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Playoffs im Ringen laufen
Ringer-Leben auf der Überholspur

Viktor Lyzen ist fokussiert: Im Achtelfinal-Rückkampf gegen Lübtheen will er sich für den Hinkampf rehabilitieren. Da hatte er Übergewicht.
Viktor Lyzen ist fokussiert: Im Achtelfinal-Rückkampf gegen Lübtheen will er sich für den Hinkampf rehabilitieren. Da hatte er Übergewicht. FOTO: Andreas Schlichter
Köllerbach. Viktor Lyzen will mit dem KSV Köllerbach Meister werden. Der Achtelfinal-Rückkampf steht an. Patric Cordier

Zeit zum Durchschnaufen? Fehlanzeige. Das Jahr 2017 ist für Viktor Lyzen eine einzige Fahrt auf der Überholspur. Im Sommer wurde der Ringer des KSV Köllerbach erst Saarland- und dann deutscher Meister. Vor ein paar Wochen startete er bei der U23-WM. Mit dem Verein marschierte er locker durch die Bundesliga. Der KSV blieb unbesiegt, Lyzen musste ausgerechnet gegen den Ex-Köllerbacher Andrei Dukov (jetzt Merken) einen Kampf abgeben. „Der ist internationale Klasse und ein erfahrener Ringer“, sagt der Freistil-Spezialist, der für ein Leichtgewicht mit 1,72 Metern recht groß ist: „Das ist schon ein Vorteil, weil ich mit den langen Armen schnell am Bein oder Fußgelenk bin. Beim Gewichtmachen ist es manchmal ein Problem.“


Wie am vergangenen Samstag, als Lyzen beim Achtelfinal-Hinkampf gegen Lübtheen (18:12) zu schwer auf die Waage ging und den Kampf damit vorzeitig verloren hatte. Die Gründe für das Übergewicht: Das Leben hatte noch mal richtig aufs Gaspedal gedrückt. „Ich kam von der WM, musste dann nach Schifferstadt zur Bundeswehr, weil ich zum Obergefreiten befördert wurde“, erzählt Lyzen, der in der Ukraine nahe Lemberg geboren wurde: „Da blieb kaum Zeit, sich richtig vorzubereiten.“

Seit Sommer gehört der Köllerbacher zur Sportfördergruppe der Bundeswehr, hat aber auch ein Zimmer an der Sportschule im Saarbrücker Stadtwald. „Für mich gab es nur die Alternative: Studieren oder Bundeswehr“, sagt der Köllerbacher: „Und weil mir lernen und trainieren schon während des Abiturs schwer gefallen ist, bin ich zum Heer.“

Mit dem Ringen begonnen hat Lyzen mit vier Jahren in Mainz. Dort – und beim KSV – kämpfte Papa Lyzen in der Bundesliga. „Mit 15 kam die Anfrage des Bundestrainers, ob ich ins Sportinternat nach Freiburg gehen wollte“, erzählt Viktor junior über seine Karriere: „Dort war ich drei Jahre.“ In Freiburg hat er auch Freundin Elena kennengelernt, ebenfalls eine Ringerin.

„Ich bin nicht so der Typ für Diskos oder Clubs. Ich spaziere ganz gerne durch die Stadt. Mir ist es ganz wichtig, dass ich vorm Training oder dem Kampf meine Ruhe habe“, erzählt er. Doch dafür war diese Woche schon wieder keine Zeit. Am Mittwoch wurde Viktor 21, am Donnerstag stand der Interviewtermin mit der SZ und im Anschluss die praktische Fahrprüfung an. An diesem Samstag ist der Rückkampf gegen Lübtheen (19.30 Uhr, Kyllberghalle). „Ich will immer gewinnen, wenn ich auf die Matte gehe. Und eigentlich will ich immer klar gewinnen“, sagt Lyzen, dessen nächste Ziele schon feststehen: „Im nächsten Jahr stehen die U23-Europameisterschaften an. Vorher will ich gerne mit dem KSV deutscher Meister werden.“



Seine ersten Kämpfe im Herrenbereich hat Lyzen beim TV Triberg in der 2. Bundesliga bestritten. Genau dorthin – nämlich nach Triberg – muss der ASV Hüttigweiler an diesem Samstag. Nach der 14:15-Niederlage im Hinkampf rechnen sich die Saarländer noch Chancen aus. „Wir stehen stärker als im Hinkampf“, sagt ASV-Trainer Christoph Gall: „Wir werden Gas geben, am Schluss wird abgerechnet.“