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„Richard hat Außerordentliches geleistet“

„Richard hat Außerordentliches geleistet“

Der Erfolg vor Gericht hat sich verbreitet wie ein Lauffeuer und sorgt bei der HG Saarlouis für große Erleichterung – und zugleich für große Vorfreude auf die kommende Saison in der 2. Handball-Bundesliga. Die Planungen laufen nun auf Hochtouren.

Goran Suton war vorgestern eine gewisse Zeit lang telefonisch nicht zu erreichen. "Ich hatte in den letzten Tagen so viel innerlichen Stress, dass ich einfach joggen gehen musste, um einen Ausgleich zu finden", erklärt der Trainer des Handball-Zweitligisten HG Saarlouis . Zeitnah erfuhr Suton am Montag von der vorläufigen Entscheidung des Dortmunder Landgerichts, wonach der HG Saarlouis ein Startrecht für die 2. Bundesliga gewährt werden muss. Dass die Handball-Bundesliga (HBL) von ihrem Einspruchsrecht Gebrauch macht, wird nicht erwartet.

"Kein Mitleid mit HSV"

"Goran hat die Nachricht gleich an alle verschickt", verrät Darius Jonczyk. Den HG-Torwart erreichte die frohe Kunde daheim, wo er sich um die vor fünf Wochen geborenen Zwillinge Jonas und David kümmert. "Der Abstieg war nun mal das sportliche Ergebnis, und das hätten wir auch angenommen. Aber das, was alles in den letzten Wochen lief, ist unzumutbar", sagt er und begründet dies mit der Unklarheit in Sachen Verträge: "Bartosz Janiszewski und Nikolaos Riganas hätten am ersten Tag der neuen Saison eventuell erfahren, dass sie arbeitslos sind. Das wäre eine Katastrophe. Von daher bin ich froh, dass eine Lösung gefunden wurde." Den Spielern des Erstligisten HSV Hamburg , dessen doppelter Lizenzentzug und die nachträgliche Lizenzerteilung durch das Schiedsgericht den Leidensweg der HG Saarlouis bestimmt hat, wünscht Jonczyk "nichts Böses": "Aber man kann nicht einfach mit Geld arbeiten und sich mit etwas brüsten, das man nicht hat." Auch Goran Suton empfindet "kein Mitleid mit Vereinen wie dem HSV. Wir hätten auch Schulden machen können und sportlich in der Liga bleiben können. Jede absichtliche Verschuldung ist für mich schlicht und einfach Wettbewerbsverzerrung", sagt er.

"Das war schon vogelwild", meint Jonas Faulenbach. Er hatte sich schon früh auf einen Wechsel vom TV Hüttenberg nach Saarlouis festgelegt - hatte allerdings nur einen Vertrag für die 2. Liga. "Ich war schon ganz schön geschockt", erinnert sich der 24-Jährige an den Moment, als er vom Urteil des Schiedsgerichts erfuhr. Seine Freundin hatte ihm schon einen gemütlichen Überraschungs-Abend organisiert, um sich von den engsten Freunden vor der Abreise nach Saarlouis zu verabschieden. "Das war schon nervenaufreibend. Ich freue mich jetzt einfach wahnsinnig auf die neue Saison in Saarlouis ", sagt er abschließend.

"Schade, dass es für das abgenutzte Wort ,Manager ' in der deutschen Sprache kein eigenes Wort gibt. Wenn es das gäbe, würde ich dieses Wort gerne Richard widmen", lobt Trainer Suton den HG-Vorsitzenden Richard Jungmann in höchsten Tönen: "Er hat in den letzten Tagen alle seine Manager-Qualitäten gezeigt. Das war mit viel Arbeit, wenig Schlaf und trotzdem sehr hoher Konzentration verbunden, und da hat er Außerordentliches geleistet. Ich bin sehr froh, mit so einem Mann zusammenzuarbeiten."

Drei Neue kommen noch

Diese Zusammenarbeit muss auch mit Blick auf die sportliche Leistungsfähigkeit in der kommenden Zweitliga-Saison gut funktionieren. Schließlich wird der Ligaverbleib auch in der neuen Runde eine sehr große Herausforderung sein. "Es wird so oder so wieder sehr spannend", meint Suton: "Es kommt auch darauf an, ob die Neuen unsere Erwartungen erfüllen und wie lange sie dafür brauchen." Drei Verpflichtungen sollen bis Ende kommender Woche über die Bühne gehen - Namen wollten Suton nicht nennen. Mit dem Rest der Mannschaft müssen die Neuen es fertig bringen, mit Tim Suton (wechselt zu Bundesligist Rhein Neckar Löwen) den torgefährlichsten Zweitliga-Spieler der Vorsaison und mit Danijel Grgic (Karriereende) den personifizierten Kopf der Mannschaft seit 2006 halbwegs zu ersetzen. Zudem wird Lars Weissgerber wohl einen Teil der Vorbereitung wegen seiner Teilnahme an der Jugend-Europameisterschaft verpassen.

Zum Thema:

Auf einen BlickDer HSV Hamburg bleibt Erstligist. Der Club erfüllte Auflagen des unabhängigen Schiedsgerichts der Handball-Bundesliga und erhält die Lizenz für kommende Saison. Er hat gestern fristgerecht die geforderten Mittel in Höhe von gut fünf Millionen Euro nachgewiesen. Das entschied der Lizenzierungsausschuss der Liga. Vergangene Woche hatte das Schiedsgericht dem finanziell angeschlagenen Club die Lizenz in dritter und letzter Instanz unter Auflagen erteilt. "Die unabhängige Lizenzierungskommission der Handball-Bundesliga hat heute entschieden, dass der HSV die Bedingung nach Vorgabe des Schiedsgerichtes fristgerecht am heutigen Tag um 16.56 Uhr durch entsprechende Nachweise erfüllt hat", teilte die Liga gestern mit. sid