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Rad-Profi Lisa Klein aus Völklingen-Lauterbach will zu Olympia in Tokio

Lisa Klein aus Lauterbach : Abschalten daheim bei der Familie

Lisa Klein aus Völklingen-Lauterbach musste nach dem Gewinn der WM-Bronzemedaille in der Mannschaftsverfolgung erst mal runterkommen. Dabei helfen der 23 Jahre alten Leistungssportlerin Familie und Freunde.

Nach ihren Erfolgen bei der Bahnrad-Weltmeisterschaft in Berlin im Februar musste Lisa Klein erst mal runterkommen. Vom Rad, versteht sich. Aber auch vom Trubel rund um den Gewinn der Bronzemedaille in der Mannschaftsverfolgung über 4000 Meter. Am besten abschalten kann die 23-Jährige, die in ihrer Zunft zu den Besten der Welt gehört, bei ihrer Familie im Saarland. „Ich bin wahnsinnig froh, dass ich meine Familie als zentrales Umfeld um mich herum habe und dass sich hier nicht alles um Radsport dreht“, sagt die gebürtige Saarbrückerin, die mittlerweile in Erfurt lebt und trainiert. „Ohne einen ordentlichen Rückhalt von Freunden und Familie wäre es für mich schon sehr schwer, Leistungssport auf hohem Niveau zu betreiben“, erklärt sie und ergänzt: „Deshalb bin ich echt dankbar für diese tolle Unterstützung von zu Hause.“

Zu Hause in Völklingen-Lauterbach fing alles an. Zunächst beim Privattraining mit Papa, dann beim RSC Überherrn. Mit 14 Jahren folgte der Wechsel auf das Sportgymnasium Kaiserslautern zu Mentor und Trainer Hermann Mühlfriedel. 2015 unterschrieb sie beim „Bigla Pro Cycling Team“ ihren ersten Profi-Vertrag – und machte das Abitur. Ein Jahr später folgte der Wechsel an den Olympiastützpunkt nach Erfurt und die Aufnahme in die Sportfördergruppe der Bundeswehr. Im gleichen Jahr durfte Lisa Klein als Ersatzfrau mit zu den Olympischen Spielen nach Rio de Janeiro. „Dort wurde ich leider nicht eingesetzt, aber mir war damals schon klar: 2020 will ich wieder am Start sein – und das nicht nur in einer Disziplin“, stellt sie klar.

2017 legte Lisa Klein den Fokus auf die Straßensaison. Mit Erfolg: Sie wurde überraschend und Dank eines „Tigersprungs“ mit Zielfoto-Beweis deutsche Meisterin. Ein Jahr später wurde sie mit ihrem neuen Team „Canyon SRAM Racing“ Weltmeisterin im Mannschaftszeitfahren. Und das, obwohl ihr Mitte des Jahres zwei einschneidende Erlebnisse zu schaffen machten. „Ich wurde von einem Auto angefahren und habe mir erneut das Schlüsselbein gebrochen. Und auch der tragische Trainingsunfall meiner besten Freundin und meines großen sportlichen Vorbilds Kristina Vogel hat mich schwer getroffen“, erinnert sich die Saarländerin.

Das folgende Jahr 2019 war mit je drei Silber- und Bronzemedaillen bei Welt- und Europameisterschaften auf Straße und Bahn ihr erfolgreichstes. „Es geht Jahr für Jahr einen Schritt voran. Ich bin froh, 2018 den Schritt zu meinem neuen Team gemacht haben. Das war mit ausschlaggebend“, findet Lisa Klein und erklärt: „Hier wird mir die Chance gegeben, mich so zu entwickeln, wie ich es gerade tue. Das wäre ohne mein Team und die große Unterstützung aus meinem Umfeld, auch von zu Hause, nicht möglich.“

Lisa Klein wurde im vergangenen Jahr zur Saarsportlerin des Jahres gewählt. Foto: Andreas Schlichter

Weil sie diesen Rückhalt hat, will sie ihren Weg weitergehen – oder besser: fahren. Und zwar auf der Straße und der Bahn. „Ich habe mich mit Blick auf Olympia so entschieden und habe bisher nichts bereut. Obwohl eine solche Doppelbelastung schon eine Herausforderung darstellt“, gibt Lisa Klein zu und merkt an: „Es bedarf einfach einer guten Absprache aller Beteiligten, dann geht das.“ Die Chancen stehen gut, dass ihr Plan aufgeht. Der Bahnrad-Vierer ist qualifiziert. Und auch von den zwei Startplätzen für das Einzelzeitfahren und den vier im Straßenrennen dürfte einer für Lisa Klein drin sein. „Ich muss nur gesund bleiben und meine Leistung zeigen, dann sollte das klappen“, findet das Talent aus Lauterbach. Vorausgesetzt, die zwischen 24. Juli und 9. August geplanten Olympischen Spiele in Tokio finden mit Blick auf die Corona-Krise statt.