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Regionalliga-Reform
Reform mit reichlich Zündstoff

Ende Mai 2015 scheiterte der 1. FC Saarbrücken erst im Elfmeterschießen an Würzburg. Daniel Döringer verschoss den entscheidenden Elfmeter.
Ende Mai 2015 scheiterte der 1. FC Saarbrücken erst im Elfmeterschießen an Würzburg. Daniel Döringer verschoss den entscheidenden Elfmeter. FOTO: Andreas Schlichter
Saarbrücken. Der Übergang von der Regionalliga in die 3. Liga ist das Nadelöhr im deutschen Fußball. Vor dem DFB-Bundestag wird kräftig gestritten. Frank Hellmann

Der Zeitplan ist eng. Um 10.30 Uhr beginnt am morgigen Freitag im Kongresszentrum an der Frankfurter Messe der Außerordentliche Bundestag des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), gegen 13.30 Uhr wird das Ende der Sitzung erwartet. Dass derlei ambitionierte Vorgaben eingehalten werden, liegt meist daran, dass kontroverse Themen zuvor in stiller Hinterzimmer-Diplomatie gelöst werden. Doch diesmal steht ein Punkt auf der Tagesordnung, der das Potenzial zum Spaltpilz hat – und sogar zum offenen Streit auf großer Bühne taugt.



Es geht um die neue Regionalligastruktur. Wie soll künftig der Übergang zwischen 3. und 4. Liga aussehen? Welche Regionalligisten steigen auf? Und wie viele Staffeln sind sinnvoll? Einig sind sich alle Beteiligten nur, dass der bisherige Status quo mit den drei Entscheidungsspielen – mit zwei Südwest-Vertretern sowie den Meistern der Regionalligen Nord, Nordost, West und Bayern – reformiert gehört.

Weil es ungerecht ist, wenn Klubs auf der Strecke bleiben, die sich in einer Liga mitunter souverän durchgesetzt haben, in der die Grenzen zwischen Amateurstatus und Profidasein ohnehin fließend sind. Der Südwesten hat zuletzt besonders unliebsame Erfahrungen gemacht. Seit 2014 hat kein Vertreter mehr den Sprung geschafft. In diesem Sommer scheiterten SV Elversberg und Waldhof Mannheim jeweils zum zweiten Mal. 2015 waren die Traditionsvereine 1. FC Saarbrücken und Kickers Offenbach nicht durch das Nadelöhr gekommen, das übrigens auch RB Leipzig 2013 bei seinem Durchmarsch am meisten zu schaffen machte.

Sieben Anträge liegen zur Regionalliga-Reform vor. Dabei verfolgen die 263 Delegierten teils völlig verschiedene Interessen. Die 3. Liga ist bereit, zur Erhöhung der Durchlässigkeit künftig vier statt drei Absteiger zu akzeptieren – vorausgesetzt, die Regionalliga-Meister können direkt wieder aufsteigen. Was wiederum nur bei einer Reduzierung auf vier Staffeln klappen kann. Damit geht die Quadratur des Kreises los, wie ein hochrangiger DFB-Funktionär sagt. Viele sehen die teilweise sehr dörflich strukturierte Regionalliga Bayern, aus der aktuell der tief gefallene TSV 1860 München möglichst schnell entfliehen möchte, als Regionalliga an, die aufgelöst werden könnte. Sie hat allerdings mit dem Vizepräsident Amateure, Rainer Koch, zugleich Präsident des Süddeutschen und Bayerischen Fußballverbandes, einen sehr einflussreichen Fürsprecher.

Erbittert kämpft der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) um seine Eigenständigkeit. Laut seinem Antrag sollten für den Aufstieg „der Meister der Regionalliga Nordost und die Meister der übrigen drei Regionalligen qualifiziert sein.“ Will heißen: Der Nordosten bekommt einen festen Aufsteiger – und der Rest kann sehen, wie er die Zusammenschlüsse zwischen Nord, West, Südwest und Bayern regelt. Bezeichnend auch, dass der NOFV mit dem ehemaligen DDR-Gebiet tatsächlich seine Flächenstruktur („30,46 Prozent sind fast ein Drittel des Verbandsgebietes des DFB“) anführt und die Anzahl der Herrenmannschaften für „keine Hauptbemessungsgrundlage“ hält.



DFB-Präsident Reinhard Grindel argumentiert genau andersherum: Der Südwesten und Bayern würden 25 000 der rund 55 000 Mannschaften stellen und könnten deshalb nicht einfach in einer Süd-Liga zusammengelegt werden. Der Verbandsboss bevorzugt wie bisher fünf Staffeln, in dem die Südwest- und West-Liga ein festes Aufstiegsrecht bekommen, aus den anderen drei Regionalligen (Nord, Nordost und Bayern) soll in einem rollierenden System ein Meister direkt aufsteigen, die anderen zwei bestreiten Playoffs. Doch dagegen hat der Landesverband Sachsen schon eine Klage angekündigt. Was Grindel unbedingt verhindert will: dass sich ein neuer Ost-West-Graben auftut.

Eine Lösung für die Zusammenlegung auf vier Regionalligen scheint nicht in Sicht. Völlig unklar, welcher der 21 Landesverbände dann wohin zugeordnet würde. Ein Antrag des Badischen, Bayerischen und Niedersächsischen Fußballverbandes sieht vor, dass Vereine aus einem Landesverband und einem Bundesland „grundsätzlich geschlossen in einer Regionalliga spielen“. Die Gemengelage ist vertrackt. Womöglich wird die Thematik erst nach dem DFB-Bundestag von einer Expertenkommission behandelt, die in aller Ruhe ein gerechteres und nachhaltigeres Modell austüftelt. Es wäre nicht das erste Mal, würden brisante Anträge vor dem Bundestag kurzfristig noch zurückgezogen.

Die Spieler der SV Elversberg, hier Leandro Grech (Nummer 16), scheiterten 2016 am FSV Zwickau und in diesem Jahr an Unterhaching.
Die Spieler der SV Elversberg, hier Leandro Grech (Nummer 16), scheiterten 2016 am FSV Zwickau und in diesem Jahr an Unterhaching. FOTO: Thomas Wieck / Wieck