Reise in die Vergangenheit

Reise in die Vergangenheit

Moskau. Als das Flugzeug mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft an Bord gestern Richtung Moskau schwebte, begann für Andreas Beck eine Reise in ein vergangenes Leben. Vor zehn Jahren war der Profi von Bundesligist 1899 Hoffenheim zuletzt in seinem Geburtsland. Die Rückkehr nach Russland ließ den Außenverteidiger nicht kalt. "Alles in allem ist das etwas eigenartig

Moskau. Als das Flugzeug mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft an Bord gestern Richtung Moskau schwebte, begann für Andreas Beck eine Reise in ein vergangenes Leben. Vor zehn Jahren war der Profi von Bundesligist 1899 Hoffenheim zuletzt in seinem Geburtsland. Die Rückkehr nach Russland ließ den Außenverteidiger nicht kalt. "Alles in allem ist das etwas eigenartig. Es wird auf jeden Fall sehr interessant. Aber ich bin Profi, und das Wichtigste für mich in Moskau ist der Sieg", sagte er vor dem Weltmeisterschafts-Qualifikationsspiel am morgigen Samstag (17 Uhr/ZDF). 1990 kamen die Becks mit dem kleinen Andrej alias Andreas vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion als Aussiedler nach Deutschland. Drei Jahre zuvor wurde der Sohn im sibirischen Kemerowo geboren. In Königsbronn und Aalen machte Beck seine ersten Fußballer-Schritte, der VfB Stuttgart holte sich das Talent, das nebenbei sein Wirtschafts-Abitur machte. Trainer Armin Veh ließ den Defensiv-Mann in der Meister-Elf von 2007 ran. Dann kam der Wechsel nach Hoffenheim und 2009 die Berufung in die deutsche Nationalmannschaft: Vier A-Länderspiele stehen seit dem Debüt gegen Norwegen (0:1) im Februar zu Buche. Höhepunkt war aber der Europameister-Titel mit der U21 in Schweden. Zuletzt sorgte Beck in der A-Nationalmannschaft auf der rechten Defensivseite gegen Aserbaidschan (4:0) in Halbzeit zwei für Impulse, was die Chancen auf einen Einsatz morgen sicherlich erhöhte. "Ob ich spiele, wird der Trainer entscheiden. Ich gebe im Training alles dafür", sagte er brav. Der Blondschopf ist ein helles Köpfchen - der Antityp der Generation Playstation. Die Leseratte verschlingt locker drei Bücher pro Woche und scheut nicht vor Klassikern wie Friedrich Nietzsche zurück. "Das ist in der Tat schwere Kost. Das liest du nicht an einem Stück weg", sagt er. Auf seiner Internetseite stehen Zitate von Arthur Schopenhauer, Isaac Newton oder Dan Millman. Kein Wunder also, dass die Wochenzeitung "Die Zeit" den 22-Jährigen mit den ebenfalls über den Fußball-Tellerrand blickenden Nationalmannschaftskollegen Philipp Lahm und Thomas Hitzlsperger sowie den zum Lehrer umgeschulten Ex-Profi Tobias Rau in ihren Kolumnisten-Kreis für die Rubrik "Alles außer Fußball" aufnahm. Dort kann Beck erzählen, warum er Sprechgesang mag und kein Lied von Peter Maffay kennt. Ein Familientreffen wird es in Moskau übrigens nicht geben. Becks Oma lebt in St. Petersburg. "Sie wird sich das Spiel wahrscheinlich am Fernsehen anschauen", sagt der Enkel, der sich wünscht, dass sich sein Geburts- und Heimatland für die WM 2010 qualifizieren.

auf einen blickDas WM-Qualifikationsspiel Russland gegen Deutschland (17 Uhr/ZDF) konkurriert morgen mit dem WM-Viertelfinale der U20 zwischen Deutschland und Brasilien (16.30 Uhr/Eurosport). Wegen der Überschneidung hat Eurosport neben der Live-Übertragung eine 45-minütige Zusammenfassung des U20-Spiels ins Programm aufgenommen (19.15 Uhr). dpaHintergrund4,08 Millionen Euro zahlt der Deutsche Fußball-Bund bei einem Gruppensieg an die Nationalspieler - 20 000 Euro pro Partie an jeden, der jeweils im Aufgebot stand. Sechs Spieler kämen auf den Maximalbetrag von 200 000 Euro, 35 würden Prämien kassieren. Der neunmal nominierte Bremer Torwart Tim Wiese, der keine Minute in der Qualifikation spielte, bekäme 180 000 Euro. dpa

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