Ringer des KSV Köllerbach im Finale um die deutsche Meisterschaft

Kostenpflichtiger Inhalt: KSV Köllerbach im DM-Finale : Shyyka bringt den Sieg über die Ziellinie

39-jähriger Altmeister gewinnt entscheidenden Kampf und führt den Ringer-Bundesligisten KSV Köllerbach ins Finale.

Samstag, 21.31 Uhr. In der übervollen Carl-Zuckmayer-Halle in Nackenheim ertönt zum letzten Mal an diesem Abend die Ringglocke. Ihr Ton geht im Jubel von über 300 Kehlen der Fans des KSV Köllerbach unter. Andrij Shyyka reißt auf der Matte die Arme nach oben und ist Sekunden später unter der Traube seiner Mannschaftskollegen begraben. Der 39-Jährige hat im letzten Kampf des Abends Osman Kubilay Cakici mit 12:5 besiegt und den KSV damit in die Finalkämpfe um die deutsche Ringer-Meisterschaft geführt. „Das sind die Momente, für die man das alles macht“, sagt Shyyka, „aber auch ich habe zwischendurch gezweifelt – vielleicht eine Millisekunde.“

Sieben Minuten zuvor war die Entscheidung, wer neben Titelverteidiger Wacker Burghausen im Finale steht, noch nicht gefallen. Die Saarländer führten zwar nach dem Schultersieg von Kapitän Timo Badusch über Islam Cakici (Klasse bis 75 Kilo griechisch-römisch) mit 14:12, bei einer Niederlage von Shyyka wäre der Köllerbacher Finaltraum wegen der 13:14-Pleite im Hinkampf ausgeträumt gewesen.

Cakici, den sie in Nackenheim „Kubi“ rufen, begann clever, konterte einen Überwurf-Versuch Shyykas in Bodenlage und führte nach zweieinhalb Minuten mit 3:0. Doch keine zehn Sekunden später erhellten sich die besorgten Mienen des Köllerbacher Anhangs wieder. Shyyka gelangte in die Oberlage, holte mit einer Beinschraube zwei weitere Zähler und führte so zur Pause 4:3. „Unser Ass hat dann einfach gestochen“, sagte Köllerbachs Mannschaftsverantwortlicher Thomas Geid, der noch lange nach dem Kampf mit den Freudentränen kämpfte. Denn es blieb dramatisch. Cakici schaffte eine Wertung, erneut wechselte die Führung. 110 Sekunden vor Schluss kam Shyyka nach intensivem Bodenkampf in die Oberlage, durch eine weitere technische Wertung und zwei Beinschrauben sorgte der deutsche Einzelmeister in der Gewichtsklasse bis 75 Kilo Freistil für die Entscheidung. „Beide sind ein unglaubliches Tempo gegangen. Ich habe mir eine Minute vor Schluss Andrij angeschaut und dachte: Er wirkt müde“, gestand Mannschaftskapitän Badusch, „dann habe ich mir seinen Gegner angeschaut. Der war völlig fertig. Da wusste ich, dass wir es schaffen.“

Shyyka brachte den Erfolg, den am Samstag die gesamte Mannschaft erkämpft hat, über die Ziellinie. „Wir konnten wirklich alle Schlüsselkämpfe in unserem Sinne gestalten“, sagte Geid. Wie den in der Klasse bis 66 Kilo Greco, wo Etienne Kinsinger trotz Trainingsrückstands wegen Erkältung den starken Ruslan Kudrinets mit 3:0 besiegen konnte. Ganz wichtig war auch der 5:3-Sieg von Piotr Ianulov gegen Ahmed Dudarov in der Klasse bis 86 Kilo Freistil. Und auch Niederlagen können im Mannschaftsringen Erfolge sein. Mit dem 0:3 gegen den deutschen Weltklasse-Athleten Denis Kudla gab Köllerbachs Tarek Mohamed Abdeslam nur zwei Mannschaftspunkte ab. „Die letzte Passivitätswertung war nicht in Ordnung“, ärgerte sich der Köllerbacher Bulgare mit ägyptischen Wurzeln, „ich war in dem Moment in der Aktion. Das war nicht korrekt.“

Erwartungsgemäß schafften die Freistiler Mihail Sava (71 Kilo) und Oleksandr „Sascha“ Khtsianivski (130 Kilo) klare Siege für den KSV. Sava brauchte 3:56 Minuten für den Erfolg gegen Ahmet Cakici, der vier Mannschaftspunkte brachte. Sascha holte drei Zähler beim 8:0 über Robin Ferdinand. Der Ukrainer war erst am Freitag von einem internationalen Turnier in Rom angereist.

Köllerbachs Kapitän Timo Badusch bringt hier seinen Gegner Islam Cakici in die gefährliche Lage und zwingt ihn anschließend auf die Schultern. Foto: Andreas Schlichter

Schwer wird es nun am kommenden Samstag in der Hermann-Neuberger-Halle in Völklingen im ersten Finalkampf gegen Wacker Burghausen, das sich mit 20:8 klar gegen den ASV Mainz durchsetzen konnte. „Ich erinnere mich an das Finale gegen Luckenwalde“, macht Timo Badusch seiner Mannschaft und den Fans Mut, „da waren wir auf dem Papier auch krasser Außenseiter. Wir haben trotzdem gewonnen. Diese Mentalität spüre ich auch in dieser Mannschaft.“