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"Public-Relations und Wirtschaftsförderung"

Gersheim. Die 22. Auflage der Trofeo Karlsberg, das bedeutendste Junioren-Radrennen in Deutschland, rollt vom 11. bis 14. Juni über die Straßen des Saarpfalz-Kreises und des Warndts über insgesamt fünf Etappen. SZ-Mitarbeiter Werner Kipper unterhielt sich mit dem Chef-Organisator Wolfgang Degott (Foto: SZ)

Gersheim. Die 22. Auflage der Trofeo Karlsberg, das bedeutendste Junioren-Radrennen in Deutschland, rollt vom 11. bis 14. Juni über die Straßen des Saarpfalz-Kreises und des Warndts über insgesamt fünf Etappen. SZ-Mitarbeiter Werner Kipper unterhielt sich mit dem Chef-Organisator Wolfgang Degott (Foto: SZ).


Was war der Ursprung der Trofeo Karlsberg?



Degott: Die Trofeo Karlsberg entstand anlässlich des ersten Saarlandtages 1988, der in unserem Landkreis stattfand. Das Radrennen war Teil des mehrtägigen Veranstaltungskalenders und fand "Rund um den Europäischen Kulturpark Bliesbruck-Reinheim" statt.

Welche Anforderungen wurden zu Beginn an die Fahrer gestellt?

Degott: Es war ein Rennen über 105 Kilometer, fünf Runden durch Reinheim, Habkirchen, Frauenberg, Blies-Ebersing und Bliesbruck. Dabei ging es immerhin fünf Mal über den Reinheimer Berg mit zwölfprozentiger Steigung.

Was ist das Erfolgsgeheimnis dieses Junioren-Radrennens?

Degott: Das gute und mittlerweile eingespielte Zusammenspiel von verschiedenen Organisationen. Neben den Helfern im Orgateam, die sich intensiv auf die Veranstaltung vorbereiten, spielen Polizei, Feuerwehren, THW, aber auch Helfer des Deutschen Roten Kreuzes, der Radsportvereine aus Homburg und Gersheim sowie die motorisierte Unterstützung der Bliestal-Bikler, einem Motorradclub, greifen viele Räder ineinander. Die Trofeo ist ein guter Werbeträger für unsere Bliesgau-Region geworden.

Die fünf Etappen führen über insgesamt 422 Kilometer. Wer ist für die Streckenführung verantwortlich?

Degott: Die Streckenfindung, die hauptsächlich von mir durchgeführt wird, beginnt jeweils im Herbst und ist in der Regel im Januar abgeschlossen. Dazwischen liegen viele Gespräche. Kern- und Keimzelle der Trofeo ist der Bliesgau. Daneben wird auf Wünsche von Kommunen und Sponsoren eingegangen. Beispielsweise wird Homburg in diesem Jahr Start- und Zielort einer Etappe sein, was auf das besondere Engagement sowohl der Stadt als auch der Etappensponsoren - es ist der Preis der Volksbanken und Raiffeisenbanken - zurückzuführen ist.

Sie sind von Beginn an dabei. Kennen die Trofeo aus dem Effeff. Heißt bei Ihnen auch der Slogan, nach der Trofeo ist vor der Trofeo?

Degott: Die Trofeo Karlsberg, als Aushängeschild der Gemeinde Gersheim, gehört zu den vielfältigen Aufgaben des Kulturamtes, und alle meine Mitarbeiter arbeiten mit. Dank des guten Zusammenspiels von Behördenleitung, den Mitarbeitern des Bauhofes, aber auch Helfern aus anderen Abteilungen im Rathaus bietet sich die Möglichkeit und die Chance der Zusammenarbeit an einem wichtigen Projekt. Für mich selbst ist die Trofeo zu einer der wichtigsten Aufgaben geworden, ist sie auch ein Stück Public-Relations und Wirtschaftsförderung. Da der Großteil der Sponsorengelder in der Region bleibt, die Trofeo für Hotels, Schullandheim oder auch Pensionen zu einer wichtigen Einnahmequelle geworden ist, profitieren viele von der Trofeo. Deshalb passt der Slogan: "In der Region, für die Region."

Welche Rolle spielt der Weltmeister und Olympiasieger Andreas Walzer?

Degott: Andreas Walzer, den ich seit Jahren kenne und ihn als Experte und Ratgeber sehr schätze, ist Teil der Organisation. Er präsentiert beispielsweise die Strecken, wie vor Tagen geschehen, ist ein wichtiger Ansprechpartner für die Medienvertreter und hat sicherlich durch seinen guten Namen in der Radsportszene auch mit dazu beigetragen, dass die Trofeo heute einen solch großen Stellenwert besitzt.

Belastet das leidige Thema über Doping diese Rundfahrt der Junioren?

Degott: Sicherlich! Jeder, der sich mit Radsport beschäftigt, muss Angst haben, wenn er morgens die Tageszeitung aufschlägt. Jetzt gerade die Kokain-Affäre von Tom Boonen, der zu den früheren Startern bei der Trofeo gehörte.

Einziger Trost bei alledem ist, dass die Trofeo, Karlsberg wie der Nachwuchsradsport bisher von Dopingfällen verschont geblieben ist.

Gibt es Dopingkontrollen bei Junioren-Radrennen?

Degott: Dopingkontrollen werden in der gleichen Weise wie bei allen Profirennen seit mehr als zehn Jahren durchgeführt. Der Weltradsportverband UCI stellt eigens einen Anti-Doping-Kommissär ab.

Wie schaffen Sie es jedes Jahr, diese organisatorische Meisterleistung zu bewältigen?

Degott: Dank hervorragender Mitarbeiter, aber auch einem bisher nicht zu erschütternden Willen, diese Trofeo Karlsberg für die Region zu erhalten. Hinzu kommen die vielen positiven Erlebnisse und Gespräche, die mit der Trofeo verbunden sind.

Warum ist Zweibrücken aus dem Streckenprofil herausgefallen?

Degott: Es ist schier unmöglich, alle Regionen in entsprechender Weise in die Etappenpläne zu integrieren, da die Trofeo nur vier Tage dauern darf und dabei auch keine Etappe, außer einer, in der Streckenlänge 100 Kilometer überschreiten darf. Wir haben an Zweibrücken gute Erinnerunge. Und es ist keinesfalls ausgeschlossen, dass die Trofeo wieder mal in Zweibrücken Station macht.

Wer sind in diesem Jahr Ihre Favoriten?

Degott: Nach den bisherigen beiden Rennen Paris-Roubaix und der am Sonntag zu Ende gegangenen Friedensfahrt führt Russland das Klassement an. Es folgen Belgien, Niederlande, Deutschland und Frankreich. Alle diese Nationen sind auch bei der Trofeo dabei. Zu den Favoriten gehören sicherlich auch die Italiener, die nach Jahren erstmals wieder bei der Trofeo starten. Gespannt bin ich auf die Leistungen der Japaner, die in diesem Jahr Premiere bei der Trofeo feiern.