Ramadan - für Sportler bedenklich

Bübingen. Der Ramadan ist der neunte Monat des islamischen Mondkalenders und der islamische Fastenmonat. In diesem Monat soll der Koran für die Menschen von Gott herab gesandt worden sein. Von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang verzichten gläubige Moslems im Ramadan auf Essen und Trinken. Auch die Oberliga-Fußballspieler Said Chouaib (Borussia Neunkirchen) und Nabil Dafi (1. FC Saarbrücken)

 Die Moslems Said Chouaib (Zweiter von links) und Nabil Dafi (Zweiter von rechts) kicken in der Oberliga. Dass sie im Fastenmonat Ramadan tagsüber nicht nur auf Mahlzeiten, sondern auch auf Getränke verzichten, hält Dr. Sebastian Richter für medizinisch bedenklich. Foto: Patric Cordier

Die Moslems Said Chouaib (Zweiter von links) und Nabil Dafi (Zweiter von rechts) kicken in der Oberliga. Dass sie im Fastenmonat Ramadan tagsüber nicht nur auf Mahlzeiten, sondern auch auf Getränke verzichten, hält Dr. Sebastian Richter für medizinisch bedenklich. Foto: Patric Cordier

Bübingen. Der Ramadan ist der neunte Monat des islamischen Mondkalenders und der islamische Fastenmonat. In diesem Monat soll der Koran für die Menschen von Gott herab gesandt worden sein. Von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang verzichten gläubige Moslems im Ramadan auf Essen und Trinken. Auch die Oberliga-Fußballspieler Said Chouaib (Borussia Neunkirchen) und Nabil Dafi (1. FC Saarbrücken).

"In meiner Heimat Marokko freut man sich elf Monate lang auf diesen Monat", erzählt der 31 Jahre alte Chouaib, "denn jeden Abend wird gefeiert. Familie und Freunde kommen zusammen, essen, reden. Das gesamte öffentliche Leben richtet sich nach der Fastenzeit. Diese Atmosphäre ist in Deutschland nur schwer zu vermitteln." Weil dies nicht einfach ist, lädt Chouaib seinen Freund Nabil Dafi, andere Bekannte und Familienmitglieder gerne zum Essen in seine Wohnung in Bübingen ein. "Ich praktiziere meine Religion, bete fünf Mal am Tag", sagt Dafi, "im Ramadan geht es nicht nur ums Fasten oder Abends zu essen und zu trinken. Es geht darum, ein besserer Mensch zu sein. Das macht mich viel stärker im Kopf, gibt mir eine gewisse innere Zufriedenheit."

An der Küchentür in der Wohnung von Chouaib und seiner Frau Desirée hängt ein Zeitplan, wann täglich die Sonne untergeht. Bis dahin ist das Essen zubereitet. Hackfleisch-Bällchen in würziger Tunke, süßes Gebäck mit Honig, aber auch Brot, Wurst, Käse kommen diesmal auf den Tisch. Die Stimmung ist ausgelassen. Der christliche Gast wird ohne Berührungsängste ins Sprachgewirr zwischen Arabisch, Französisch und Deutsch einbezogen. "Trainer Dieter Ferner respektiert unseren Glauben, fragt immer, wie es mir geht", erzählt FCS-Akteur Dafi vom Alltag im Fastenmonat. Der Verzicht, vor allem aufs Trinken, ist für Sportler problematisch. "Es ist medizinisch bedenklich, den Elektrolyt- und Flüssigkeitsverlust nicht auszugleichen", sagt der Saarbrücker Sportmediziner Dr. Sebastian Richter, "das kann zu Krämpfen, Muskelverletzungen, sogar zum Kreislaufkollaps führen." Für Chouaib und Dafi kein Grund, gegen den Koran zu verstoßen. "Als ich verletzt ausgewechselt wurde, wollte der Mannschaftsarzt, dass ich eine Tablette nehme", sagt Chouaib, "aber ich würde es nur tun, wenn es lebenswichtig wäre."

Wichtig für Chouaib und die Borussia wäre ein Sieg am morgigen Samstag, 15.30 Uhr, beim SV Niederauerbach. "Borussia ist im Neuaufbau und hat einige Verletzte", analysiert Dafi die Lage bei seinem Ex-Club, "die älteren Spieler wie Said müssen die jüngeren jetzt führen. Wenn sie eine Mannschaft werden, sind die Neunkircher stark und können in Niederauerbach gewinnen." Einen Sieg wünscht der Gastgeber auch seinem Freund Nabil, der mit dem FCS zeitgleich in Wirges antreten muss: "Auf dem Platz und mit 200 Kilometern Anfahrt ist Wirges eine unangenehme Aufgabe. Aber Saarbrücken sollte das packen." Darauf wird mit Chouaibs selbst gemachtem Avocado-Shake angestoßen - natürlich alkoholfrei.