| 21:48 Uhr

Fußball-Regionalliga Südwest
Die SVE-Stürmer wollen einfach nicht mehr nachdenken

Stürmer der traurigen Gestalt: Die SVE-Angreifer Kevin Koffi (links) und Muhamed Alawie sind in dieser Saison bisher glücklos.
Stürmer der traurigen Gestalt: Die SVE-Angreifer Kevin Koffi (links) und Muhamed Alawie sind in dieser Saison bisher glücklos. FOTO: Thomas Wieck
Elversberg. Mit erst drei Toren hat die SV Elversberg bisher die wenigsten Treffer der Regionalliga Südwest erzielt. Die Ursachensuche liefert dafür verschiedene Gründe. Von Heiko Lehmann

Entspannt und locker sitzt Kevin Koffi nach dem Training der SV Elversberg auf einem Plastikstuhl vor der Kabine. Bei der Frage, ob der 32-Jährige schon mal so eine Torflaute wie aktuell durchlebt hat, muss er grinsen. Der Fußball-Regionalligist steht nach sechs Spieltagen auf dem vorletzten Tabellenplatz und hat erst drei Tore geschossen – so wenig wie kein anderes Team in der Liga. Dabei waren die Hoffnungen nach der Vorbereitung groß und das Ziel mit dem Aufstieg in die 3. Fußball-Liga klar definiert.


„Ich persönlich kenne das Gefühl, wenn man mehrere Wochen nicht trifft. Das ist normal als Stürmer. Aber bei uns trifft ja zurzeit keiner. Das habe ich bei so einer starken Mannschaft, wie wir es sind, noch nicht erlebt“, sagt Koffi. Der Torjäger von der Elfenbeinküste hatte am vergangenen Samstag beim 0:0 bei Mainz 05 II den Siegtreffer auf dem Fuß, schoss aber aus elf Metern FSV-Torwart Finn Dahmen an. SVE-Trainer Roland Seitz, selber erfolgreicher Stürmer, konnte seinen Augen kaum trauen. „Die Dinger macht der normal im Schlaf. Der Torhüter war ja noch halb im anderen Eck. Die andere Seite war komplett frei“, sagte Seitz.

Co-Trainer Rudi Thömmes, früher bei Eintracht Trier eine Stürmerlegende, rät: „Nicht nachdenken und ganz einfache Sachen machen, das ist die Lösung. Vielleicht auch einfach mal mit dem Vollspann draufhauen“, sagt Thömmes.



Auch Koffi selbst konnte es kaum glauben: „Eine Woche vorher gegen Walldorf habe ich dem Torhüter aus drei Metern gegen das Knie geschossen, obwohl das kurze Eck ganz frei war. Ich denke jetzt nicht mehr darüber nach und mache gegen den SSV Ulm am Samstag einfach ein Tor“, sagt der 32-Jährige.

Neuzugang Muhamed Alawie ist ein weiterer Stürmer, der bislang in dieser Saison noch nicht für die SVE getroffen hat. Beim 1:1 in Offenbach und beim 0:1 gegen den VfB Stuttgart II hatte der 30-Jährige zwei Riesenchancen, versuchte aber beide Male den Torhüter auszuspielen und blieb hängen. Dabei sagte Alawie noch während der Vorbereitungszeit, dass an ihm keiner vorbeikommt, wenn er erst einmal fit ist. „Ihm fehlt doch auch das Selbstvertrauen. Normalerweise macht er die Dinger direkt und versucht nicht noch den Torhüter auszuspielen“, erklärt Seitz. Torwarttrainer Sascha Purket hat erkannt: „Ein Torhüter auf diesem Niveau weiß, wenn ein Stürmer nervös wird, und dann kannst du ihm den Ball vom Fuß nehmen.“ Alawie plagen derzeit Nackenprobleme. Ein Einsatz am kommenden Samstag, 14 Uhr, im Heimspiel gegen den Tabellenvierten aus Ulm ist äußerst fraglich.

Der dritte Stürmer der SVE ist Julius Perstaller. Der Österreicher fehlte vier Wochen in der Vorbereitung und kam bislang in der Liga erst zu Kurzeinsätzen. „In Österreich gibt es für solche Situationen auch kein Patentrezept. Es ist fast schon unglaublich, was wir für Chancen vergeben. Bis auf die 0:3-Niederlage gegen den FC Homburg hätten wir in jedem Spiel vier oder fünf Tore schießen können“, sagt der 29-Jährige.

Doch nicht nur die Stürmer haben zurzeit Ladehemmung. Auch Abwehrspieler wie Oliver Stang, Mike Eglseder oder Lukas Kohler haben in den Testspielen vor der Saison ebenfalls gut getroffen, scheitern nun aber an der Querlatte oder dem Pfosten. Somit bleiben die beiden Tore von Sinan Tekerci und das eine von Israel Suero die einzigen, die die SVE bislang erzielt hat. Doch das soll sich am Samstag ändern. „Augen zu und druff“, sagt Seitz. Ruhe und keine Hast im Abschluss empfiehlt Thömmes. Und Koffi bleibt dabei: „Ich mache jetzt einfach mein Tor.“