Turnen Remuta gibt erst zu viel und dann zu wenig Gas

Stuttgart · Das Sprungtalent in Diensten des Turn-Bundesligisten TG Saar verpasst in Stuttgart die WM-Qualifikation. „Ich war ein bisschen nervös“, sagte er später.

Er ahnte, dass es vorbei war. Dass er seine Chance auf eine WM-Teilnahme verspielt hatte. Oder besser: seine beiden Chancen. Denn Felix Remuta hat genau dort seine Stärken, wo die meisten seiner Konkurrenten im Lager der deutschen Kunstturner derzeit schwächeln. Der 19-Jährige kann springen. An Boden und Sprung gehört er nicht nur auf nationaler Ebene zu den Besten. Selbst bei seinem Debüt bei der EM der Aktiven in diesem Jahr im rumänischen Cluj fehlte nicht viel, und der Bundesliga-Akteur der TG Saar wäre mitten in die Entscheidung der besten Acht am Tisch geflogen.

Doch in seinem Bemühen, alles zu geben, gibt der Blondschopf manchmal etwas zu viel. Genau das wurde ihm am Samstag bei der Qualifikation für die WM Anfang Oktober in Montreal zum Verhängnis. Nicht nur er selbst, auch Cheftrainer Andreas Hirsch hatte gehofft, dass sich der Youngster in Stuttgart für die deutsche Sechser-Riege würde empfehlen können, die die Reise nach Kanada antritt. Doch gleich in seiner ersten Bahn am Boden kam Remuta bei einer Vorwärtslandung ins Straucheln und konnte sich nur noch durch ein ungeplantes Abrollen retten. „Ich war ein bisschen nervös und habe zu viel Power gemacht“, erklärte er später.

Am Sprung dann das Gegenteil: Dort hatte der gebürtige Holzkirchener bei der DM Anfang Juni in Berlin den Sieg vergeben, weil er nach der Landung seines Überschlags mit Doppelsalto weit über die Matten hinaus geschossen war. Diesmal gab er deshalb etwas weniger Gas, öffnete früher – und fand sich im Sitz wieder. Der Traum von einer WM-Teilnahme war damit für den am Ende im Mehrkampf Fünftplatzierten geplatzt, das war Remuta gleich und schon vor der offiziellen Nominierung am Abend klar. Dass sich in seinen Vorträgen weitere Fehler einschlichen, spielte dabei weniger eine Rolle, als dass er an seinen beiden Paradegeräten nicht überzeugen konnte. „Ich dachte, wenn es was wird, ist es geil. Wenn nicht: Ich habe noch Zeit“, tröstete er sich selbst. Er sei in diesem Jahr schließlich zum ersten Mal dabei bei den „Großen“. Schon die EM-Teilnahme sei deshalb nicht selbstverständlich gewesen.

Ganz raus aus dem Kreis für Kanada ist der Nachwuchsmann noch nicht: Gemeinsam mit den Qualifizierten war auch Remuta gestern zur finalen Vorbereitung nach Kienbaum geladen. Doch wenn diese Ende des Monats in den Flieger steigen, warten auf ihn erst einmal ganz andere Herausforderungen. Am 1. Oktober beginnt Remuta seine Ausbildung bei der bayerischen Landespolizei. „Das wird richtig cool“, freut er sich schon. Die Ausbildung soll den im Einzel für seinen Heimatverein TSV Unterhaching startenden Sportler auf seinem weiteren Karriereweg absichern.

Bis Ende August hatte Remuta noch ein Freiwilliges Soziales Jahr beim Bayerischen Turnverband absolviert und neben der Betreuung einer Kinderturngruppe dort in der Geschäftsstelle gearbeitet. Zu den eigenen Übungsstunden hatte es der Clubkollege des zweimaligen Olympia-Zweiten von London, Marcel Nguyen, und des aktuell am Knie verletzten EM-Zweiten am Barren, Lukas Dauser, nicht weit. Im Bundesliga-Alltag sind die drei im Übrigen Konkurrenten, startet der jetzt für die WM nominierte Nguyen für Straubenhardt und Dauser für die KTV Obere Lahn. Der Jüngste steht mit seinem Team allerdings am besten da, führt mit der TG Saar die Tabelle an. Und die kann – anders als noch die Nationalmannschaft – auf die großen Sprünge des jungen Mannes nicht verzichten.