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Regelhüter des Weltfußballs reformieren die Handspielregel

Fußballregeln : Hand oder nicht – die Diskussion wird weitergehen

Regelhüter des Weltfußballs reformieren die Handspielregel. Auch bei Einwechslungen und Freistößen wird manches anders.

Gianni Infantino und die Regelhüter vom International Football Association Board (IFAB) lächelten zufrieden, als sie über die vermeintlich bahnbrechenden Reformen der Handspielregel sprachen. Und auf den ersten Blick sahen die Änderungen, die das IFAB in Anwesenheit des Fifa-Präsidenten umgesetzt hatte, auch vielversprechend aus. Hitzige Debatten aber dürfte es auch weiterhin geben.

Eigentlich ist seit der 133. IFAB-Hauptversammlung am Samstag nur eindeutig festgelegt, dass ab der kommenden Saison jedes Handspiel, das zu einem Torerfolg führt, geahndet wird. Ganz egal, ob es erst bei der Torerzielung oder schon bei der Torvorbereitung geschah, ob es bewusst oder unabsichtlich war. Die Beurteilung der kritischen Vergehen von Defensivspielern ist hingegen auch weiterhin Interpretationssache der Schiedsrichter – die Grenzen sind lediglich etwas enger gefasst.

„Wir gehen in den neuen Regeln von einer speziellen Silhouette des Körpers aus. Wenn die Arme jenseits davon ausgebreitet werden, ist das eine unnatürliche Vergrößerung der Körperfläche“, sagte Ex-Schiedsrichter David Elleray, der als technischer Direktor des IFAB fungiert und sich durch die Neuerung vor allem erhofft: „Die Spieler müssen beim Verteidigen nicht mehr die Arme hinter ihrem Rücken verschränken.“ Was allerdings passiert, wenn ein Abwehrspieler in die Luft springt, dabei auf natürliche Weise die Arme mitschwingt und dann den Ball an die Hand bekommt? Zumindest öffentlich lieferte das IFAB keine Antworten. Elleray führte lediglich aus, dass „die Arme seitlich des Körpers herabhängen dürfen“.

Damit entsprach das IFAB unter anderem dem Wunsch von Julian Nagelsmann, der Trainer des Bundesligisten TSG Hoffenheim hatte zuletzt mehrfach sein Missfallen zum Ausdruck gebracht. „Aus Sicht eines Fußballers vergrößern die beiden Arme immer die Körperfläche, denn sie hängen nun mal seitlich am Körper“, sagte Nagelsmann: „Das ist anatomisch so – bei allen Menschen. Niemand springt in einen Zweikampf oder wirft sich in die Schussbahn und hat beide Arme angelegt. Das ist praxisfremd.“ Ein anderer Wunsch Nagelsmanns, nur die Absicht als Kriterium heranzuziehen, wird sich vorerst allerdings nicht erfüllen. „Das Handspiel wird geahndet, auch wenn es unabsichtlich geschieht“, hieß es seitens des IFAB.

Zumindest bezüglich der neuen Handregel bei Offensivaktionen zog der ehemalige Bundesliga-Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer ein positives Fazit. „Es ist sehr sinnvoll, so herrscht endlich Klarheit. Das fördert die Transparenz und ist auch gut für die Schiedsrichter“, schrieb er in seiner Kolumne in der Bild am Sonntag.

Keinerlei Probleme sollten die Unparteiischen bei der Umsetzung der anderen Modifikationen besitzen, die das IFAB beschloss. So dürfen künftig Offensivspieler bei Freistößen nicht mehr in der Mauer stehen, beim Abstoß oder Freistößen im eigenen Sechzehner muss der Ball nicht mehr den Strafraum verlassen. Wird der Schiedsrichter in bestimmten Situationen vom Ball getroffen, kann es Schiedsrichterball geben. Der Unparteiische wird künftig also nicht mehr als „Luft“ behandelt. Bei Strafstößen muss der Torwart nur noch einen Fuß auf der Torlinie haben.