zum Spitzenduell zwischen den Nationalmannschaftskollegen Gennadij Cudinovic (AC Heusweiler) und Erik Thiele (KV Mansfelder Land). Einmal mehr war Thiele vielleicht nicht der technisch bessere, aber der taktisch clevere Ringer, konnte sich wegen zwei Passivitätswertungen mit 2:0 gegen den Saarländer durchsetzen. „Ich war platt“, sagte Cudinovic, der sich souverän ins Finale kämpfte, dann aber „nicht mehr genügend Körner hatte“.

Den ersten Titel für den SRV hatte Viktor Lyzen in der Klasse bis 63 Kilo geholt. Der Köllerbacher hatte mit Purya Jamali Esmaeili-Kandi (Aachen) wenig Probleme, führte schon zur Pause mit 5:1 und siegte nach sechs Minuten klar mit 14:3. „Ich würde mir eine Drei minus geben“, sagte Lyzen selbstkritisch, „ich bin nach meinem Kreuzbandriss noch nicht dort, wo ich hin will.“

Die Fortschritte sind aber allenthalben sichtbar. „Ich habe bei diesen Titelkämpfen vor allem eine gute Entwicklung gesehen“, sagte Jannis Zamanduridis, der Sportdirektor des Deutschen Ringer-Bundes (DRB), „in einigen Gewichtsklassen steht ein Wachwechsel bevor.“

„Es war eine toll organisierte Meisterschaft“, lobte DRB-Präsident Manfred Werner die Ausrichter vom KV Riegelsberg. „Wir hatten fast 1000 Besucher aus ganz Deutschland“, war auch KVR-Vorstand Peter Schiffer hoch zufrieden, „ich denke, wir haben eine gute Visitenkarte für das Ringen im Saarland abgegeben.“ Mit sieben Medaillen – Simon Monz und Kai Burkon (beide Riegelsberg) holten Bronze – landeten die Saarländer in der Länderwertung hinter Bayern auf Rang zwei.

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