Raus mit Hacke, Spitze, ÜbersteigerCristiano Ronaldo und Lionel Messi verbindet eine große Schwäche

Raus mit Hacke, Spitze, ÜbersteigerCristiano Ronaldo und Lionel Messi verbindet eine große Schwäche

Saarbrücken. Vielleicht ist Jorge Mendes der wichtigste Mann im portugiesischen Fußball. Er ist kein Spieler, kein Trainer, kein Verbandsfunktionär. Mendes ist Spielerberater und es ist seine Aufgabe, Fußballer von einem Club zum nächsten zu vermitteln

Saarbrücken. Vielleicht ist Jorge Mendes der wichtigste Mann im portugiesischen Fußball. Er ist kein Spieler, kein Trainer, kein Verbandsfunktionär. Mendes ist Spielerberater und es ist seine Aufgabe, Fußballer von einem Club zum nächsten zu vermitteln. Und der Mann, der bis Mitte der Neunziger noch versucht hat, Nachtclubs, Bars und Videotheken zu leiten, ist sehr erfolgreich mit dem, was er tut. Aktuell berät er zwölf von 22 portugiesischen Nationalspielern. Cristiano Ronaldo, Pepe, Fabio Coentrao (alle Real Madrid), Nani (Manchester United), Ricardo Quaresma (Besiktas Istanbul) und Bruno Alves (Zenit St. Petersburg) sind die prominentesten Beispiele aus seinem portugiesischen Portfolio der Edelkicker. Mendes sorgt dafür, dass die Straßenfußballer aus Lissabon und Porto in den großen Clubs unterkommen.Mendes steht für eine ungewöhnliche Entwicklung, die Portugals Fußball in den vergangenen Jahren genommen hat. Das kleine Land, das mit zehn Millionen Einwohnern nur knapp so viele Fußballer zur Verfügung hat wie Baden-Württemberg, stellt den teuersten Spieler (Cristiano Ronaldo) und den teuersten Trainer (José Mourinho) der Welt. Beide werden vom "König der Agenten", so die Zeitung FAZ, beraten. Gemeint ist Mendes.

Ohne Mourinho, dafür mit Ronaldo zählt Portugal bei der Europameisterschaft trotzdem nicht zu den Favoriten. Und auch das hat viel mit den Spielern von Mendes zu tun. Denn es scheint unmöglich zu sein, die hakenschlagenden Turbo-Dribbler in ein taktisches Konzept einzupassen und so etwas wie Disziplin oder mannschaftliche Geschlossenheit herzustellen. Ronaldo, Quaresma, Nani und Co. sind nicht dafür bekannt, vor dem Tor selbstlos den Querpass zu spielen. Auch Trainer Paulo Bento scheint daran nichts ändern zu können. Er wurde 2010 Nationaltrainer, weil er viele Nationalspieler schon in der Jugend von Sporting Lissabon betreute. Erfolge hat er, außer einem Pokalsieg mit Sporting, keine vorzuweisen. In der EM-Qualifikation reichte es nur zu Gruppenplatz zwei hinter Dänemark. Eine Mannschaft, in der weder Weltfußballer noch Edeltechniker spielen. Bento scheint das Problem erkannt zu haben. Die etablierten Spieler Jose Bosingwa und Ricardo Carvalho wurden von ihm wegen dauernder Eskapaden nicht mehr nominiert.

Bei der EM trifft Portugal in der Vorrunde wieder auf Dänemark und auf die Titelfavoriten Deutschland und Niederlande. Gegen Deutschland hat Portugal bei der EM 2008 beim 2:3 im Viertelfinale schlechte Erfahrungen gemacht. Und Ronaldo hat gerade mit Real Madrid im Champions-League-Halbfinale gegen Bayern München im Elfmeterschießen mit Deutschlands Nationaltorwart Manuel Neuer schlechte Erfahrungen gemacht. Gegen die Holländer hat sich Portugal im Achtelfinale der WM 2006 in Deutschland mit 1:0 durchgesetzt. Ein Spiel, bei dem die Spieler beider Mannschaften erfolglos versuchten, sich gegenseitig umzubringen. Der Schiedsrichter zeigte vier Gelb-Rote und 16 Gelbe Karten - WM-Rekord.

Spektakulärer Fußball, ein oder zwei Übersteiger - und dann als Drittplatzierter raus. Das ist die gängige Prognose, die auch Mourinho vor Kurzem stellte. Er selbst wolle mit Portugal den ersten Titel gewinnen. Ronaldo ist davon überzeugt, dass seine Mannschaft Großes leisten kann. Er glaubt an den EM-Titel und würde sich auch ohne persönliche Bestleistung darüber freuen: "Ich strebe weniger nach persönlichen Rekorden, sondern nach Titeln", sagte er dem Sportinformationsdienst. Dass er das betonen muss, sagt viel über ihn und die portugiesische Nationalelf aus. > wird fortgesetzt

Saarbrücken. Als Cristiano Ronaldo mit Real Madrid in der Vorrunde der Champions League in Zagreb spielte, verhöhnten ihn die Zuschauer. "Messi, Messi, Messi" sangen die Kroaten. Und wahrscheinlich hat es ihm mehr wehgetan, als jeder andere Fangesang. Man kann Ronaldo bedauern. Er leistet Außergewöhnliches, aber immer ist der kleine Argentinier vom FC Barcelona besser. Aber Ronaldo ist kein Fußballer, mit dem Fans Mitleid haben. Er ist ein Mensch, der provoziert, der eine große Begabung und ein noch größeres Ego hat. Bei Freistößen inszeniert er sich als Westernheld. Er läuft stets mit perfekt gegelter Frisur auf den Platz. Er macht laut eigener Angabe 50 Sit-Ups am Tag und man sieht ihm bei jedem Torjubel an, dass er nichts lieber täte, als dem Stadion und der Welt seine Muskeln zu präsentieren.

Aber Lionel Messi und Ronaldo verbindet ironischerweise eine große Schwäche. Während sie in ihren Clubs Tricks wie aus der Spielkonsole vorführen, gelingt ihnen in der Nationalelf meist wenig. Für Madrid schoss Ronaldo in 144 Spielen 146 Tore. Für Portugal traf er in 88 Begegnungen 32 Mal. msc

Foto: leong/afp

Hintergrund

Für Portugal lief die Qualifikation so trist wie die Melodien des portugiesischen Fado-Gesangs: schleppend. Zu Beginn gab's ein groteskes 4:4 gegen Zypern, am Ende ein 1:2 in Dänemark, das den Gruppensieg kostete. Immerhin konnten Cristiano Ronaldo und Kollegen in der Relegation gegen Bosnien-Herzegowina bestehen. Portugals EM-Chancen sind wie immer gut, bisher wurde es aber noch nie gut. Ronaldo ist zwar der wohl beste Kicker des Kontinents, doch seine Launen können die Mannschaft auch nach unten ziehen. "Sie sind neidisch, weil ich schön, reich und ein guter Fußballer bin", hatte Real Madrids Ausnahmespieler mal gesagt.

Die Bilanz gegen Deutschland: Drei Siege, fünf Remis, acht Niederlagen. kip

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