Rennrad-Touren im Saarland: das Saarlandschwein

Rennrad-Touren : Der krönende Abschluss

Bei einem Dutzend Radtouren haben wir in den vergangenen Wochen das Saarland abgeklappert. Nun gehen wir an unsere Grenzen. Und das im wahrsten Sinne des Wortes.

Okay, wir geben es ja zu: Unsere bisherigen Touren waren eigentlich nur zum Warmfahren. Training für den krönenden Abschluss, das große Finale. Und dafür gehen wir jetzt im wahrsten Sinne des Wortes an die Grenzen.

Rennradtour_13-Saarland-Schwein. Foto: SZ/Steffen, Michael
Saar nur: In Mettlach geht es über die Alte Brücke. Foto: Peter Kerkrath

Über 300 Kilometer und mehr als 3500 Höhenmeter an einem einzigen Tag auf dem Rad zu bewältigen, mag für etliche Zeitgenossen unvorstellbar sein. Außergewöhnlich ist es aber nicht, wie viele Rad-Marathons und Langstrecken-Fahrten in Deutschland und darüber hinaus beweisen.

Scheiden: der höchste Ort des Saarlandes ist erreicht. Foto: Künkeler

Berühmtes Vorbild ist die Vätternrunda mit ebenfalls rund 300 Kilometern in Südschweden, an der jährlich rund 18 000 Radfahrer teilnehmen. Genauso lang, aber mit nicht ganz so vielen Teilnehmern, ist die Mecklenburger Seen-Runde. Seit 2014 mit rund 3000 Radsportlern eines der größten Jedermann-Rennen in Deutschland.

Idyllisch: Der keltische Ringwall bei Otzenhausen mit dem Nonnweiler Stausee. Foto: Bonenberger & Klos/B&K

Sebastian Giffhorn, der Breitensport-Fachwart des RSC Überherrn, ist 2014 seine ersten lMarathons gefahren. Dabei kam ihm die Idee, das Saarland mit dem Rennrad zu umrunden. Und anstatt im Jahr darauf mit den Radkollegen von Sölden aus den „Ötztal-Marathon“ zu fahren, entwickelte er das Saarlandschwein. Der zunächst merkwürdig anmutende Name ist schnell erklärt, da die Grenzen des Saarlandes an die Form eines Sparschweines erinnern – und ja, den inneren Schweinehund muss man auch noch überwinden.

Das Jagdschloss Karlsbrunn und sein Garten sind uns einen kurzen Extra-Stopp wert. Foto: rup/Rolf Ruppenthal

Allerdings: Gott hat die Welt auch nicht an einem Tag erschaffen. Und die Tour muss man auch nicht unbedingt an einem Tag fahren, sie bietet sich auch als zwei- oder drei-tägige Etappenfahrt an.

Starten kann man natürlich in jeder Ecke des Saarlandes, wir folgen jedoch der Original-Route mit Start in Altforweiler. Von dort geht es über Bisten gleich in den ersten heftigen Anstieg nach Berus. Dann wieder rasant runter ins Ihner Tal, bevor wir aus dem Niedtal wieder strampeln müssen, hoch zum Saargau. Wir folgen nun der SZ-Tour Nummer 1 über den Gau bis Silwingen, wo wir links abbiegen nach Büdingen.

Der Saargau geht nun über in den Mosel-Gau, kurz vor Perl beginnt die rasante Abfahrt runter an die Mosel, die hier im Dreiländereck die Grenze zwischen Deutschland, Luxemburg sowie Frankreich bildet. Knapp zehn Kilometer flach am Fluss entlang, folgt dann wieder der Anstieg durch die Weinberge: über 200 Höhenmeter sammeln wir auf acht Kilometern. Dann ist bei Kilometer 80 schon Freudenburg erreicht, der Frikadellen-Weck in der dortigen Bäckerei ist fast schon Pflicht. Frisch gestärkt nehmen wir die letzten Steigungsmeter, bevor es rasant den Keuchinger Berg runter nach Mettlach geht.

Klar, auf der anderen Seite der Saar müssen wir wieder hoch, weiter Richtung Britten. Die ersten 100 Kilometer sind geschafft. Bei einer drei-tägigen Tour sollten wir uns nun langsam nach einer Unterkunft umschauen. Entlang der Eichenlaub-Panorama-Straße durch Scheiden, den höchstgelegenen Ort im Saarland, und Waldhölzbach gibt es einige wenige Möglichkeiten. Oder man fährt noch bis Weiskirchen, hat dann aber schon 113 Kilometer zurückgelegt.

Am zweiten Tag führt die Tour weiter im steten Auf und Ab durchs nördliche Saarland. Über Wadrill und Nonnweiler in Richtung Türkismühle. Den Stausee lassen wir links und den Bostalsee rechts liegen. Über Nohfelden und Freisen mit flottem Tempo runter ins Ostertal. Doch zu früh gefreut, hinter Fürth wartet schon der nächste Anstieg nach Frankenholz. Dafür werden wir gleich wieder belohnt: rasant geht’s runter Richtung Homburg. Die Stadt bietet sich natürlich zumindest für eine Rast, aber auch zur Übernachtung an. Fast 200 Kilometer liegen bereits hinter uns. Wir fahren dann aber doch noch gut zehn Kilometer weiter, erreichen die Barock-Stadt Blieskastel, ein idealer Ort für den Abschluss von Tag zwei.

Am dritten Tag erwarten uns nochmal einige sportliche Herausforderungen. Gleich hinter Mimbach folgt ein durchgängig asphaltierter, aber auch mit Löchern und Beulen gespickter Anstieg zum Kahlen Berg. Von dort oben hat man einen der schönsten Panoramablicke über den Bliesgau. Bei Kilometer 220 in Brenschelbach sind wir wieder an der französischen Grenze und folgen dieser nun bis zum Abschluss der Tour. In Reinheim wechseln wir auf die andere Seite nach Bliesbrueck, fahren durch Frankreich nach Sarreguemines und gelangen erst kurz vor Güdingen wieder ins Saarland.

Durch St. Arnual radeln wir zum Saar-Radweg, dem wir bis kurz vor Völklingen folgen. Die fast 50 Kilometer lange Flach-Passage geht nun zu Ende, wir steigen wieder leicht an durch Fenne und Klarenthal in den Warndt. Die letzten Kilometer der Tour wieder im steten Auf und Ab durch Großrosseln, Karlsbrunn und Lauterbach, ein Stück durchs französische Creutzwald, dann sind auch schon Überherrn und der Ausgangspunkt in Altforweiler erreicht. Deutlich über 300 Kilometer in drei Etappen – eine Herausforderung. Aber auch an zwei Tagen lässt sich das Saarlandschwein gut fahren. Dann bietet sich der Bereich um Freisen oder das Ostertal für eine Unterkunft an.