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Ringer-Bundesligist KV Riegelsberg erhält Hermann-Neuberger-Preis

Kostenpflichtiger Inhalt: Ausgezeichnete Nachwuchsarbeit : Alle Kraft kommt aus der Jugendarbeit

Der Ringer-Bundesligist KV Riegelsberg freut sich über den Gewinn des Hermann-Neuberger-Preises – und hofft auf baldiges Training.

Die Gefühlswelt beim Ringer-Bundesligisten KV Riegelsberg ist dieser Tage schwer zu beschreiben, bewegt sie sich doch irgendwo zwischen Bangen, Hoffen und Freuen. Denn einerseits steht die Trainingshalle in der Riegelsberger Lindenschule wegen der Corona-Krise seit Wochen leer, andererseits wurde der Verein gerade mit dem Hermann-Neuberger-Preis für herausragende Jugendarbeit ausgezeichnet. „Natürlich habe ich gejubelt, als der Anruf kam und ich erfuhr, dass wir gewonnen haben“, erzählt Patrick Haffner, Trainer der zweiten und dritten Mannschaft: „Aber wir hätten doch viel lieber mit denen gefeiert, denen der Preis gilt: unseren vielen Nachwuchssportlerinnen und -sportlern und der ganzen Vereinsfamilie. Aber das geht ja derzeit leider nicht.“

Über 400 Mitglieder hat der KV Riegelsberg aktuell, mehr als ein Viertel davon sind Kinder und Jugendliche. „Es ist schön und wichtig, dass unsere erste Mannschaft in der Bundesliga ringt. Schließlich geben wir den Kindern damit auch eine sportliche Perspektive. Aber das Herzstück ist und bleibt die Jugendarbeit. Sie ist die Basis von allem. Uns liegen alle am Herzen, die hochtalentierten genauso wie die mit dem breitensportlichen Ansatz“, sagt Haffner. Über den Schreibtisch des 32-jährigen Betriebswirts, den alle „Haffi“ nennen, lief nahezu die gesamte Bewerbung für den Hermann-Neuberger-Preis – tagelange Detailarbeit zur Darstellung der vielschichtigen Vereinsarbeit.

Um Kinder für die Sportart zu begeistern, kooperieren die Riegelsberger seit Jahren mit verschiedenen Schulen. Im Grundschulbereich sind das die Linden- und Ellerschule sowie die Grundschule Pflugscheid, bei den weiterführenden Schulen ist die Leonardo-Da-Vinci-Gemeinschaftsschule Partner, darüber hinaus die Förderschulen Von der Heydt und Ritterstraße. „In der Jugendarbeit stehen immer mehr auch Themen wie Inklusion, Integration und Teilhabe im Fokus“, erklärt Haffner und ergänzt: „Für uns ganz wichtig ist die Nachhaltigkeit. Unser Konzept der Talentförderung erfüllt diesen Anspruch. 59 Medaillen haben unsere Sportler im vergangenen Jahr bei den Landes-, neun bei den deutschen Meisterschaften gewonnen. Davon drei goldene. In der Mannschaft wurde unser Jugendteam Zweiter – mit einer Truppe, die im Kern schon 2016 Rang drei bei den Schülern belegen konnte.“

Auch bei den diesjährigen Nachwuchs-Titelkämpfen hätte der KV Riegelsberg zum Favoritenkreis gezählt. Mit Nico Zarcone haben die Riegelsberger ein Talent ausgebildet, das sowohl deutscher als auch italienischer Meister werden konnte. Mit Simon Monz (Dritter bei der EM 2018), Lukas Rosport oder Paul Riemer ist bereits die nächste Generation in der Bundesliga angekommen und hat darüber hinaus auch international Erfahrung gesammelt.

Seit über 30 Jahren veranstaltet der Verein jährlich eine Ferienfreizeit im Schwarzwald – eine Tradition wie das „Lampenfest“, die in diesem Jahr ausfallen muss. Ein Schlag für das Gemeinschaftsgefühl im Verein und für die Kasse. Die Kontaktbeschränkungen treffen Kontaktsportarten wie das Ringen somit praktisch doppelt. „Selbstverständlich muss man aufpassen, dass uns Kinder und Jugendliche nicht von anderen Sportarten abgeworben werden, die ihren Trainingsbetrieb schon wieder aufnehmen können“, sagt Edgar Paulus, der sportliche Leiter des KV Riegelsberg, nicht ohne Sorge: „Wir betreiben aktuell einen sehr hohen Aufwand, um unsere Athleten mit individuellen Trainingsplänen zu versorgen.“

Dies ist der erste Schritt in einem sechsstufigen Programm des Deutschen Ringerbundes, mit dem die Rückkehr in den Wettkampfbetrieb gelingen soll. „Wenn in einem weiteren Schritt das Training in Kleingruppen unter größtmöglicher Beachtung der Hygieneregeln wieder möglich ist, werden wir beispielsweise vor jeder Einheit dreiseitige Fragebögen ausfüllen lassen, damit alles nachvollziehbar ist“, sagt Paulus und erklärt: „Der Start der Bundesliga wurde in den Oktober verschoben, auch hier müssen die Vereine Konzepte ausarbeiten. Wir setzen unsere gesamte Energie daran, dass wir unseren Sport möglichst bald und für alle möglichst sicher wieder ausüben können.“

Eine Absage der Runde im Aktiven- und Jugendbereich wäre ein Tiefschlag für die Randsportart, die nach wie vor olympisch ist und die vielerorts jeden Cent einzeln umdrehen muss. Die 7500 Euro Preisgeld des Hermann-Neuberger-Preises sind beim KV Riegelsberg dabei aber klar zweckgebunden. „Wir werden das Geld in unsere Nachwuchsarbeit stecken“, betonen Haffner und Paulus gleichermaßen: „Das ist unsere Vereinsphilosophie. Davon werden wir nicht abrücken.“