Ringer kämpfen um zukunftsfähige Struktur

Ringen : Ringen um eine zukunftsfähige Struktur

Die Bundesliga bringt den Saarvereinen viele Derbys, ist aber sportlich uninteressant. Die Wiedereinführung der 2. Liga ist ein Thema.

Die Ringer-Bundesliga steckt gerade in einer zweiwöchigen Pause, viele Sportler sind international unterwegs. Gennadij Cudinovic und Nico Zarcone (beide AC Heusweiler) starten etwa bei einem internationalen Turnier in Nefteyugansk (Russland), Cudinovic stand am Ende ganz oben auf dem Treppchen. Viktor Lyzen (KSV Köllerbach) ist bei der U23-WM in Budapest (Ungarn) dabei.

Doch auch die Funktionäre sind umtriebig. Bei einer Sitzung am Rande des Deutschen Ringertages in Bad Mergentheim wurde jetzt die Zukunft der olympischen Sportart besprochen – hauptsächlich die des Mannschafts-Ringens. Dabei soll der Willen etlicher Vereine nach Wiedereinführung einer 2. Bundesliga umgesetzt werden. 2021 könnte es soweit sein. Wie genau, das ist noch offen.

Nach einer Idee des Köllerbacher Vorsitzenden Hilmar Rehlinger gibt es fortan eine zweigeteilte Bundesliga und darunter eine ebenfalls zweigeteilte 2. Liga, wobei in allen Gruppen sieben Vereine an den Start gehen sollen. „Die Fahrten blieben relativ kurz, die Kräfteverhältnisse wären ausgeglichener. Mit einer gleichzeitigen Anpassung der Regional- und Oberligen durch die Landesverbände wäre auch ein Auf- und Abstieg geregelt“, erläutert Rehlinger. Variante zwei sieht eine Bundesliga mit neun Clubs vor und darunter zwei 2. Ligen mit jeweils acht Clubs. „Mir ist die Ligenstruktur im Grunde genommen egal, mein einziger Wunsch ist: Sie muss funktionieren“, sagt Günter Maienschein, der Vizepräsident Sport des Deutschen Ringerbundes (DRB).

Noch vor zehn Jahren gab es 20 Erst- und 30 Zweitligisten. Aktuell kämpfen nur noch 23 Mannschaften – darunter die Saarclubs Köllerbach, Heusweiler, ASV Hüttigweiler und KV Riegelsberg – in drei Bundesliga-Staffeln, eine 2. Liga gibt es nicht mehr. Allerdings sind die Leistungsunterschiede in den Bundesliga-Staffeln gewaltig.

In den Ober- und Regionalligen gibt es jedoch einige Vereine, die auf diesem Niveau durchaus mithalten könnten, den Schritt in die Bundesliga aber scheuen. „Ich sehe keinen Vorteil in der Einführung der 2. Liga, das jetzige System hat sich bewährt“, kontert Bernd Weiland, Vorsitzender des AC Heusweiler: „Die Ideen sind nicht neu und schon zuvor gescheitert. Die Unterschiede auch bei den finanziellen Möglichkeiten der Vereine werden doch mit einer 2. Liga nicht kleiner.“ Die Saarvereine würden dagegen vom vermehrten öffentlichen Interesse an der jetzigen Bundesliga profitieren.

„Wir gehören sicher nicht zu den besten Vereinen Deutschlands. Und obwohl wir uns annähern, gehören wir eigentlich in die 2. Liga“, sagt dagegen Edgar Paulus, der sportliche Leiter in Riegelsberg: „Wir sehen uns als Ausbildungsverein. Eine Elite-Bundesliga mit zwei 2. Ligen könnten wir mittragen. Das Ringen braucht den Mittelbau.“ Paulus fordert eine finanzielle Unterstützung seitens des Verbandes für Vereine mit aktiver Jugendarbeit – in Anlehnung an die Nachwuchsleistungszentren im Fußball.

Nachwuchsarbeit wichtig nimmt man auch in Hüttigweiler. „Wir fühlen uns wohl in der Liga, zumal wir einigermaßen mithalten“, sagt ASV-Vorsitzender Frank Reinshagen: „Für uns sind die Derbys ganz wichtig, darum werden wir uns mit den Nachbarn vor allem aus Riegelsberg und Heusweiler noch mal abstimmen. Es macht keinen Sinn, in einer 1. Liga das Fallobst zu sein.“

Kein Fallobst ist der sechsfache deutsche Meister aus Köllerbach. Im Gegenteil. In der Staffel Südwest hat er vor Beginn der Playoffs eigentlich nur die beiden Kämpfe gegen den TuS Adelhausen, die sportlich relevant sind. „Eine eingleisige Bundesliga hatten wir vor fünf Jahren. Sie hat sich nicht bewährt“, sagt Vereins-Chef Rehlinger und bekennt: „Köllerbach kann im derzeitigen System nicht mehr lange überleben, zumal Zuschüsse für den Leistungssport radikal gekürzt wurden.“

Am 1. Dezember findet in Würzburg die Bundesliga-Tagung statt. Dort wird weiterdiskutiert. Die sportliche Entwicklung im DRB sei trotz der Strukturdebatte positiv. „In Westeuropa haben wir eine gewisse Vormachtstellung erkämpft, gehören dort zu den erfolgreichsten Verbänden. Aber wir haben auch schon mehrere osteuropäische Nationen hinter uns gelassen, in denen der Ringkampf zum Nationalsport gehört“, betont DRB-Präsident Manfred Werner. 25 internationale Meisterschafts-Medaillen haben deutsche Ringerinnen und Ringer in diesem Jahr bislang erkämpft, und die Weltmeisterschaft der Altersklasse U23 beginnt erst.

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