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Sportpolitik
Putin schließt totalen Olympiaboykott aus

Lausanne. Die wichtigsten Fragen und Antworten rund um den Ausschluss von Russland aus dem Internationalen Olympischen Komitee.

Thomas Bach und seine Kollegen aus der Exekutive des Internationalen Olympischen Komitees haben den russischen Athleten eine Hintertür zu den Winterspielen in Pyeongchang geöffnet. Ohne Hymne und Fahne dürfen die Sportler in Südkorea teilnehmen, obwohl das Nationale Olympische Komitee Russlands wegen des Dopingskandals suspendiert ist. Ruhe dürfte mit den Beschlüssen aber kaum eintreten. Schon jetzt liegen 22 Einsprüche von russischen Wintersportlern gegen ihre lebenslangen Sperren beim Internationalen Sportgerichtshof vor. Und mit jeder Ablehnung eines Athleten dürfte auf den CAS weitere Arbeit zukommen. In die Bredouille ist auch der Fußball-Weltverband Fifa wegen der Personalie Witali Mutko gekommen.


Wie reagiert Russland?

Präsident Wladimir Putin hat gestern Abstand von einem Boykott genommen. Der Kremlchef stellte seinen Sportlern frei, an den Winterspielen teilzunehmen. „Wir werden unsere Olympioniken nicht daran hindern, am Wettbewerb teilzunehmen“, sagte Putin während einer Ansprache in einem Automobilwerk in Nischni Nowgorod. Diesbezüglich hatte Putin bereits im Vorfeld der Entscheidung moderate Töne angeschlagen. Am 12. Dezember soll es zu einer „olympischen Versammlung“ kommen, auf der die weitere Vorgehensweise besprochen wird.



Welche Möglichkeiten hätte Russland, die Entscheidung anzufechten?

Das Nationale Olympische Komitee Russlands (ROC) könnte Einspruch beim Internationalen Sportgerichtshof CAS einlegen. Wird diesem stattgegeben, wäre das Team Russland startberechtigt. Die Erfolgsaussichten sind aber eher gering. Schon den Bann der russischen Leichtathleten hatte der CAS nicht revidiert.

Mit welchen weiteren juristischen Angelegenheiten ist zu rechnen?

Beim CAS sind bereits 22 Einsprüche russischer Sportler gegen die lebenslangen Sperren und die Annullierung ihrer Ergebnisse von Sotschi 2014 eingegangen. Auch kurz vor den Spielen dürfte es wieder zu einigen Klagen kommen, wenn russische Athleten wegen möglicher Doping-Verstrickungen in Südkorea nicht zugelassen werden sollten. So hatte sich der russische Schwimmstar Julija Jefimowa erfolgreich ins Starterfeld für Rio eingeklagt.

Wer entscheidet in Pyeongchang, welche russischen Sportler starten dürfen?

Eine unabhängige Testeinheit (ITA) unter Vorsitz von Valerie Fourneyron soll die möglichen russischen Olympia-Teilnehmer begutachten. Inbegriffen ist auch eine Task Force, die aus Mitgliedern der Wada, des IOC und weiteren Anti-Doping-Ermittlern besteht.

Das IOC hat den russischen Fußball-Verbandschef Witali Mutko für alle künftigen Olympischen Spiele lebenslang gesperrt. Wie geht die Fifa mit der Personalie um?

Erst einmal gar nicht. Die Entscheidung habe keinen Einfluss auf die WM-Vorbereitungen, hieß es bei der Fifa in Zürich. Interessant wird sein, ob sich die Fifa-Ethikkammer mit Mutko befasst. Sollten das IOC und die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada tatsächlich Mutkos Schlüsselrolle im Dopingskandal aufzeigen, könnte das Fifa-Gremium darüber nicht einfach so hinwegsehen.

War die IOC-Entscheidung für Thomas Bach ein Befreiungsschlag?

Bei den Sportverbänden und -organisationen hat Bach gepunktet, weil die IOC-Exekutive deutlich härter mit Russland umging als noch vor den Rio-Spielen. Zu einem Komplett-Ausschluss konnte sich das IOC nicht durchringen. Ob das die Skepsis gerade in westlichen Ländern hinsichtlich der Glaubwürdigkeit von IOC und Fifa mindert, ist eher fraglich.

Ist der Start unter neutraler Flagge ein Novum?

Nein. In der Vergangenheit hat es bereits einige dieser Fälle gegeben – aber nie wegen Doping-Verstößen. 1992 starteten Athleten aus dem ehemaligen Jugoslawien im Zuge der UN-Sanktionen wegen des Bürgerkriegs unter olympischer Flagge. Ähnlich verhielt es sich mit indischen Sportlern bei den Winterspielen in Sotschi 2014 sowie Athleten aus Kuwait in Rio 2016, weil die jeweiligen Nationalen Olympischen Komitees suspendiert waren.

Wird Russland bei den Paralympics dabei sein?

Das Internationale Paralympische Komitee (IPC) will am 22. Dezember eine Entscheidung treffen – unabhängig vom IOC-Beschluss. Das IPC hatte im Gegensatz zum IOC Russland von den Sommerspielen 2016 in Rio ausgeschlossen.