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Punktlandung für Wimbledon

Orscholz/Saarbrücken. Während der Großteil der Tennis-Weltelite zurzeit auf der roten Asche der French Open in Paris um Weltranglistenpunkte kämpft, leistet sich Benjamin Becker eine Woche Urlaub. Die hat sich der 27-jährige Tennisprofi aus Orscholz auch verdient. Denn er hat in den vergangenen Wochen etwas geschafft, an das er selbst nicht so richtig glaubte Von SZ-Mitarbeiter Sascha Sprenger

Orscholz/Saarbrücken. Während der Großteil der Tennis-Weltelite zurzeit auf der roten Asche der French Open in Paris um Weltranglistenpunkte kämpft, leistet sich Benjamin Becker eine Woche Urlaub. Die hat sich der 27-jährige Tennisprofi aus Orscholz auch verdient. Denn er hat in den vergangenen Wochen etwas geschafft, an das er selbst nicht so richtig glaubte.


Durch Siege bei den Challengerturnieren in Baton Rouge/USA, Rhodos, vergangene Woche in Cremona sowie der Finalteilnahme in Ramat Hasharon/Israel machte er in der Weltrangliste einen Sprung von knapp 50 Plätzen auf Rang 84. Mehr noch: Diesen Sprung schaffte er genau zu dem Zeitpunkt der Nennung ("entry list") für Wimbledon, das dritte Grand-Slam-Turnier des Jahres. Das hatte er nach Ramat Hasharon mit Rang 103 geschafft. Das bedeutet: Er muss nicht durch die anstrengende Qualifikation, sondern kann gleich im Hauptfeld starten. Für Becker also eine Punktlandung.

"Ich wusste, dass es auf dieser Hartplatztour schon extrem gut laufen musste und ich Turniersiege brauchte, damit das noch klappt. Daher hatte ich nicht damit gerechnet. Paris und Wimbledon waren schon so gut wie abgehakt", gibt Becker zu. Für das Hauptfeld in Roland Garros (ab 25. Mai) reichte es nicht mehr. Doch die Qualifikation dort ließ er aus. Stattdessen spielte er in Cremona, gewann das Turnier und sprang von Position 103 auf 84. "Wenn ich schon zwei Runden bei einem Challenger gewinne, ist das schon mehr als in drei Quali-Spielen in Paris, zumal ich sowieso nicht gerne auf Sand spiele", rechnet er vor.

Ab dem kommenden Wochenende beginnt die Vorbereitung auf die kurze Rasensaison: Halle und S'Hertogenbosch/Niederlande lauten die Stationen vor Wimbledon. Diese Aufgaben geht er locker und mit neuem Selbstvertrauen an. Grund dafür ist die Zusammenarbeit mit einem neuen Trainer: Seit dem Masters-Turnier in Miami Ende März wird der Orscholzer von Ulf Fischer betreut. Der trainierte schon Hendrik Dreekmann und Florian Mayer und betreut nun eine Gruppe von Spielern wie Matthias Bachinger, Benedikt Dorsch und jetzt auch Becker.

"Es ist schon etwas auffällig, dass es bei mir besser läuft, seitdem er dabei ist", sagt Becker. "Es macht schon etwas aus, ob man in einer Gruppe mit Spielern reist, mit der man sich versteht, ob da ein Trainer am Rand sitzt - auch wenn der einem vielleicht nur immer wieder sagt, was man sowieso schon weiß. Irgendwann setzt man es dann um, fühlt sich anders, geht anders an die Aufgaben heran."



Auffällig ist vor allem, dass Becker in den vergangenen Wochen auch die knappen Spiele gewonnen hat, die ihm in der Vergangenheit noch allzu oft aus den Händen glitten. Als Beispiel mag seine Tie-Break-Bilanz gelten. 1:7 lautete die in den ersten drei Monaten der Saison, doch die letzten sechs gewann er souverän. "Ich habe öfter Spiele verloren, in denen ich schon Matchbälle hatte. Jetzt habe ich in den entscheidenden Situationen selbstbewusster gespielt, war mental besser als vorher. Das kann einen großen Unterschied machen."

Nun denkt Becker schon weiter. Schließlich will er auch bei seinem Lieblingsturnier, den US Open in New York, direkt ins Hauptfeld. Spielt er so weiter wie zuletzt, dürfte das das kleinste Problem sein.