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Druck für Funktionär war zu groß
Putin opfert Doping-Schlüsselfigur Mutko

Witali Mutko, hier wie Napoleon mit Hand in der Jacke, gibt das Heft des Handelns als Organisationschef der WM an Alexej Sorokin (r.) weiter.
Witali Mutko, hier wie Napoleon mit Hand in der Jacke, gibt das Heft des Handelns als Organisationschef der WM an Alexej Sorokin (r.) weiter. FOTO: dpa / Christian Charisius
Moskau. Russlands Vize-Premier ist nun doch als Chef des WM-Organisationskomitees zurückgetreten. Der Druck war zu groß.

Russlands Machthaber Wladimir Putin hat im Kampf um das Image der Fußball-WM 2018 nun doch den Daumen über seinem Vize-Premier gesenkt. Witali Mutko trat unter dem Druck der Ermittlungen des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) im Staatsdopingskandal gestern auch von seinem Posten als Chef des WM-Organisationskomitees (OK) zurück – nachdem er sein Schicksal ausdrücklich in Putins Hände gelegt hatte. Der Staatschef opferte ihn.


„Ich werde mich auf meine Arbeit in der Regierung konzentrieren“, teilte Mutko 169 Tage vor dem Eröffnungsspiel (14. Juni) zwischen Russland und Saudi-Arabien über die staatliche Agentur R-Sport mit: „Es gibt noch viel Arbeit zu erledigen, aber ich bin zuversichtlich. Alles wird pünktlich fertig sein.“ Der bisherige Generaldirektor Alexej Sorokin werde ab sofort das OK führen.

Am Montag hatte Mutko (59) im Zuge eines strategischen Teilrückzugs vom Präsidentenamt beim russischen Fußballverband RFU noch angekündigt, das OK weiterhin zu leiten, sofern ihm Putin das Vertrauen schenke. Der zog seine schützende Hand beiseite: Putin duldet keine Schmutzflecken auf seinem Hochglanz-Projekt WM, von dem er sich Ruhm und internationale Anerkennung verspricht.



Mutko wurde vom Internationalen Olympischen Komitee eindeutig als Schlüsselfigur im Skandal um die Heim-Winterspiele in Sotschi 2014 identifiziert, am 5. Dezember sperrte ihn das IOC lebenslang für Olympia. Damit stieg der Druck auf den Fußball-Weltverband Fifa, die Russen zum Handeln zu bewegen – und auf Putin höchstpersönlich. Mutko sei von Fifa-Präsident Gianni Infantino zum Rücktritt aufgefordert worden, sagte Alischer Aminow, ein Kritiker des russischen Systems, der Schweizer Zeitung „Tagesanzeiger“.

Mutkos durchschaubarer Schachzug, die RFU-Präsidentschaft für sechs Monate ruhen zu lassen, um vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS zu ziehen, reichte nicht aus. Mutko hatte damit seinen weit bedeutenderen OK-Posten zu retten versucht. Doch gestern fiel eine der prägenden Figuren im russischen Sport der vergangenen Jahrzehnte.

Als Bauernopfer Putins? So wirkt es zumindest. Mutko hatte eine Art Vertrauensfrage angekündigt. Über seine Position würden dann „Staatsoberhaupt, Regierungsspitze und Aufsichtsrat entscheiden“. Er trete nicht zurück. Folglich wurde er nun zum Rückzug gedrängt. Ein Organisator der gigantischen Fußball-Weltmeisterschaft, der zugleich Staatsdoping bei Olympischen Spielen verantwortet haben soll, war für Putin und Russland nicht mehr tragbar. Schließlich hatte das IOC die „administrative“ Verantwortung für das Dopingsystem von Sotschi ausdrücklich dem damals zuständigen Sportminister Mutko zugeschrieben. Dessen Aufgaben als RFU-Präsident hat bereits der vorherige Verbandsgeneralsekretär Alexander Alajew übernommen.

Die Fifa reagierte zurückhaltend. Russland ist offensichtlich getroffen. Putin dürfte das Ganze nicht schmecken. Denn der gelernte Schiffsmechaniker Mutko war ihm seit vielen Jahren ein treuer Gefährte.