Respektiert, aber nicht geliebt

Respektiert, aber nicht geliebt

Er ist in Polen geboren und stürmt für Deutschland. Miroslav Klose, der am Samstag beim EM-Auftakt der Deutschen gegen Portugal 34 Jahre alt wird, steht im EM-Gastgeberland besonders im Fokus.

Danzig. Drei Tage vor dem Beginn der Fußball-Europameisterschaft geht Miroslav Klose vorsichtig mit sich und seiner polnischen Vergangenheit um. Dass ihm Spannungen mit seinem Geburtsland nachgesagt wurden, hat den deutschen Nationalstürmer sehr irritiert. Deswegen musste er am Tag nach dem Bezug des Mannschaftshotels "Dwor Oliwski" durch die deutsche Nationalmannschaft erst einmal Klarheit schaffen. "Es sind ein paar Zitate aufgetaucht, die mein Vater und meine Mutter nie gesagt haben. Das ist ein Missverständnis", sagte Klose am Dienstag. "Ich habe mich genauso wie Lukas Podolski immer zu Polen bekannt. Ich liebe dieses Land genauso wie Deutschland. Ein Großteil meiner Familie kommt hierher, meine Freunde kommen hierher. Deswegen war es für mich nie eine Frage, Polen abzustoßen", sagte Klose.Hartnäckig hatten sich die Berichte gehalten, dass Klose - im Gegensatz zum polnischen Liebling Lukas Podolski - von seinen ehemaligen Landsleuten abgelehnt wird. Aufgekommen war dies beim Test-Länderspiel zwischen Deutschland und Polen (2:2) im September, als Podolski in Danzig gefeiert und Klose ausgepfiffen wurde. Die Pfiffe polnischer Fans hätten ihn tief getroffen. Das gab Klose, der am Samstag, seinem 34. Geburtstag, im ersten EM-Gruppenspiel in Lemberg gegen Portugal sein 117. Länderspiel bestreiten wird, zu. In den polnischen Zeitungen war damals kolportiert worden, dass Klose der Kontakt in sein Geburtsland nicht mehr wichtig sei. "Die Leute dachten offenbar, dass ich mich nur als Deutscher fühle und mit Polen nichts zu tun haben will. Das stimmt nicht", sagte Klose.

Tatsache ist, dass er viel seltener nach Polen reist als Podolski, der mindestens einmal im Jahr nach Oberschlesien kommt. Am 9. Juni 1978 wurde Klose in Oppeln geboren. Mit vier Jahren kam er mit seinen Eltern, zwei ehemaligen Spitzensportlern, in die Westpfalz. Er lernte Zimmermann, sein Aufstieg vom Amateur-Fußballer beim FC Homburg zu einem internationalen Topstar, der im Ausland eine noch höhere Wertschätzung als in Deutschland genießt, war atemberaubend. Auch die Polen waren stolz, als Klose als "Spätstarter" mit 24 Jahren plötzlich 2002 mit Deutschland zum WM-Star wurde. Doch das Verhältnis kühlte nach und nach ab.

Den Empfang beim Show-Training am Montag in Danzig empfand Klose als "sehr freundlich". Von Ressentiments war tatsächlich nichts spürbar. An die Popularität von Podolski, der angekündigt hat, irgendwann seine Karriere bei seinem Lieblingsclub Gornik Zabrze in Polen ausklingen zu lassen, wird der zweitbeste deutsche Nationalstürmer der Geschichte aber wohl nie herankommen. dapd